
Zwischen Vergangenheit, Zombies und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft
Release: 5. September 2025 (PC, PS5, Xbox Series, Switch 2) Entwickler: Bloober Team Publisher: Bloober Team Genre: Survival-Horror / Action-Adventure
Mit „Silent Hill 2“ landete das polnische Entwicklerstudio Bloober Team einen umjubelten Remake-Hit. Doch meine Augen waren bereits auf ihr nächstes Projekt gerichtet: „Cronos: The New Dawn“, ein ambitioniertes Survival-Horror-Spiel, das Sci-Fi-Elemente und klassischen Zombie-Horror vereint. Der erste Trailer ließ mich sofort an „Dead Space“ denken und machte mich bereits neugierig, aber als ich auf der Gamescom die Chance bekam, die Demo anzuspielen, war ich restlos in den Bann gezogen. Die dichte Atmosphäre und die filmreife Inszenierung glichen einem Hollywood-Sci-Fi-Thriller.
Ich konnte es kaum erwarten, die Vollversion in den Händen zu halten, um herauszufinden, ob die atemberaubende Qualität der Demo über die gesamte Spieldauer aufrechterhalten werden konnte. Bloober Team hatte viel versprochen. Nun kann ich bestätigen: „Cronos“ hält seine Versprechen und liefert ein fesselndes Horror-Erlebnis. Doch es ist nicht fehlerfrei. In diesem Testbericht erfahrt ihr, wo das Spiel glänzt und welche Schwächen die Gesamterfahrung trüben.
Eine Zeitreise in die Dunkelheit
In „Cronos: The New Dawn“ schlüpft ihr in die Rolle eines „Travelers“, eines Agenten der mysteriösen Organisation „Collective“. In einer postapokalyptischen Zukunft, die von der Seuche „The Change“ verwüstet wurde, reist ihr durch Zeitrisse ins kommunistische Polen der 1980er-Jahre. Eure Mission: die „Essenz“ bestimmter Personen zu extrahieren, die für die Rettung der Menschheit entscheidend ist.
Die Handlung ist ein faszinierender Mix aus „12 Monkeys“ und der bedrückenden Ästhetik von „The Thing“. Jedes Kapitel führt in neue, detaillierte Zeitperioden, von einer verlassenen Stahlfabrik über ein unheimliches Krankenhaus bis hin zu zerfallenen Wohnblöcken. Diese Orte, inspiriert von Polens brutalistischer Architektur, schaffen eine beklemmende und immersive Stimmung, die klar zu den größten Stärken des Spiels gehört. Die Story wird durch Codex-Einträge und Audio-Logs dicht erzählt, und nach und nach werden Details über die Seuche und die Rolle des Protagonisten enthüllt. Dies weckt Neugier, doch die Geschichte bleibt insgesamt nicht bahnbrechend. Zudem erschwert die Protagonistin, die stets hinter einem Helm verborgen bleibt, eine emotionale Bindung.

Taktik ist alles
Das Herzstück von „Cronos“ ist das Kampfsystem, das Survival-Horror mit taktischer Tiefe kombiniert. Mich persönlich hat es stark an eine Mischung aus „Dead Space“ und „Resident Evil“ erinnert, wobei mir auch noch „Prey“ (2006) und „Singularity“ (2010) in den Sinn kamen. Ihr kämpft gegen „Orphans“ – groteske, organische Monster, die durch die „Merge“-Mechanik gefallene Gegner absorbieren, um stärker zu werden. Dies zwingt euch, Leichen zu verbrennen, um eine Eskalation zu verhindern. Ressourcen- und Inventarmanagement sind zentral, und Inventar-Upgrades sollten früh priorisiert werden, um Frust zu vermeiden. Mit Kernen lassen sich der Anzug des „Travelers“ in den Kategorien Leben, Inventarplatz und Ressourcenplatz verbessern, und zudem auch einige Gadgets wie eine Sprengmine.



Die Kämpfe sind intensiv und die Waffenvielfalt – von Pistolen über Schrotflinten bis hin zu Granatwerfern – lässt keine Wünsche offen. Jede Waffe kann mit „Energie“ aufgewertet werden und bietet zudem einen alternativen Schussmodus für mehr Schaden, der jedoch aufgeladen werden muss. Hier müsst ihr taktisch abwägen. Die Bosskämpfe am Ende der Kapitel sind anspruchsvoll und fordern euer gesamtes Arsenal heraus.
Während mich der massive Anzug des „Travelers“ und die damit verbundene Bewegungseinschränkung klar an „Dead Space“ erinnerten, hat mich der Rest des Gameplays stark an „Resident Evil“ denken lassen. Das Spiel ist sehr linear aufgebaut, an manchen Stellen öffnen sich die Areale und geben euch Raum für Erkundung, die ihr nicht vernachlässigen solltet, ansonsten fehlen euch schnell Ressourcen, die ihr dringend zum Überleben braucht. Neben der Währung „Energie“ findet ihr auch Munition, Crafting-Materialien, Kerne oder Heilmittel. Munition und Heilmittel könnt ihr auch craften, doch Vorsicht: das Spiel wird nicht pausiert, wenn ihr im Crafting-Menü seid. Zum Glück haben die Entwickler eine Schnell-Crafting-Option eingebaut, sodass ihr auch in brenzligen Situationen Heilmittel oder Munition schnell herstellen könnt.

Was „Cronos“ jedoch wirklich von der Masse abhebt, sind die innovativen Gadgets. Die Gravity Boots ermöglichen es euch zu schweben und an Wänden zu laufen, während der Emitter die Zeit der Umgebung manipuliert, um zum Beispiel eingestürzte Brücken oder Ähnliches zu reparieren und so Gräben zu überwinden. Diese Mechaniken erinnerten mich an „Prey“ und „Singularity“. Die Umgebungsrätsel, wie das Aktivieren von Schaltern oder Manipulieren der Zeit, sind simpel aufgebaut und schnell überwunden.



Allerdings gibt es auch Schwachstellen. In engen Arenen verliert die Kamera oft den Überblick, was Kämpfe chaotisch macht. Einige Level-Abschnitte, wie die Biomasse-Korridore, wiederholen sich zu oft und können die Abwechslung mindern. Es ist bedauerlich, dass einige Bossgegner recycelt werden. Die Entwickler haben sich bei jedem Bosskampf sichtlich Mühe gegeben, eine einzigartige Strategie zu entwerfen, was die Wiederholung umso enttäuschender macht. Theoretisch sind es nur vier einzigartige Bosse, der Rest ist eine abgewandelte Variante des ersten und zweiten Bosses.

Eine weitere Schwäche ergab sich in meinen Augen im Leveldesign. Als erfahrener Genre-Kenner und Vielspieler habe ich fast jede Konfrontation kommen sehen, sobald sich die schlauchartige Struktur des Levels öffnete oder man rote Fässer zu Gesicht bekam. Dadurch erschien mir das Spiel viel zu vorhersehbar, was stark meine Empfindung des Horrors einschränkte. Bis auf ein paar Jump Scares hatte ich das Gefühl, alles in der ein oder anderen Form bereits schon einmal erlebt zu haben. Einzig und allein die vereinzelten Illusionen und Halluzinationen konnten den Horror auf eine psychologische Ebene führen, die ich sehr begrüßte. Dieses Gefühl von „was ist nun echt und was nicht?“ ist hier perfekt inszeniert worden, jedoch sind diese insgesamt für meinen Geschmack zu kurz gekommen.

Ein visuelles Highlight mit kleinen Schwächen
Die Spielwelt von „Cronos“ ist ein absolutes Highlight. Jedes Kapitel präsentiert neue Schauplätze mit einer einzigartigen Atmosphäre, inspiriert von den 1980er-Jahren in Polen und Retro-Futurismus. Die visuelle Gestaltung mit ihrer brutalistischen Architektur und den Body-Horror-Elementen fängt die Essenz des Sci-Fi-Horrors perfekt ein. Das Sounddesign ist ebenfalls herausragend: Der minimalistische Soundtrack und die Umgebungsgeräusche, wie knarrende Böden oder ferne Schreie, verstärken die Spannung.

Doch auch hier gibt es ein paar Wermutstropfen. Trotz der optischen Vielfalt ist die Levelstruktur oft sehr linear, was den Erkundungsreiz einschränkt. Die fehlende Dynamik und das Fehlen von NPCs lassen die Welt weniger lebendig wirken. Hinzu kommen technische Probleme. Obwohl die Grafik beeindruckend ist, erlebte ich auf der PS5 Lade-Stotterprobleme, die typisch für die Unreal Engine 5 sind. Die Performance im Performance-Modus lief größtenteils stabil, nur in vereinzelten Bereichen kam es auch hier zu kurzen Frame-Einbrüchen. Die englische Sprachausgabe ist solide, eine deutsche Version gibt es leider nicht.

Fazit
„Cronos: The New Dawn“ hatte das Ziel, Survival-Horror-Fans mit einer frischen Prämisse zu begeistern, und es gelingt ihm fast. Die innovative Mischung aus Zeitreise-Sci-Fi und klassischem Horror sowie die spannenden Gadgets und das taktische Kampfsystem überzeugen. Die beklemmende Atmosphäre, die stimmungsvollen Schauplätze und das hervorragende Sounddesign sind absolute Highlights. Dennoch trüben einige Schwächen die Gesamterfahrung erheblich. Die repetitiven Levelabschnitte und Bossgegner, die teils vorhersehbaren Schockmomente und die technischen Probleme können den Spielspaß einschränken.
Für Hardcore-Fans des Genres, die sich nach neuen Ideen sehnen, ist „Cronos“ trotz der Mängel ansprechend, aber Neueinsteiger könnten von der unbarmherzigen Schwierigkeit und der linearen Struktur abgeschreckt werden. Mein Tipp: Wer sich auf ein intensives, aber nicht perfektes Horror-Abenteuer einlassen möchte, wird mit einem tiefen und lohnenden Erlebnis belohnt.
Pro:
- Faszinierende Prämisse und Story
- Beklemmende Atmosphäre und herausragendes Sounddesign
- Taktisches Kampfsystem mit „Merge“-Mechanik
- Innovative Gadgets wie die Gravity Boots
- Vielseitiges Arsenal an Waffen und Upgrades
- Anspruchsvolle Bosskämpfe
- Gelungene psychologische Horrorelemente
Kontra:
- Kamera-Probleme in engen Räumen
- Lineare Levelstruktur und sich wiederholende Abschnitte
- Mangelnde emotionale Bindung zur Protagonistin
- Repetitive Bossgegner und vorhersehbare Feindbegegnungen
- Technische Probleme wie Lade-Stottern
- Keine deutsche Sprachausgabe
Gesamtwertung: 8/10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆
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