
Erinnert ihr euch noch an das Geräusch, wenn eine Münze in den Arcade-Automaten rutschte? Oder an das Gefühl, wenn man am Samstagmorgen im Schlafanzug vor dem Röhrenfernseher saß und krampfhaft versuchte, als Spider-Man durch die 16-Bit-Viertel von New York zu schwingen? Limited Run Games und Konami haben tief in den Archiven gewühlt und präsentieren uns mit der MARVEL MaXimum Collection ein echtes Stück Zeitgeschichte für die PS5, Xbox und Switch.
Aber Vorsicht: Diese Sammlung ist kein weichgespültes modernes Remake. Hier bekommt ihr die volle Ladung 90er-Jahre-Härte – inklusive einiger Design-Entscheidungen, die heute für ordentliches Stirnrunzeln sorgen.
Ein Paradies für Pixel-Sammler
Was diese Collection von anderen Retro-Paketen abhebt, ist die Liebe zum Detail. Wir bekommen hier nicht einfach nur „das eine“ Spiel, sondern oft gleich mehrere Versionen davon. Wer wissen will, ob die Super Nintendo-Fassung von Maximum Carnage wirklich schöner leuchtet als die eher düstere Mega Drive-Version, kann hier den direkten Vergleich machen.

Das Herzstück der Sammlung ist für mich ganz klar X-Men: The Arcade Game. Der Prügel-Klassiker ist endlich zurück und – das ist der Clou – er bietet einen Online-Modus für bis zu sechs Spieler inklusive Rollback-Netcode. Das spielt sich butterweich und fängt das Chaos von damals perfekt ein. Wenn Cyclops seine Optic Blasts abfeuert und Storm den Bildschirm mit Blitzen flutet, geht jedem Marvel-Fan das Herz auf.

Wenn der Schwierigkeitsgrad zum Endgegner wird
Doch dann kommt der Moment, in dem man realisiert, warum wir als Kinder so oft verzweifelt sind. Wer zum Beispiel Silver Surfer auf dem NES startet, sollte vorher tief durchatmen. Das Spiel ist berüchtigt für seinen perversen Schwierigkeitsgrad (ein Treffer und ihr seid Staub!), aber glücklicherweise haben die Entwickler moderne Komfortfunktionen eingebaut.

Rewind und Save States sind hier eure besten Freunde. Ohne die Rückspulfunktion hätte ich wohl nach zehn Minuten meinen Controller in den Fernseher gepfeffert. Auch Spider-Man/X-Men: Arcade’s Revenge ist nach heutigen Maßstäben ein echtes Biest, das wenig Fehler verzeiht. Aber genau das macht den Charme aus: Es ist ungeschönt und ehrlich. Die Musik in diesen Spielen, besonders beim Silver Surfer, ist übrigens immer noch absolute Weltklasse – echte 8-Bit-Meisterwerke!

Absurdes Gegner-Design: „Warum verprügel ich eine Pfadfinderin?“
Man muss aber auch ehrlich sein: Vieles an diesen Spielen ist aus der Zeit gefallen. Wenn man in Maximum Carnage oder Separation Anxiety als Venom – einer der gefährlichsten Anti-Helden des Marvel-Universums – plötzlich gegen Jugendliche, Pfadfinderinnen oder alte Männer mit Regenschirmen kämpfen muss, wirkt das heute einfach nur skurril. Was sich die Designer damals gedacht haben, bleibt wohl ein ewiges Rätsel.

Das Gameplay in den Beat-’em-ups ist zudem recht abwechslungsarm. Man läuft von links nach rechts und drückt immer wieder dieselben Tasten. Für ein modernes Publikum, das komplexe Mechaniken gewohnt ist, könnte das schnell öde werden. Für uns „alte Hasen“ ist es hingegen wie eine warme Decke aus Nostalgie: Wir wissen, dass es stumpf ist, aber wir lieben es trotzdem.

Was steckt drin? Der Inhalts-Check
| Spiel | Enthaltene Plattformen | Besonderheit |
| X-Men: The Arcade Game | Arcade | 6-Spieler-Online-Koop |
| Captain America and The Avengers | Arcade, Genesis, NES | Unterschiedliche Gameplay-Stile |
| Maximum Carnage | SNES, Genesis | Legendärer 16-Bit Soundtrack |
| Separation Anxiety | SNES, Genesis | Fokus auf 2-Spieler-Koop |
| Arcade’s Revenge | SNES, Genesis, Game Boy, Game Gear | Inklusive der Handheld-Kuriositäten |
| Silver Surfer | NES | Bockschwer, aber geniale Musik |
Technik und Bonus-Material
Technisch hat Limited Run ganze Arbeit geleistet. Die CRT-Filter sehen fantastisch aus und lassen das Bild so aussehen, wie wir es von früher in Erinnerung haben. Das digitale Archiv ist ein echtes Highlight für Nerds: Hochauflösende Scans der Originalverpackungen und Anleitungen laden zum Schmökern ein. Es ist weniger ein Spiel und mehr ein begehbares Museum.

Mein Fazit
Die MARVEL MaXimum Collection ist ein Liebesbrief an eine Ära, in der Superhelden-Spiele noch Ecken und Kanten hatten (und manchmal einfach nur unfair waren). Dass Konami und Limited Run die Titel kompromisslos im Originalzustand belassen haben, ist die richtige Entscheidung.
Wer keine Lust auf die harten Mechaniken der 90er hat, wird hier wahrscheinlich schnell die Geduld verlieren. Wer aber seine Kindheit noch einmal erleben will und über absurde Gegner wie Regenschirm-Opas hinwegsehen kann, bekommt hier das ultimative Retro-Paket. Es ist eine Zeitreise, die dank Online-Koop und Speicherfunktionen endlich auch für Sterbliche schaffbar ist.
Pro:
· Unglaubliche Auswahl an Plattform-Versionen (SNES, Genesis, Handheld).
· Der 6-Spieler-Online-Modus bei X-Men funktioniert dank Rollback super.
· Tolles Bonusmaterial (Archiv, Musikplayer).
· Rettende Komfortfunktionen wie Rewind und Save States.
Contra:
· Extrem hoher Schwierigkeitsgrad bei einigen Titeln.
· Absurde und teils unlogische Gegnertypen.
· Spielmechanisch oft sehr repetitiv und kurz.
· Für Neueinsteiger ohne Nostalgie-Bonus schwer verdaulich.
Wertung: 7.5/10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆
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