
Der französische Publisher Nacon befindet sich in einer schweren Krise. Wie das Unternehmen offiziell bestätigte, wurde beim Handelsgericht in Lille ein Insolvenzantrag gestellt. Mit dem Antrag auf ein sogenanntes „redressement judiciaire“ (ein gerichtliches Sanierungsverfahren) versucht das Management nun, den Geschäftsbetrieb unter staatlicher Aufsicht zu restrukturieren und eine Liquidation abzuwenden.
Die Nachricht schockiert die Branche, da Nacon in den letzten Jahren durch eine aggressive Expansionsstrategie und namhafte Lizenz-Titel wie RoboCop: Rogue City auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Kettenreaktion durch Muttergesellschaft Bigben
Die Ursache für die Zahlungsunfähigkeit liegt nach aktuellen Informationen nicht allein am operativen Geschäft von Nacon selbst. Eine entscheidende Rolle spielt die Muttergesellschaft Bigben Interactive:
- Geplatzte Kredite: Bigben konnte zuletzt eine fällige Teilrückzahlung eines Anleihekredits nicht leisten, nachdem Banken dem Unternehmen kurzfristig die Unterstützung entzogen hatten.
- Mehrheitsbeteiligung: Da Bigben der Hauptaktionär von Nacon ist, übertrug sich die finanzielle Instabilität unmittelbar auf die Tochtergesellschaft. In einem Marktumfeld mit hohen Vorfinanzierungskosten führte dies zur Unfähigkeit, aktuelle Verbindlichkeiten zu bedienen.
Stillstand an der Börse
Die wirtschaftliche Unsicherheit spiegelt sich auch auf dem Finanzmarkt wider. Der Handel der Nacon-Aktie an der Euronext Paris wurde ausgesetzt und bleibt bis auf Weiteres unterbrochen. Eine gerichtliche Entscheidung über die offizielle Eröffnung und die Details des Sanierungsverfahrens wird für Anfang März erwartet.
Auswirkungen auf Spieler und Hardware
Für Besitzer von Nacon-Hardware und Fans aktueller Spiele gibt es vorerst eine vorsichtige Entwarnung:
- Laufende Projekte: Titel wie Test Drive Unlimited Solar Crown oder der Support für RoboCop: Rogue City sollen nach aktuellem Stand weitergeführt werden.
- Geplante Releases: Die Vorbereitungen für das kommende Nacon Connect-Event laufen weiter. Das Unternehmen signalisiert damit, dass der Betrieb und die Produkt-Pipeline kurzfristig stabilisiert werden sollen.
- Hardware-Sektor: Auch das Geschäft mit Controllern und Zubehör bleibt vorerst aktiv, während der Sanierungsplan erstellt wird.
Die Zukunft: Fokus oder Verkauf?
Mittelfristig wird das Sanierungsverfahren jedoch Spuren hinterlassen. Experten gehen davon aus, dass im Zuge der Restrukturierung das umfangreiche Portfolio von Nacon auf den Prüfstand gestellt wird. Dies könnte bedeuten:
- Streichung von unrentablen Projekten.
- Verkauf von Tochter-Studios zur Generierung von Liquidität.
- Fokus auf Kernmarken wie GreedFall oder starke Hardware-Lizenzen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Nacon mit seinen Gläubigern einen tragfähigen Fortführungsplan erarbeiten kann oder ob der mittelgroße Publisher als eigenständiges Unternehmen vom Markt verschwindet.
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