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Angespielt: Ananta will das „Anime-GTA“ sein – und nach 40 Minuten kann ich verstehen, warum

Ananta artwork
Ananta artwork

Das letzte Spiel meiner diesjährigen Gamescom-Reise hatte es in sich: Ananta, von der Fachpresse schon im Vorfeld als „Anime-GTA“ gehandelt, hat mich 40 Minuten lang zwischen zwei völlig unterschiedlichen Städten hin- und hergerissen. Nach dieser Zeit bin ich mir sicher: Der Vergleich mit Rockstars Dauerbrenner kommt nicht von ungefähr – und trotzdem ist Ananta klar sein eigenes Ding.

Nach einer ganzen Woche voller Anspieltermine sollte Ananta den krönenden Abschluss meiner diesjährigen Gamescom bilden. Im Vorfeld schon von der Fachpresse als „Anime-GTA“ betitelt, war ich entsprechend gespannt, was das Free-to-Play-Spiel von Entwickler Naked Rain wirklich kann und ob es sich den großen Vergleich mit Rockstars Dauerbrenner tatsächlich verdient. Satte 40 Minuten durfte ich mit dem Titel verbringen, aufgeteilt auf zwei völlig unterschiedliche Erlebnisse in zwei unterschiedlichen Städten.

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https://youtu.be/jtiZDIYvJ60

Nova City: Wenn der Charakterwechsel sich anfühlt wie GTA 5

Der erste Abschnitt führte mich zunächst durch eine kurze Story-Mission, bevor ich die an westliche Metropolen wie New York angelehnte Stadt Nova City frei erkunden durfte. Und hier wurde mir die Parallele zu GTA ziemlich schnell bewusst: Wechselt man den Charakter, könnte die Inszenierung praktisch eins zu eins aus GTA 5 stammen. Auch hier zoomt die Kamera erst in den Himmel, um anschließend zügig auf den Charakter zu zoomen, den man zuvor über ein Wahlrad-Menü ausgewählt hat. Schön gelöst: Genau wie bei GTA 5 gibt es dabei jeweils eine kurze Zwischensequenz, die den Figuren zusätzliche Tiefe verleiht. In meinen fünf bis sechs Charakterwechseln während der Demo wiederholte sich dabei keine einzige dieser Sequenzen – ich bin gespannt, wie viele Varianten sich die Entwickler insgesamt ausgedacht haben und ob sich das im späteren Spielverlauf irgendwann doch wiederholt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Wechsel zu einer Polizistin, die sich gerade in einem Street-Food-Restaurant einen Burger gönnen wollte. Direkt neben ihr bricht plötzlich eine Schlägerei aus, Gegenstände fliegen durch die Luft, einer davon trifft ausgerechnet ihre Hand mit dem Burger – der ihr postwendend aus der Hand geschlagen wird. Prompt mischt man selbst in der folgenden Prügelei kräftig mit.

Ananta Screenshot 1
Ananta Screenshot 1

Ein Kampfsystem, das mich sofort überzeugt hat

Genau dieses Kampfsystem ist für mich schon jetzt eines der beiden großen Highlights von Ananta. Blocken, Parieren, Ausweichen sowie starke und schwache Angriffe fühlen sich bereits jetzt richtig gut an, und die Wucht der einzelnen Schläge ist durchaus beachtlich. Besonders bemerkenswert: Man kann sogar zwei Angreifer gleichzeitig parieren, eine Mechanik, die man in vergleichbaren Actionspielen eher selten in dieser Form umgesetzt sieht. Neben dem Charakterwechsel ist das Kampfsystem für mich definitiv der zweite große Pluspunkt meiner Anspielsession.

Absolut erstaunt hat mich zudem eine völlig andere Mechanik, die ich als Polizistin ausprobieren durfte: die Interaktion mit einzelnen NPCs. Praktisch jeder Passant in Nova City ließ sich gezielt ansprechen, etwa um einen Drogentest durchzuführen, ein Gespräch zu beginnen, eine Befragung einzuleiten oder die Person im Zweifel direkt zu verhaften. Diese Mechanik erinnerte mich sofort an Red Dead Redemption 2, wirkte in meiner kurzen Anspielzeit aber sogar noch einen Tick immersiver. Leider reichte die Zeit nicht aus, um herauszufinden, ob auch die anderen Charaktere auf dieselbe Weise mit NPCs interagieren können – anzunehmen ist aber, dass jede Figur hier ihre eigenen, individuellen Mechaniken mitbringt, ähnlich wie bei der Fortbewegung: Während Captain sich Spider-Man-artig durch die Stadt schwingt, düst die Polizistin stattdessen mit einem Streifenwagen umher, der dritte von mir gespielte Charakter wiederum saß auf einem kleinen Mofa.

Nach dem kurzen Handgemenge folgt eine waschechte Autoverfolgungsjagd, bei der ich auch das Gunplay kennenlernen durfte – auch das fühlte sich bereits richtig gut an. Schießt man gezielt auf die Reifen verfolgender Fahrzeuge, platzen diese, die Autos wirbeln unkontrolliert durch die Luft und explodieren schließlich. Pure Adrenalin-Action, wie man sie aus dem Genre kennt und liebt.

Ananta Screenshot 4
Ananta Screenshot 4

Chongxiao: Tentakelarme, Spider-Man-Feeling und noch etwas Bremsspur

Der zweite, ebenfalls rund 20-minütige Abschnitt der Demo führte mich in die neu enthüllte Stadt Chongxiao, eine deutlich asiatisch geprägte Metropole nach dem Vorbild von Hongkong, inklusive spürbarem kulturellem Einfluss in Architektur und Umgebung. Hier übernahm ich einen Charakter, der mich stark an Venom erinnerte: Im Kampf setzt er schwarze Tentakelarme ein, die an die Masse des bekannten Marvel-Symbionten erinnern. Auch bei der Fortbewegung durch die Stadt kommt diese Fähigkeit zum Einsatz – ähnlich wie Spider-Man schwingt man sich damit von Laterne zu Laterne durch Chongxiao. Leider kam die dabei eigentlich zu erwartende Geschwindigkeit in meiner Demo-Version noch nicht richtig zur Geltung; die Bewegung wirkte streckenweise noch zu langsam, teilweise sogar fast wie in Zeitlupe, besonders im Moment des Ansprungs an eine Laterne. Hier würde ich mir bis zum Release noch spürbar mehr Tempo und Wucht wünschen.

Im zweiten Story-Abschnitt schlüpfte ich zudem in die Rolle eines jungen Mädchens, das sich vor einer Gang verstecken musste, und suchte mich schleichend durch eine Tempelanlage. Spielerisch hielt sich dieser Abschnitt eher zurück, der Weg war weitgehend vorgegeben, die Hauptaufgabe bestand darin, Gegnersichtlinien zu meiden – wird man entdeckt, folgt sofort Game Over und ein Reset zum letzten Checkpoint. Zur eigentlichen freien Erkundung von Chongxiao blieb mir in der Kürze der verbleibenden Zeit leider kaum noch Gelegenheit, ebenso wenig zu den zahlreichen Aktivitäten, die die offene Welt insgesamt zu bieten haben dürfte.

Ananta Screenshot 3
Ananta Screenshot 3

Was andere Anspielberichte noch verraten

Nach meiner eigenen Session habe ich mir angeschaut, was andere Kolleginnen und Kollegen von ihren Terminen mit Ananta berichten – und dabei einige zusätzliche, spannende Details entdeckt, die meine eigenen Eindrücke gut ergänzen.

Erzählerisch dreht sich die Geschichte demnach um Captain (von den anderen Figuren im Spiel liebevoll auch „Yeet Master“ genannt), ein Mitglied der angeschlagenen Ordnungsbehörde A.C.D. – kurz für Anti-Chaos Directorate –, die sich um das tägliche Chaos in Städten wie Nova City kümmert, während Captain parallel nach dem eigenen verschwundenen Vater sucht. Als Agenten und paranormale Ermittler des A.C.D. geht ihr dabei allerlei Anomalien auf die Spur, die bis hin zu ausgewachsenen Kaiju reichen sollen. Genau dieser Ansatz, moderne Online- und Influencer-Kultur direkt ins Spielsystem einzuweben, wird in internationalen Vorschauen immer wieder hervorgehoben: Captains wachsende Online-Präsenz soll demnach zusätzliche Charaktere, Inhalte und Gebiete freischalten, Popularität ist also direkt an den Spielfortschritt gekoppelt. Auf diesem Weg lassen sich zudem Verbündete wie die Charaktere Richie und Taffy rekrutieren, die jeweils eigene Geschichten und unterschiedliche Kampfstile mitbringen – jede Figur soll dabei ihr eigenes Leben samt eigenen Fähigkeiten und Vorlieben führen.

Mein eigener Eindruck vom Kampfsystem deckt sich dabei ziemlich genau mit dem, was andere Vorschauen ebenfalls hervorheben: Statt strengem Rhythmus-Timing wie etwa bei den Batman-Arkham-Spielen setzt Ananta stärker auf die dynamische Einbindung der Umgebung. Gegnerköpfe landen in Mülleimern, herumliegende Gegenstände werden zu Waffen umfunktioniert, und mit telekinetischen Fähigkeiten lassen sich sogar Gullydeckel auf Feinde schleudern. Auch der Vergleich zu Yakuza fällt in mehreren Berichten, ebenso wie die Beobachtung, dass sich viele der überzogenen Kampfanimationen fast wie aus einem Jackie-Chan-Film anfühlen, inklusive der Möglichkeit, mit zwei Händen gleich zwei Gegner gleichzeitig zu blocken – genau jenes Detail, das mir in meiner eigenen Session ebenfalls sofort aufgefallen ist.

Zur von mir bemängelten, noch etwas behäbig wirkenden Schwing-Mechanik gibt es ebenfalls Kontext: Offenbar bleibt diese Tentakel-Fähigkeit exklusiv dem Hauptcharakter Captain vorbehalten, während alle weiteren spielbaren Figuren eigene, individuelle Spezialfertigkeiten zur Fortbewegung und im Kampf mitbringen sollen. In Chongxiao selbst schlüpfen andere Vorschauen offenbar in die Rolle von Wei Yinglong, der 21. Direktorin des dortigen Lingyun-Tempels, die nach einem nächtlichen Bandenüberfall schleichend an mit Taschenlampen bewaffneten Häschern vorbei aus der Tempelanlage entkommen muss – ein Ablauf, der meiner eigenen Tempel-Schleichpassage mit dem jungen Mädchen zumindest strukturell sehr ähnelt. Übereinstimmend wird dabei betont, dass Ananta erkennbar kein forderndes Soulslike sein will, sondern eher auf zugängliches, kurzweiliges Popcornkino setzt.

Abseits von Story und Kämpfen scheint die Spielwelt zusätzlich mit einer ganzen Reihe an Minispielen gespickt zu sein – von Teeblätter-Waschen, wie ich es selbst kurz ausprobieren durfte, bis hin zum Rösten von grünem Tee auf Plantagen nahe Chongxiao.

Besonders bemerkenswert für ein Free-to-Play-Actionspiel dieser Größenordnung: Ananta soll nach übereinstimmenden Berichten komplett auf klassische Charakter-Gacha-Mechaniken verzichten. Stattdessen sollen sich neue Figuren im Verlauf der Geschichte auf natürliche Weise freischalten lassen, finanziert werden soll das Spiel stattdessen ausschließlich über rein kosmetische Inhalte. Ein japanisches Fachmagazin ging in seiner Einschätzung sogar noch weiter und brachte die Sorge zum Ausdruck, ein derart poliertes, inhaltsreiches Free-to-Play-Angebot könnte langfristig den Rechtfertigungsdruck auf klassische Vollpreisspiele erhöhen – ein Vergleich, der zeigt, wie ernst die Konkurrenz das Spiel bereits jetzt nimmt.

Auf Nachfrage bei der Gamescom erklärte Studiogründer Rain zudem, man plane Ananta klar als Langzeit-Projekt und habe bereits einen konkreten Plan für die Zeit nach dem Launch in der Schublade, ohne dabei jedoch weitere Details zu verraten. Genau das dürfte auch die größte Herausforderung für das Spiel werden: Internationale Kollegen loben zwar die packende erste Spielerfahrung, mahnen aber zugleich an, dass Naked Rain diese Qualität auch über regelmäßige Inhalts-Updates hinweg aufrechterhalten muss, damit aus einem starken ersten Eindruck auch tatsächlich ein nachhaltiger Erfolg wird. Zur Popularität des Titels passt außerdem, dass Ananta inzwischen weit über 20 Millionen Vorregistrierungen vermelden kann.

Ananta Screenshot 2
Ananta Screenshot 2

Release-Termin und Plattformen

Ursprünglich bereits 2023 unter dem Codenamen Project Mugen angekündigt, tauchte Ananta nach fast einjähriger Funkstille während der diesjährigen Opening Night Live überraschend wieder auf und sorgte dort für einen der größeren Aufreger des Abends. Bestätigt wurde dabei auch der konkrete Release-Termin: Ananta soll am 15. Januar 2027 weltweit für PlayStation 5, PC sowie Mobilgeräte (Android und iOS) erscheinen – und damit nur rund zwei Monate nach dem großen Konkurrenten GTA 6, dessen Release für den 19. November 2026 angesetzt ist. Vorregistrierungen sind für alle Plattformen bereits jetzt möglich.

Mein Fazit

Nach 40 intensiven Minuten mit Ananta bin ich mir sicher: Der Vergleich zu GTA ist kein reiner Marketing-Trick, sondern spiegelt sich tatsächlich im Spielgefühl wider, allen voran beim cineastischen Charakterwechsel und den chaotischen Verfolgungsjagden. Gleichzeitig hat mich Ananta mit seinem überraschend robusten Kampfsystem und der Vielfalt seiner beiden völlig unterschiedlich gestalteten Städte klar davon überzeugt, dass hier weit mehr steckt als ein reiner Abklatsch. Kleinere Baustellen wie das noch zu träge wirkende Schwingen durch Chongxiao lassen sich bis zum Release im Januar 2027 sicherlich noch ausbügeln. Als krönenden Abschluss meiner diesjährigen Gamescom-Anspieltermine hätte ich mir kaum ein passenderes Spiel wünschen können – Ananta hat mich neugierig gemacht, und ich werde die Entwicklung bis zum Release definitiv weiterverfolgen.

Über Egor Sommer 2304 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
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