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BambuLab – Vor- und Nachteile

BambuLab, ein 3D Drucker Hersteller, der die Welt des „making“ verändert hat. Als Nutzer verschiedener Modelle und Hersteller mit mittlerweile über 13 Jahren Erfahrung auf dem Gebiet gehöre ich selbst zu den Nutzern dieses Herstellers. Dennoch ist auch hier nicht Alles perfekt. Dazu muss man aber verstehen was hier eigentlich los ist. Gerade Neueinsteigern fällt es schwer den Unterschied zwischen gut und schlecht zu finden. Ich möchte heute einmal darauf eingehen warum BambuLab die Welt des 3D Drucks umgekrempelt hat, wie das geschehen ist und was die Vor- und Nachteile dessen sind was gerade vor sich geht! Dazu muss man allerdings einiges wissen und verstehen!

Die Geschichte des 3D Drucks – aus meiner Sicht

Anet A8

3D Druck, ein Hobby, eine Passion, ein Werkzeug. Für mich begann 3D Druck mit einem Auto Ersatzteil aus Kunststoff. Genauer gesagt mit einem gebrochenen Hacken an der Hutablage eines Ford Mondeo Mark II Kombi. Eine neue Hutablage sollte knappe 500€ kosten und das gebrauchte Ersatzteil auf dem Schrottplatz 240€. Wegen einem gebrochenen Plastikhäckchen!

Das war in meinen Augen weder sinnvoll noch wirtschaftlich. Mein Gedankengang war einfach: kauf dir einen 3D Drucker, konstruier das Teil und druck es dir selber aus! Zu diesem Zeitpunkt gab es noch kein Temu und auch das Sortiment von Ali Express war bei weitem nicht so groß wie heute. Mittlerweile bekommt man passende Clips um die 10-20€ im Satz sogar bei Amazon. Damals allerdings nicht. Da ich zu diesem Zeitpunkt auch noch Arbeitslos war und dementsprechend jeden Cent einzeln umdrehen musste lag es nahe lieber für 130€ einen 3D Drucker Bausatz zu kaufen, mich ein paar Tage damit zu beschäftigen und das Teil selbst zu fertigen.

Das war mein Weg und den bin ich auch gegangen. Naja halbwegs… der ANet A8 den ich damals als Bausatz gekauft habe war bereits von vornherein zum scheitern verurteilt. Qualitativ grottig und kaum zu benutzen. Die Stellschrauben hatten sich in wenigen Tagen festgefressen, die Druckqualität nicht im Ansatz ausreichend und die Stabilität des PVC Rahmens… naja reden wir nicht mehr davon…

Dennoch war das mein erstes Projekt und es hat eine Menge Spaß gemacht. Ich habe mich gefühlt wie Technikgott nachdem ich meinen eigenen 3D Drucker aus Einzelteilen zusammengesetzt, aufgebaut, eingerichtet und kalibriert hatte. Ein wirklich tolles Gefühl

Bambu Lab A1 mini Combo 3D Drucker System

So sieht die Realität heute aus

Wer heute zuschlägt und sich den günstigsten BambuLab 3D Drucker kauft bekommt für nur 172€, plus Versand, einen 18x18x18cm großen Bauraum, einen Drucker der „out of the Box“ funktioniert, der in Minuten aufgebaut und eingerichtet ist und für den der Nutzer quasi keinerlei Fachwissen mehr benötigt.

Auspacken – Schrauben lösen – Anschalten – Auto kalibrierung starten – Filament einlagen – drucken!

Das ist der Workflow mit einem nagelneuen Bambu-Lab Drucker. Klar, je nach Modell bedürfen sie einiges an Schrauben mehr, der A1 muss zum Beispiel auch noch manuell mit einigen Kabeln bestückt werden, aber Alles ist nummeriert, markiert und beschrieben. Im Gegensatz zu meinem ersten Gerät, bei dem eine Anleitung, mit Bilder, auf chinesisch dabei war, auch noch für den falschen Drucker, ist das heute Luxus.

Dabei ist es aber auch mittlerweile egal ob es ein BambuLab A1, A1mini, Creality Hi, Anycubic Kobra 3V2, Prusa Core one, Elegoo Centauri Carbon oder ein anderes Modell ist. Die meisten modernen Modelle sind quasi in Aufwand und FUnktion gleich.

Die Kontroverse von BambuLab

Ein Hersteller hat die Welt des 3D Drucks allerdings umgekrempelt und das war BambuLab. Mit seiner einfachen Handhabung, den komplett aufgebauten Geräten und den nutzerfreundlichen Funktionen wie automatischer Flusskalibrierung hat BambuLab das Hobby und die Passion deutlich zugänglicher gemacht.

Das ruft allerdings bei Vielen, die ab der ersten Stunde dabei waren, Erinnerungen wach. Wer vorher noch Tage und Wochen damit zugebracht hat seine Drucker zu optimieren und zu kalibrieren kommt heute zusammen mit Menschen in ein Hobby, die quasi keinerlei Ahnung mehr haben müssen. Als BambuLab Käufer muss man lediglich das notwendige Kleingeld auf den Tisch legen und bekommt ein Gerät das 3D Druck genauso gut hinbekommt wie Andere Menschen, die jahrelang gearbeitet, gelesen und Erfahrungen gesammelt haben. Alleine das zusammenspiel von Temperatur und Materialfluss ist Vielen heute ein Rätsel.

Das sorgt in der Community für einige Punkte an denen Menschen gerne anecken. Ich selbst gehöre da zum alten Schlag. Ich kalibriere meine Materialien um noch perfektere Ergebnisse zu erzielen. Aber ich höre mir aus der Bambu-Community auch ständig Sprüche an wie: „… ich habe in meinem Leben noch nie etwas kalibriert und meine Drucke sind perfekt“! Glaubt mir, eure Drucke sind nicht perfekt! Dennoch erzielen moderne Geräte weitaus beeindruckendere Ergebnisse als es selbst mit perfekter kalibrierung vor 10 Jahren möglich war.

Nun treffen hier zwei Welten aufeinander! Menschen die extrem gute und einfach zu nutzende Materialien günstig kaufen, ihre Drucker aus der Kiste nehmen und sofort mit einer Handy-App losdrucken ohne auch nur die geringste Ahnung von Einstellungen zu haben und die Menschen die alles händisch ermittelt haben.

Natürlich kann ein 50€ Ender 3 aus dem Hause Creality genauso gut drucken wie ein moderner 2000€ BambuLab Drucker. Allerdings ist der Aufwand und das notwendige Fachwissen, genauso wie die Druckgeschwindigkeit hier ein gewaltiger Unterschied. BambuLab hat damit eine neue Nutzergruppe geschaffen und ihre Geräte genau auf diese User zugeschnitten.

(stark vergrößerte Ansicht eines gut kalibrierten Stein Filaments, fast komplett unsichtbare Layerlinien)

Die Philosophie hinter BambuLab

Die Idee hinter dem Konzept BambuLab ist klar. Einfachheit, Nutzerfreundlichkeit, Qualität und minimaler Aufwand bei maximalem Ergebnis. Das schafft eine neue Gruppe von Nutzern, die nicht erstmal in die Materie einsteigen müssen. Heutzutage muss man nichtmehr wissen wie man ein Druckbett von Hand ausrichtet, wie ich selbst beim Creality K1 trotz automatischer Kalibrierung noch händisch gemacht habe. Heute muss man nichtmehr wissen welche Werte genau was bedeuten, da es für fast alle Modell fertige Druckprofile gibt. Das wollten die Macher hinter BambuLab auch erreichen. Natürlich sie wollten auch gerne Geld verdienen, gerne auch unverschämt viel und so lassen sie sich die Geräte und ihre Ideen auch gut bezahlen, quasi das Applemodell.

Dennoch hat sich BambuLab zur Aufgabe gemacht gute Geräte mit wenig Wartungsaufwand zu bieten und dabei Erfolge erzielt. Mit mittlerweile über 8000 Druckstunden auf meinen 6 BambuLab Druckern, ja Einen musste ich aus Platzgründen abgeben *heul* kann ich auch bestätigen das das gut funktioniert.

Das rückt die Technik heraus aus dem Fokus des Hobby´s, eigentlich Grund genug für mich wieder ein altes Gerät zu kaufen an dem wieder rum basteln könnte, aber dafür habe ich leider keinen Platz im Moment.

BambuLab hat es geschafft einen komplett neuen Markt zu erschaffen in dem User für User Dinge erstellen und die Leute der „Alten Garde“ ihr Fachwissen kompetent einsetzen können um bessere Modelle zu erschaffen und bessere Druckprofile, was dank einem attraktiven Belohnungssystem von BambuLab auch gut funktioniert.

Vor- und Nachteile bei BambuLab

BambuLab hat es sich zur Aufgabe gemacht 3D Druck in den Alltag zu bringen und das schafft das Unternehmen auch verdammt gut. Einfache Geräte, mit wenig Wartungsaufwand und fast komplett automatischer kalibrierung liefern ab. Kauft man nun noch die eigenen Materialien des Herstellers bekommt man bereits fertige Kalibrierung Profile die auf 80-85% genau sind und fast perfekt funktionieren. Das nimmt Vielen Menschen die Angst vor einem Hobby das eigentlich extrem viel Aufmerksamkeit benötigt.

Der Nachteil liegt allerdings auf der Hand. Seit BambuLab die Bühne betreten hat werden die Systeme immer geschlossener. Wo man früher noch ein Upgrade mit besseren Motoren, Lüftersystemen und co. machen konnte ist heute kaum noch etwas individualisierbar. BambuLab geräte sind dafür gedacht zu funktionieren und das in ihren vorgegebenen Parametern. Darüber hinaus sollen die Nutzer am besten die Finger von den Maschinen lassen.

Dennoch bleibt BambuLab bei der üblichen Strategie, die man von 3D Drucker Herstellern kennt und hier liegt der Hase begraben. Den Nutzern wird kein Fullservice geboten. Wer einmal ein defektes Teil hat wird zwar kostenfrei mit Ersatzteilen beliefert, selbst wenn man gerade über die Garantie hinaus ist, macht der Hersteller gerne noch eine Kulanzentscheidung, aber einbauen muss man die Sachen meist selbst. Das widerspricht natürlich dem Konzept ein wenig, setzt aber auch die neue, deutlich weniger versierte Kundschaft, massiv unter Druck. Zwar bietet der Hersteller gute, bebilderte Anleitungen, teilweise sogar mit Videos aber die Konstruktion der Geräte ist teilweise suboptimal gehalten. Wer technisch nicht versiert ist fällt hier schnell auf einige Designprobleme herein wie z.B. potentielle Kabelabrisse dank enger Kabelführungen und wenig komfortabler Steckverbindungen die verklebt worden sind. Die Wartung an einem BambuLab Gerät, der austausch grundlegender Komponenten ist teilweise wirklich schwierig.

Das hat auch dazu geführt das der Hersteller bereits vor dem offiziellen Release des kommenden Top Modells: H2C bekanntgegeben hat das das Vortek-hotend-change-System das die fast Müllfreie Mehrfarbdruck Technik ermöglichen soll, mit viel Bastelaufwand verbunden ist.

Jemand der wie ich seine eigenen 3D Drucker gebaut hat, sieht darin jetzt weniger Probleme, aber mir ist auch von vornherein klar das das Tauschsystem den Tausch fast des gesamten Druckkopfes bedeutet. Hier muss zwingend eine neue Technik integriert werden, Kabel verlegt, Stromangepasst und Datenleitungen neu gezogen werden. Das bedeutet natürlich einen gewissen Aufwand und ein gewisses Risiko dabei etwas kaputt zu machen. Wer das gewohnt ist für den ist das kein Problem, aber für die neue Kundschaft warnt der Hersteller ausdrücklich vor dem Aufwand des Upgrade Kits.

Angeboten wird es in Zukunft trotzdem, da man sich mit dem H2D und H2S Release schon ordentlich überschlagen hat. Ich für meinen Teil denke nämlich das der H2S die bessere Wahl gewesen wäre auch wenn ich meinen H2D sehr liebe. Preislich muss ich aber mit dem H2S sehr viel Müll produzieren bevor ich den Aufpreis zum H2D den Preis aufgeholt habe und als Schnäppchenjäger kann ich auch sehr gut günstige Materialien nutzen.

Meine persönliche Einschätzung

Ich bin und bleibe großer Fan von BambuLab-Geräten. Alleine die Tatsache das ich an 7 Druckern die ich besessen habe in über 8.000 Druckstungen lediglich einmal einen größeren Defekt hatte, den ich aber selbst verursacht habe, ist schon viel wert! Auch das gesamte Ökosystem mit Makerworld, dem Makerlab und die Tatsache das man die Hotendtechnologie der A-Serie in die aktuellen System übernommen hat, macht es für mich mehr als attraktiv. Preislich zahle ich bei BambuLab einen Aufpreis für die Geräte. Den zahle ich aber gerne wenn es funktioniert.

Sicherlich bekomme ich Geräte von Elegoo und Creality günstiger, aber BambuLab hat sich mit Zuverlässigkeit und Qualität bei mir eingenistet und beweisen können. Sicherlich bin ich trotzdem noch offen für andere Geräte, allerdings fehlt mir der Platz Alles unterzubringen was ich gerne ausprobieren würde.

BambuLab liefert einfach gute Geräte auch wenn sie die Community ordentlich aufgewühlt haben und für viele neue Probleme gesorgt haben, die der Markt vorher nicht kannte. Wobei diese Aussage eigentlich falsch ist, denn die 3D Druck Community kennt diese Probleme sehr gut und weiß sie auch zu lösen, aber in vielen Fällen müssten sich die Nutzer einfach mal mit ihren Geräten beschäftigen. Auch das beschäftigen mit den Grundlagen wäre durchaus wichtig, aber das möchte man natürlich nicht wenn man verkaufen will.

BambuLab bietet eigenes Material an, eigene Teile und liefert ein perfekt funktionierendes Ökosystem aus Software, Hardware und Usercommunity. Da sollen die Käufer reingeboren werden und am besten nie wieder entkommen. Dafür lässt sich BambuLab das Filament zum Beispiel vergolden. Unbestätigten Gerüchten zufolge sind BambuLab Materialien von Herstellern wie SunLu oder eSun. Beides gute Marken in meinen Augen, allerdings deutlich günstiger als mit einem BambuLab Logo.

Der Preis von €22,99,- für eine Rolle Standard weiß ist nicht günstig und ohne Mengenrabatte würde ich das nicht einmal in Erwägung ziehen! Trotzdem warte ich zusätzlich meist noch auf Angebote. Gute und günstige Markenmaterialien sind selbst bei Amazon bereits ab ca. 8-10€/Kg erhältlich*. Schlechter funktionieren die Materialien nun nicht, vor alle nicht wenn man sich ein wenig mit der Kalibrierung beschäftigt. Eine ausführliche Anleitung, mit Video´s zum Thema kalibrieren findet ihr hier.

KI generiertes Bild eines kritischen Wissenschaftlers

BambuLab das Fazit und die Kontroverse

Da BambuLab als Hersteller die größten Hürden und Hindernisse aus dem Weg geräumt hat, die 3D Druck unzugänglich gemacht haben haben sie eine komplett neue Käuferschaft erreicht. In Coronazeiten haben viele Influencer, die vorher Tanzvideos, Lipsync und Gamingcontent produzierten mit 3D Druck angefangen und das Hobby so noch deutlich attraktiver und bekannter gemacht.

Die neue Käuferschaft steht aber in direkter Konkurrenz zu den alteingesessenen 3D Druck Experten. Heute sind Diejenigen, die sich seit 10 oder mehr Jahren mit dem Thema auseinandersetzen bereits so viel weiter was Fachwissen und Expertise angeht als 99,9% aller Bambulab Nutzer. Selbst ich muss teilweise Dinge über Suchmaschinen nachlesen, weil ich sie mittlerweile vergessen habe, da ich sie nichtmehr brauche.

Das Beste Beispiel ist die Flusskalibrierung mittels Bügelmessschraube, die Zeit, Nerven und Material kostet. Die „Plättchenmethode“ die in den meisten Programmen integriert ist, ist einfach zu ungenau und selbst die verstehen die wenigsten Nutzer überhaupt richtig, so das die korrekten Einstellungen oftmals viel zu kurz kommen.

Auch oft unterschätzt die Abweichungen beim drucken. Gerade ein sehr detaillierter druck mit 0.08mm Schichthöhe muss akribisch kalibriert werden um perfekt auszusehen. Überschüssiges Material muss schließlich irgendwo hin, meist in die Breite, was ungenaue Maße und schlechte Wände zur Folge hat. Diese Basics fehlen den meisten Neueinsteigern.

Das solche massiven Diskrepanzen in Fachwissen, kombiniert mit einer fehlenden Bereitschaft sich damit zu beschäftigen, weil die Ergebnisse bereits ausreichend sind, zu Diskussionen und teilweise auch Streit in der Community führen ist leider klar. Das ist aber ein Problem der Community und nicht die schuld des Herstellers.

Die Macher hinter BambuLab haben die Probleme und nervigen Details eines klassischen 3D Druckers genommen und aktiv ausgemerzt. So haben sie Produkte geschaffen die bereits in der kleinsten Preisklasse ab 172€ (wenn ihr den Rabatt haben möchtet schreibt uns einfach an oder einen Kommentar), deutlich besser funktionieren wie die Geräte die dazu geführt haben das man 3D Drucker entwickelt hat.

Alleine aus diesem Grund haben wir uns entschieden auch 3D Druck Content hier zu veröffentlichen. Alles zum Thema 3D Druck findet ihr auf unseren 3D Druck Seiten.

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