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Mortal Shell 2 im Test (PS5): Vom Zweifler zum Bekehrten

Zunächst muss ich erwähnen: Ich war kein großer Fan des Erstlings, um es freundlich auszudrücken. Ehrlicherweise habe ich nie so richtig verstanden, was andere an Mortal Shell so genial fanden – abgesehen von der Hüllen-Mechanik, die einem als Klasse diente und unterschiedliche Waffen sowie Vorteile brachte. Das Gameplay war mir persönlich viel zu träge und steif, und die Verhärtungsmechanik habe ich nie wirklich gecheckt. Deshalb hatte ich Mortal Shell 2 eigentlich gar nicht so richtig auf dem Radar. Obwohl ich sonst jedes Soulslike sofort ausprobiere, ließ mich der Trailer zur Fortsetzung kalt – ich wusste ja schließlich, wie der erste Teil war. Und oh Gott, lag ich falsch damit. Ich hatte eine Fortsetzung im Stile eines Spider-Man 2 erwartet, dessen größte Innovation eine neue Geschichte gewesen wäre. Als ich die Open Beta vorsichtig ausprobierte, war ich hin und weg: Das Gameplay ist wesentlich schneller, man kann jetzt blocken und parieren wie in Sekiro, und ja, die Versteinerungsmechanik ist für Fans davon auch noch vorhanden. Die Entwickler haben hier scheinbar eine Fortsetzung geschaffen, die in fast allen Belangen einen großen Sprung nach vorne macht. Aber kann die Vollversion halten, was die Open Beta versprochen hat? Das erfahrt ihr in diesem ausführlichen Test.

Titel: Mortal Shell 2 Release: 20. August 2026 Plattformen: PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S Entwickler: Cold Symmetry Genre: Action-RPG / Soulslike Publisher: Playstack

Vielen Dank an dieser Stelle an Playstack, das uns ein Testmuster zur Verfügung gestellt hat.

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https://youtu.be/MIEHUDi6DwU

Eine würdige Fortsetzung

Wie bereits erwähnt, ist Mortal Shell 2 für mich eine würdige Fortsetzung. Die Spielwelt ist sehr strukturiert aufgebaut und bietet jede Menge zu entdecken: Neben insgesamt acht Hüllen, also Klassen, gibt es auch die passenden acht Waffen dazu zu finden. Zudem warten insgesamt 73 Tarsteine darauf, von euch entdeckt zu werden. Diese lassen sich ausrüsten und im Spielverlauf aufwerten, um bestimmte Boni auf die unterschiedlichen Waffen zu legen – etwa Effekte wie Blitz, Blutung, Stase, Gift oder Verbrennen. Über Tarsteine lassen sich außerdem besondere Spezialattacken auslösen, die mit jeder Waffe in einer eigenen Animation gipfeln. Waffen, Nebenwaffen und Hüllen lassen sich allesamt aufwerten und verbessern, und jede Hülle bringt einen individuellen Talentbaum mit. Wer tiefer in die Lore der Spielwelt eintauchen möchte, kann zudem die Hintergrundgeschichten der einzelnen Hüllen ergründen. Insgesamt bietet das Spiel so viele unterschiedliche Mechaniken, dass sich jeder Spielstil komplett individuell gestalten lässt. Wer es besonders schwer mag, kann sogar die Nacht heraufbeschwören, was nicht nur die Konfrontationen erschwert, sondern auch völlig neue optionale Bosse und Geheimnisse offenbart.

Das Kampfsystem ist der Star

Grafik, Atmosphäre und Sound sind schon Grund genug zum Feiern, doch meiner Meinung nach ist das Kampfsystem eindeutig der Star von Mortal Shell 2. Das Treffer-Feedback ist hervorragend, auch wenn die Hitboxen nicht immer ganz präzise sitzen: Der Gore, das matschige Geräusch, wenn das Schwert auf das Fleisch der Gegner trifft und man sie mit dem letzten Hieb regelrecht in Stücke teilt, ist ausgesprochen befriedigend. Auch der Impact der Waffen ist perfekt umgesetzt – jede Waffe, ob Haupt- oder Nebenwaffe, fühlt sich komplett anders an und verlangt eine eigene Strategie. Die Spielwelt selbst ist wunderschön designt und erstaunlich abwechslungsreich: giftige Sümpfe, dichte Wälder, dunkle Höhlen und sogar Sci-Fi-artige Strukturen bieten dem Spieler eine Menge zu sehen.

Wiederholung im Bestiarium

Für die Gegner gilt das leider nicht in gleichem Maße. Oft wiederholt sich das Design, oder es handelt sich schlicht um kleinere Varianten bereits bekannter Bosse. Eine kleine, Gollum-artige Figur etwa, die auf allen vieren läuft und seltsame Auswüchse auf dem Rücken trägt, begegnet euch zu Beginn in einer grünen, giftspuckenden Variante, später dann auch in Blau und Rot, um jeweils andere Elementareffekte darzustellen. Auch der Bossgegner Grisha, eine Art Gorillabär mit sichelförmigen Pfoten, muss mehrfach bekämpft werden – in einer Arena sogar gleich im Duo. Das wirkt ein wenig faul und nimmt einem die Freude, sich auf ein komplett neues Angriffsmuster einstellen zu müssen.

Bugs und wacklige Balance zum Ende hin

Generell nehmen Bugs zu, je weiter man im Spiel voranschreitet, und auch die Balance gerät zunehmend aus den Fugen. So konnte ich zum Beispiel eine bestimmte Kiste nicht öffnen: Bei einigen Kisten muss man vorher ein kleines Umgebungsrätsel lösen, für das man drei Kerzen in der Nähe finden und entzünden muss. Bei besagter Kiste hatte ich alle Kerzen gefunden, das Spiel behauptete aber weiterhin, mir würde eine fehlen. Als ich auf der Suche nach der vermeintlich vierten Kerze starb und die Kiste erneut aufsuchte, hieß es plötzlich, mir würden gleich zwei Kerzen fehlen. Da sich die Kerzen nur einmal pro Spieldurchlauf entzünden ließen, war das Rätsel für mich auch nach einem Neustart nicht mehr lösbar.

Auch einige Gegner sind spürbar verbuggt, besonders die Riesenschnecken: Starten sie ihren Angriff von einer erhöhten Position aus, schlagen sie oft regelrecht in die Luft aus und verharren schwebend an dieser Stelle, bis die Angriffsanimation vorbei ist und sie wie Steine zu Boden fallen. Bei manchen Gegnern setzt die KI komplett aus, sodass sie schlicht gar nichts mehr tun. Aber auch beim Spieler selbst gibt es Bugs: Die beschwörbaren Grisha-Verbündeten stecken bei mir öfter zur Hälfte im Boden oder in Wänden fest. Dazu kommt eine Kamera, die – wie in fast allen Spielen dieses Genres – besonders in engen Arealen oder gegen riesige Gegner, die einen in die Ecke drängen, nicht mitspielt. Man sieht plötzlich gar nichts mehr und kann entsprechend auch nicht reagieren.

Ein weiterer Kritikpunkt, der mir vor allem im Kampf gegen härtere Gegner negativ aufgefallen ist: Fast alle Gegner verfügen über eine Art magnetischen Angriff. Beim Ausführen ihrer Attacke werden sie regelrecht nach vorne geschoben, sodass euch Treffer erwischen können, die von der eigentlichen Reichweite her gar nicht hätten ankommen dürfen. Das ist ziemlich gewöhnungsbedürftig und sorgte bei mir öfter für Treffer, die sich einfach unfair anfühlten.

Zur Balance im letzten Spielabschnitt: Gerade dort fühlten sich alle Bossgegner, allen voran der finale Boss, streckenweise schlicht unfair an. Ein einziger Griff reichte bei ihm aus, um meine komplette Lebensleiste zu leeren und mich aus meiner Hülle zu prügeln. War die Lebensleiste nur zur Hälfte gefüllt, kickte er mich bereits mitten in der Greifanimation aus der Hülle und tötete mich direkt mit demselben Griff. Das war mehr als frustrierend, denn egal wie gut ich zuvor gekämpft hatte, ein einziger Fehler konnte den gesamten Kampf beenden. Während ich diese Zeilen schreibe, hat das Team allerdings bereits einen großen Patch veröffentlicht, der vermutlich einige der hier kritisierten Punkte wieder ausbügelt. Um das zu verifizieren, müsste ich das Spiel jedoch komplett erneut durchspielen, was vorerst nicht passieren wird.

Fazit

Trotz kleinerer Designschwächen, Bugs und Balanceproblemen kann ich Mortal Shell 2 jedem Soulslike-Fan uneingeschränkt ans Herz legen. Eigentlich kommt kein wahrer Genre-Fan an diesem Spiel vorbei, denn es gehört trotz aller Kritik zu den besten Vertretern seiner Zunft. Vom Zweifler nach Teil 1 hat mich Mortal Shell 2 zu einem echten Bekehrten gemacht.

Update vom 29. August 2026: Kurz nach unserem Test hat Cold Symmetry den ersten großen Patch veröffentlicht, der einige der hier beschriebenen Probleme direkt adressiert. So wurde unter anderem ein Lichträtsel mit nicht mehr verbundenen Kerzen behoben – exakt der Bug, an dem ich in meinem Durchgang gescheitert bin – ebenso wie im Boden eingebettete Grisha-Beschwörungen. Auch der von mir kritisierte magnetische Anziehungseffekt bei gegnerischen Angriffen wurde angegangen: Die Höchstwerte für Gegnerverfolgung und Magnetismus wurden gedeckelt, weitere individuelle Anpassungen sollen in kommenden Patches folgen. Zusätzlich gab es eine vollständige Überarbeitung der Konter sowie einen allgemeinen Feinschliff an den meisten Bossen. Die vollständigen Patchnotes findet ihr hier bei Steam. Die obige Wertung bezieht sich auf meinen Eindruck vor dem Patch – ob sich dadurch mein Gesamtbild ändert, kann ich final erst nach einem erneuten Durchgang beurteilen.

Wertung: 8.5 / 10

Pro & Kontra

Pro:

  • Überragendes Kampfsystem: Schnell, wuchtig, mit exzellentem Treffer-Feedback und Gore.
  • Tiefes Hüllen- und Tarstein-System: Enorme Build-Vielfalt und individuelle Spielstile.
  • Wunderschöne, abwechslungsreiche Spielwelt: Von giftigen Sümpfen bis zu Sci-Fi-Strukturen.
  • Optionale Herausforderung: Die Nacht-Mechanik bietet zusätzliche Bosse und Geheimnisse für Vollblut-Souls-Fans.

Kontra:

  • Wiederkehrendes Gegnerdesign: Viele Gegner sind nur eingefärbte Varianten oder Boss-Wiederholungen.
  • Magnetische Gegnerangriffe: Attacken schieben Gegner nach vorne und treffen so auch außerhalb der eigentlichen Reichweite.
  • Zunehmende Bugs im späteren Spielverlauf: Von hängenden Verbündeten bis zu ausgesetzter Gegner-KI.
  • Wacklige Balance im Endgame: Späte Bosse können durch einzelne Treffer sehr unfair wirken.
  • Problematische Kamera in engen Arealen: Ein bekanntes Genre-Problem, das auch hier zuschlägt.
Über Egor Sommer 2294 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
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