
„Daemon X Machina“ hat sich trotz gemischter Kritiken als Kult-Hit etabliert und eine treue Fanbase erschaffen, die in Foren und sozialen Medien die actiongeladenen Mecha-Kämpfe und die Customization-Möglichkeiten feiert. Als jemand, der den Vorgänger nie gespielt hat, aber von dem Hype in Online-Communities angefixt wurde, war ich gespannt, ob „Titanic Scion“ als Einstieg in die Serie taugt. Ob sich der Kauf lohnt und der Mech-Wahnsinn mich packt, erfahrt ihr im Test. „Daemon X Machina: Titanic Scion“ erscheint am 5. September 2025 für PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC (über Steam) und Nintendo Switch 2.
Revolte im All
„Daemon X Machina: Titanic Scion“ spielt Hunderte von Jahren nach dem Kampf um die Erde Prime, in einer Zeit, in der die Menschheit den Blauen Planeten kolonisiert hat. Die Outers, Menschen mit speziellen Fähigkeiten durch Exposition gegenüber der Energiequelle Femto, haben die orbitalen Verteidigungssatelliten – die Gardens – übernommen und regieren als Sovereign Axiom, während die Oberflächenbewohner unter harten Bedingungen und Angriffen von organisch-mechanischen Kreaturen namens Immortals leiden. Eine Widerstandsgruppe, die Reclaimers, fordert das Regime heraus. Wir schlüpfen in die Rolle eines Outer-Soldaten, der abstürzt und in der Nähe der größten Siedlung landet – ein potenzieller Schlüssel zur Revolution der Menschheit. Die Aufgabe des Spielers besteht darin, als hochtechnisierter Krieger in anpassbaren Arsenals (Mechs) zu kämpfen, die Seuche zu untersuchen, Allianzen zu schmieden, Ressourcen zu sammeln und in epischen Schlachten gegen Immortals und feindliche Fraktionen zu bestehen, um das Gleichgewicht der Macht zu kippen.

Mech-Mayhem
Das Kampfsystem bildet das Herz von „Titanic Scion“ und begeistert besonders zu Beginn. Die Anpassungsmöglichkeiten der Arsenals (Mechs) sind ein Paradies für Individualisten: Kopf, Rumpf, Arme und Beine lassen sich nach Belieben gestalten, Farben und Symbole auswählen sowie Rüstungen optisch anpassen, ohne die Werte zu verändern. Dazu kannst du bis zu vier Waffen (z. B. Sturmgewehre, Schwerter, Laserwaffen, Bazookas), eine Schulterwaffe (z. B. Granaten) und Support-Ausrüstung wie Munitionsvorräte oder Ausdauerregeneratoren ausrüsten. Mit L2 (linke Hand) und R2 (rechte Hand) greifst du an, während du mit den Steuerungstasten zwischen Waffen wechselst. Das ermöglicht abwechslungsreiche Kombos, etwa Fernkampf mit einem Gewehr und Nahkampf mit einem Schwert, was für dynamischen Spielspaß sorgt. Die breite Auswahl an Waffentypen – von Pistolen bis Laserschwertern – lädt dazu ein, einen eigenen Spielstil zu entwickeln.

Die Einführung der Mutagene bringt allerdings Komplexität ins Spiel. Diese speziellen Module schalten besondere Angriffe wie den „Schädelspalter“ frei, die jedoch ausschließlich mit ausgerüsteten Nahkampfwaffen funktionieren. Die Steuerung gestaltet sich oft umständlich: Während du hektisch fliegende Gegner anvisierst, musst du Kreis plus L2 oder R2 im richtigen Augenblick drücken – eine echte Herausforderung in engen Arenen mit gewaltigen Monstern. Besonders problematisch wird es, wenn die Kamera den Überblick verliert, vor allem bei Gegnern, die wie Mücken hin und her flitzen.

Der Schwierigkeitsgrad steigt schnell an, und manche Bosse sind im Nahkampf nahezu unbesiegbar, da sie klar auf Fernkampf ausgelegt sind. Eine sorgfältige Planung der Ausrüstung wird essenziell, denn Anpassungen sind nur in der Basis oder an Nachschublagern möglich – ein Umstand, der besonders gegen Ende des Spiels zunehmend frustrierend wirkt. Zwar steigen die Meisterschaftsstufen der Waffen, doch spürbare Vorteile wie höherer Schaden oder neue Kombos bleiben aus, was dieses Feature weitgehend sinnlos erscheinen lässt. Kombos selbst hängen von Mutagenen ab, die in einem Kompendium aufgelistet sind, aber das Farmen dieser Module ist mühsam und unnötig kompliziert. Für Komplettisten mag dieser Aspekt seinen Reiz haben, doch für Gelegenheitsspieler wird es schnell zu einer zeitraubenden Hürde. Das Kampfsystem macht zwar Spaß, doch die Abwechslung leidet unter den umständlichen Mutagen-Mechaniken und der teils fummeligen Steuerung. Weniger Komplexität hätte hier mehr bewirkt.

Öde Weiten
Die Spielwelt von „Titanic Scion“ enttäuscht auf ganzer Linie. Trotz einer Lore, die eine postapokalyptische Erde verspricht, wirkt alles leer und leblos – ohne die beabsichtigte Atmosphäre. Erkundung lohnt sich nur, wenn du gezielt Mutagene oder Ausrüstung sammeln möchtest. In der Fabrik kannst du gefundene Bauteile für Rüstungen oder Waffen verwenden, doch Baupläne, wie etwa für die Drachentöter-Rüstung, fallen zufällig von Bossen, die du wiederholt besiegen musst. Frustrierend ist, dass du nach Kämpfen nur einen von bis zu drei Beutestücken auswählen kannst – der Rest geht verloren. Diese Mechanik fördert Grinden und streckt die Spielzeit künstlich in die Länge. Nebenmissionen gibt es zwar, doch diese wirken eintönig und uninspiriert. Unterwegs triffst du auf mutierte Pferde zum Reiten oder kaperbare Fahrzeuge, die an die schwammige Steuerung aus „Halo“ erinnern. Die Fahrzeugsteuerung ist jedoch so ungenau, dass ich das Fliegen im Mech bevorzugte. Dafür benötigst du Femto (Treibstoff), das bei schwereren Mechs schnell verbraucht ist. Ohne Femto bleibt nur das Laufen, was in der riesigen Welt zur Tortur wird. Femto-Kristalle oder -Bäume laden den Vorrat auf, aber das Sammeln an Erzadern durch ein repetitives Timing-Minispiel wird schnell monoton. Minen und Anlagen sind linear aufgebaut, mit sich wiederholenden Räumen voller Kisten oder Gegner. Insgesamt langweilt die Welt schnell, da sie abseits des Grindens wenig Abwechslung bietet.






Technische Trümmer
Technisch gesehen ist „Titanic Scion“ eine große Enttäuschung – eines der unattraktivsten Spiele, die ich auf der PS5 erlebt habe. Matschige Texturen, leblose Landschaften und gelegentliche Ruckler trüben die Immersion erheblich. Das Schnellreisesystem ist geradezu lächerlich: Nach einem schwarzen Ladebildschirm findest du dich in einem Fahrstuhl wieder, der bis zu 60 Sekunden blockiert bleibt, während die Welt lädt. Zwar kannst du dich bewegen, doch das macht die Wartezeit kaum erträglicher. Generell sind die Ladezeiten quälend lang, und die Performance wirkt für eine Next-Gen-Konsole schlecht optimiert. Kämpfe laufen zwar meist flüssig, aber in großen Arenen mit vielen Gegnern kommt es zu spürbaren Framerate-Einbrüchen. Der orchestrale Soundtrack ist solide, doch die Soundeffekte für Waffen und Explosionen wirken repetitiv. Die englische Synchronisation geht in Ordnung, eine deutsche Version fehlt jedoch. Insgesamt hätte das Spiel technisch deutlich mehr Sorgfalt verdient.

Fazit
„Daemon X Machina: Titanic Scion“ hatte das Ziel, die Fans zu begeistern, bleibt aber weit hinter den Erwartungen zurück. Die Anpassungsmöglichkeiten der Arsenals sind beeindruckend, und das Kampfsystem sorgt anfangs mit seiner Vielfalt an Waffen und Kombos für Vergnügen. Doch die umständlichen Mutagen-Mechaniken, eine oft unübersichtliche Kamera und der rasant steigende Schwierigkeitsgrad trüben den Spielspaß erheblich. Die Spielwelt wirkt leer und eintönig, während das ständige Grinden nach Loot schnell nervt. Technisch ist das Spiel ein Rückschritt: matschige Texturen, lange Ladezeiten und gelegentliche Ruckler enttäuschen. Für Hardcore-Fans, die Individualisierung lieben, könnte es trotz der Mängel ansprechend sein, aber für Neueinsteiger wie mich ist es eine herbe Enttäuschung. Mein Tipp: Greift lieber zum Vorgänger oder wartet auf mögliche Patches.
Pro:
- Fantastische Anpassbarkeit der Mechs (Optik, Rüstung, Waffen)
- Vielfältiges Kampfsystem mit Nah- und Fernkampf-Kombos
- Kreative Waffen- und Support-Optionen
- Solider Soundtrack mit orchestralen Tönen
- Replay-Wert für Komplettisten durch Mutagen-Farming
- Flüssige Mech-Steuerung beim Fliegen
Kontra:
- Fummelige Mutagen-Mechanik, unnötig kompliziert
- Unübersichtliche Kamera in hektischen Kämpfen
- Leere, repetitive Spielwelt ohne Atmosphäre
- Frustrierende Loot-Mechanik mit Einzelwahl
- Katastrophale Technik: Matschige Texturen, lange Ladezeiten
- Hoher Schwierigkeitsgrad ohne gute Tutorials
Gesamtwertung: 5/10
⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆☆☆
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