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Angespielt: Silver Palace verbindet viktorianisches London mit Gacha-Action – und das funktioniert überraschend gut

Gaslaternen statt Fantasy-Wälder, Detektivarbeit statt Standard-Questgeschwafel: Silver Palace von Silver Studio und Publisher Elementa mischt das inzwischen ziemlich vollgepackte Gacha-Action-RPG-Genre mit einer viktorianisch inspirierten Metropole auf. Ich konnte das Spiel auf der Gamescom anspielen und war von Präsentation und Kämpfen mehr als angetan.

Silver Palace sorgt schon seit den ersten Trailern für Aufmerksamkeit, und das liegt vor allem an seiner ungewöhnlichen Mischung: eine riesige, vom viktorianischen Zeitalter inspirierte Metropole trifft auf Anime-Charaktere, Fantasy-Elemente, waschechte Detektivarbeit und schnelle Echtzeitkämpfe. Entwickelt wird der Titel von Silver Studio auf Basis der Unreal Engine 5, während Elementa als Publisher fungiert. Damit bewegt sich Silver Palace in einem inzwischen ziemlich hart umkämpften Feld – Genshin Impact, Zenless Zone Zero und Wuthering Waves lassen grüßen –, doch schon mein erster Eindruck zeigt: Hinter der hübschen Fassade steckt ein Spiel, das sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss.

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https://youtu.be/hDHFxsh02aE

Silvernia: Eine Stadt zwischen Gaslaterne und Magie

Die Handlung versetzt euch ins dritte Regierungsjahr von Queen Feliana. Ein Detective – Geschlecht frei wählbar – kehrt zurück, um dem Ursprung eines tödlichen Schusses nachzugehen. Diplomatie, Deduktion, Instinkt und Kampf sollen dabei gleichermaßen wichtig sein. Schauplatz der Geschichte ist Silvernia, eine wohlhabende Industriemetropole, die durch die Entdeckung von Silverium geprägt wurde – einer geheimnisvollen Ressource, die technologischen Fortschritt vorantreibt, gleichzeitig aber neue Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen schürt, die um ihre Kontrolle ringen. Unter der glänzenden Oberfläche der Stadt konkurrieren Firmenmonopole, Untergrund-Syndikate, königstreue Fraktionen und mysteriöse Kulte um Einfluss – eine Stadt voller politischer Spannungen, versteckter Agenden und gefährlicher Verschwörungen.

In meiner eigenen Anspielsession hat mich Silvernia sofort gepackt. Gaslaternen, Kutschen, Uhrentürme, enge Straßen und aufwendig verzierte Fassaden treffen hier auf Fantasy und magische Technologie, ohne dass sich das wie nachträglich aufgepfropfte Kulissen anfühlt. Die Ästhetik zieht sich konsequent durch die gesamte Umgebung, unterstützt von dynamischem Wetter und einem waschechten Tag-Nacht-Wechsel. Auch klanglich hat mich Silver Palace überzeugt: Klassische Klänge verschmelzen mit elektronischen Einflüssen zu einer Untermalung, die perfekt zur Mischung aus historischem Vorbild und fantastischer Technologie passt.

Kämpfe, die an Zenless Zone Zero erinnern – im positiven Sinne

Spielerisch wurden mir die Parallelen zu anderen Character-Action-Titeln schnell klar, allen voran Zenless Zone Zero. Ihr stellt euch eine Gruppe verschiedener Figuren zusammen und wechselt während der Auseinandersetzungen in Echtzeit zwischen ihnen. Besonders die getimten Wechsel bleiben im Gedächtnis: Charaktere springen ins Gefecht, während Ausweichmanöver und Paraden im richtigen Moment ausgeführt werden wollen, angekündigt durch visuelle und akustische Hinweise. Gelingt das Timing, folgt auf einen perfekten Block direkt ein Konter – und genau diese Momente fühlten sich für mich schon in der Demo ausgesprochen befriedigend an.

Schon nach wenigen Minuten friedlicher Erkundung wurde ich in kleinere Auserneindersetzungen mit Kleinganoven hineingezogen, später wartete sogar eine riesige Kutsche als Gegner. Gerade bei solchen Begegnungen fährt Silver Palace ordentlich auf: Animationen, Ultimates und Finisher werden spektakulär inszeniert und vermitteln früh das Gefühl, dass große, cineastische Setpieces eine zentrale Rolle im Spiel einnehmen dürften. Überraschend früh bekam ich zudem einen Pegasus als Reittier, mit dem sich Silvernia deutlich schneller erkunden lässt – an bestimmten Stellen kann das Tier sogar in einen Gleitflug übergehen, um größere Distanzen zu überwinden. Später sollen laut Entwicklern sogar Pferderennen möglich sein.

Kleine Rätsel wie aus der Spielzeugkiste

Was mir persönlich besonders gut gefallen hat, waren die kleinen Rätsel, die sich über das Stadtgebiet verteilen. Sie erinnerten mich stark an klassisches Spielzeug wie Doktor Bibber oder ein Murmelbrettchen: Statt einem Brett, wo wir eine Kugel durch Neigung ans Ziel manövrieren, steuern wir in Silver Palace durch Magie eine Kugel durch ein kleines Labyrinth (entschudligt die schlechte Bildaufnahme). Ein charmantes, haptisches Detail, das angenehm von den actionlastigeren Passagen abwechselt und zeigt, dass sich die Entwickler auch abseits der Kämpfe Gedanken über abwechslungsreiches Gameplay gemacht haben.

Gacha-Mechaniken: ein schmaler Grat

Wie schon bei anderen Titeln des Genres lässt sich die Gacha-DNA von Silver Palace kaum übersehen – vier spielbare Figuren konnte ich während meiner Session ausprobieren, und wie wichtig die einzelnen Charaktere fürs Kampfsystem sind, wurde dabei schnell deutlich. Persönlich bereiten mir Gacha-Mechaniken grundsätzlich keine Kopfschmerzen, solange sämtliche Inhalte tatsächlich spielbar bleiben und nichts hinter einer Paywall verschwinden. Das ist allerdings immer ein schmaler Grat: Auch wenn Silver Palace als Free-to-Play-Titel erscheinen wird, müssen die Entwickler schließlich ebenfalls ihre Brötchen verdienen. Wie die Monetarisierung im fertigen Spiel konkret aussehen wird, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht seriös beurteilen.

Ein Wermutstropfen: noch keine deutsche Lokalisierung

Ein Kritikpunkt, den ich aus Vorschauen anderer Kollegen bestätigt sehe: In der Messe-Demo fehlten noch komplett deutsche Texte und eine deutsche Sprachausgabe. Das Team von Elementa hat aber bereits angekündigt, dass zum Release im kommenden Jahr die deutsche Sprache vollumfänglich integriert sein soll. Angesichts dessen, wie rund sich der Titel bereits jetzt anfühlt, ein verschmerzbarer Makel.

Detektivarbeit als zweite Säule

Abseits der Kämpfe schlüpft ihr in die Rolle des bereits erwähnten Detectives. Ermittlungen und die Geheimnisse Silvernias sollen dabei neben der offenen Welt einen weiteren wichtigen Teil des Abenteuers bilden – in meiner rund 30-minütigen Session bekam ich davon allerdings deutlich weniger zu sehen als von Kämpfen und Präsentation, da der Fokus der Demo klar auf der Action lag.

Was ich sonst noch herausgefunden habe

Über meine eigene Anspielzeit hinaus habe ich mich noch etwas genauer umgeschaut, was Silver Palace sonst noch zu bieten hat. Neben der Hauptkampagne existiert demnach bereits ein zusätzlicher Mehrspieler-Modus namens House of Greed, der in einem düsteren Setting kooperative Kämpfe mit mehreren Charakteren bietet und das Spiel über sein Einzelspieler-Abenteuer hinaus erweitert. Zudem wurde Silver Palace für den Titel „Best Mobile Game“ bei den Gamescom Awards nominiert und erhielt während der Opening Night Live einen eigenen neuen Trailer.

Bei den Kämpfen selbst soll übrigens ein sogenanntes Silverdrip- beziehungsweise Resonanzsystem eine wichtige Rolle spielen, das elementare oder partnerbasierte Synergien zwischen den Charakteren ermöglicht, mit denen sich Angriffe verketten und taktische Vorteile erzeugen lassen sollen – auch wenn hierzu bislang nur Beta-Informationen vorliegen, die sich bis zum Release noch ändern können.

Zur Popularität des Spiels: Bereits Mitte August vermeldete Publisher Elementa mehr als zehn Millionen Vorregistrierungen, mittlerweile ist die weltweite Vorregistrierung offiziell über App Store, Google Play, PlayStation Store, Epic Games Store und die offizielle Website gestartet. Als Plattformen bestätigt sind PC, iOS, Android sowie PlayStation 5. Einen offiziellen, weltweiten Release-Termin hat Elementa bislang nicht kommuniziert – lediglich im App-Store-Eintrag taucht der 31. Januar 2027 als Platzhalter-Datum auf, das Apple für Vorbestellungs-Listings verlangt. Ob dieser Termin tatsächlich hält, bleibt also vorerst Spekulation.

Mein Fazit

Silver Palace erfindet das Character-Action-Rad zwar nicht neu, und gerade beim Kampfsystem sind die Vorbilder kaum zu übersehen. Die Kombination aus viktorianischer Großstadt, Magipunk-Ästhetik, Detektivgeschichte und aufwendig inszenierten Action-Sequenzen verleiht dem Spiel aber schon jetzt eine eigene, unverwechselbare Identität. Besonders die Inszenierung der großen Kämpfe, die überraschend hochwertige Präsentation und die charmanten kleinen Rätsel im Stadtgebiet sind bei mir hängen geblieben. Ob am Ende mehr daraus wird als nur ein weiterer hübscher Vertreter eines mittlerweile gut gefüllten Genres, müssen vor allem die offene Welt, die Ermittlungen sowie das langfristige Charakter- und Monetarisierungssystem zeigen. Nach meinem ersten Ausflug nach Silvernia würde ich mir die Stadt aber definitiv gerne noch einmal genauer ansehen.

Über Egor Sommer 2302 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
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