
Paukenschlag auf dem digitalen Spielemarkt: Michał Kiciński, Mitgründer von CD Projekt Red und seit Ende 2025 neuer Eigentümer von GOG, findet deutliche Worte für den Marktführer Steam. In einem aktuellen Strategie-Interview macht er klar, dass GOG künftig nicht durch Masse, sondern durch radikale Qualität überzeugen will – und spart dabei nicht an Kritik an Valves Veröffentlichungspolitik.
Nachdem Kiciński die Plattform GOG (ehemals Good Old Games) übernommen hat, skizziert er nun seine Vision für die kommenden Jahre. Während Steam mit einem Marktanteil von rund 80 Prozent den PC-Sektor dominiert, sieht Kiciński genau in dieser Größe eine entscheidende Schwachstelle: die mangelnde Qualitätssicherung.
Qualität statt Quantität: Die Kuratierung als Waffe
Kiciński greift Steam direkt für die Flut an täglichen Neuveröffentlichungen an. Laut seiner Einschätzung ist ein Großteil der dort erscheinenden Titel schlichtweg belanglos.
„Wir veröffentlichen nicht hunderte Spiele pro Tag, von denen 95 Prozent nicht besonders hochwertig sind“, so Kiciński gegenüber Games Industry.
Sein Plan: GOG soll die Plattform für kuratierte Inhalte bleiben. Statt den Store mit tausenden Titeln zu fluten, setzt GOG auf eine handverlesene Auswahl. Das Ziel ist es, das Vertrauen der Spieler zurückzugewinnen, die sich im „Dschungel“ von Steam oft verloren fühlen.
Die drei Säulen der GOG-Strategie
Um gegen Steam zu bestehen, wird GOG nicht versuchen, Valve in einem direkten Preiskampf zu schlagen. Stattdessen konzentriert sich Kiciński auf eine Nischenstrategie, die vier Kernpunkte umfasst:
- DRM-Freiheit: Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal bleibt erhalten. Spiele auf GOG gehören dem Käufer wirklich – ohne Online-Zwang oder Kopierschutz-Software.
- Klassiker & Moderne Klassiker: GOG will die weltweit beste Adresse für Retro-Spiele und Titel mit langfristiger Relevanz sein.
- User Experience (UX): Kiciński gibt offen zu, dass Steam in Sachen Benutzerfreundlichkeit (Freundeslisten, Geschenke, Community) aktuell überlegen ist. Hier will GOG massiv investieren, um technisch aufzuschließen.
- Enge Zusammenarbeit mit Indie-Studios: Kleinere Entwickler sollen auf GOG eine Bühne finden, auf der sie nicht sofort von der Masse an Schrott-Releases begraben werden.
Ein David gegen Goliath?
Michał Kiciński sieht die Dominanz von Steam eher als Chance denn als Hindernis. Ein einzelner, übermächtiger Gegner sei leichter anzugreifen, da er seine gesamte riesige Front verteidigen müsse. GOG hingegen könne sich auf spezifische Segmente wie die „Retro-Entdeckung“ konzentrieren und dort besser sein als jeder andere Anbieter.
Für die Community bedeutet dieser Kurswechsel: GOG wird kleiner, aber feiner. Es ist eine Kampfansage an die „Wegwerf-Kultur“ im Gaming und ein Bekenntnis zum Wert von zeitlosen Spielen.
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