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Code Vein 2 (PS5Pro) im Test

Lange sah es so aus, als würde Code Vein ein einmaliges Experiment bleiben. Jetzt ist Code Vein 2 da – und versucht genau das, was sich viele Fans gewünscht haben: mehr Story, mehr Freiheit, mehr Build-Spielereien, mehr Anime-Drama. Nach etlichen Stunden mit dem Spiel bleibt bei mir ein sehr gemischtes, aber insgesamt positives Gefühl: Hier steckt ein starkes Soulslike mit vielen eigenen Ideen drin, das sich aber auch ein paar deutliche Schnitzer leistet.

Story – starke Idee, wackelige Erzählung

Code Vein 2 wirft dich in eine zerstörte Zukunft, in der Menschen und Wiedergänger Seite an Seite ums nackte Überleben kämpfen. Eine dunkle Macht hat viele dieser übernatürlichen Krieger in blutrünstige Monster verwandelt, während du mit einer kleinen Gruppe Verbündeter versuchst, das Desaster irgendwie rückgängig zu machen. Der Clou: Zeitreisen. Du springst immer wieder in die Vergangenheit, triffst dort Entscheidungen und siehst dann in der Gegenwart, wie sich Figuren, Gebiete und ganze Handlungsstränge dadurch verändern.

Das sorgt für einige wirklich emotionale Momente und coole „Was wäre wenn?“-Szenarien, inklusive mehrerer Enden. Gerade wer auf melodramatische Anime-Geschichten steht, bekommt hier ordentlich Futter. Gleichzeitig bleibt dein Held stumm und die Erzählung wirkt oft zerrissen: Begriffe, Zeitsprünge und neue Figuren werden dir nur halb erklärt vor die Füße geworfen. Im Vergleich zum ersten Teil ist die Geschichte größer, komplexer und mutiger – aber weniger fokussiert. Ich hatte öfter das Gefühl, dass die Grundidee besser ist als ihre eigentliche Umsetzung.

Gameplay – viel Tiefe, wenig Erklärung

Spielerisch macht Code Vein 2 auf dem Papier fast alles richtig. Das Kampfsystem ist offensiv, recht flott und gibt dir viel Freiheit, wie du an Situationen herangehst. Du bastelst dir Builds aus Blood Codes, Formae, diversen Skills und Buffs zusammen und kombinierst das mit den Stärken deiner Begleiter. Deine Partner sind diesmal deutlich wichtiger, können heilen, blocken, Schaden rausballern und werden so zu echten taktischen Werkzeugen – nicht nur zu Deko. Trotzdem kann das Ganze von Anfang an ein wenig erschlagend wirken, wenn man mit nicht ganz im Genre ist.

Im Vergleich zum Vorgänger gibt es mehr Waffentypen, mehr Fähigkeiten, mehr Synergien und insgesamt deutlich mehr Raum zum Experimentieren. Wer Spaß daran hat, an Werten zu schrauben, Skills zu testen und immer wieder neue Kombinationen auszuprobieren, kann sich hier hunderte Stunden verlieren. Die Schattenseite: Das Spiel erklärt diese Tiefe einfach nicht gut genug. Tutorials reißen Begriffe an, gehen aber selten in die Tiefe. Viele Systeme musst du dir mühsam selbst erschließen, inklusive Trial-and-Error im Menü-Dschungel. Für Soulslike- und RPG-Fans mit Erfahrung ist das verkraftbar, aber Gelegenheitsspieler können sich am Anfang kolossal erschlagen fühlen. Ich selbst hatte nicht nur einmal das Gefühl komplett den Draht zum Spiel zu verlieren.

Dazu kommt die neue, offenere Struktur der Gebiete. Die Welt wirkt größer, mit weiten Arealen und verzweigten Wegen. Das ist einerseits cool, weil es mehr Platz für Erkundung und Geheimnisse gibt. Andererseits wirkt vieles auch gestreckt: Abschnitte wiederholen sich, unsichtbare Grenzen reißen dich aus der Immersion, und nicht jede Ecke fühlt sich wirklich lohnend an. Das Gesamte Konzept wirkt ein wenig nach einem gewollten Elden Ring mit zu wenig Ressourcen um es umzusetzen. Unterm Strich bleibt aber: Das Gameplay ist die große Stärke – sofern du bereit bist, dich wirklich reinzufuchsen.

Grafik und Technik – starker Stil, schwache Basis

Optisch bleibt sich Code Vein 2 treu und setzt konsequent auf Anime-Look. Figuren, Waffen, Effekte – alles ist überzeichnet, stylish und erinnert eher an eine Anime-Serie als an „realistische“ Spiele. Viele Skills sehen richtig gut aus, die Designs der Charaktere haben Wiedererkennungswert, und einige Gebiete fahren schöne Endzeitkulissen auf. Der Stil sitzt, und wenn du den Vorgänger mochtest, fühlst du dich direkt in einem moderneren Zuhause.

Technisch sieht es leider deutlich nüchterner aus. Texturen sind oft nur okay statt beeindruckend, und je nach Plattform kämpfen Framerate und Streaming sichtbar mit der Last. Gerade beim Test auf der Playstation 5 mit zusätzlicher SSD, die nur minimal langsamer ist als der interne Standard kam es oft zu Framerate Einbrüchen. Besonders in großen Kämpfen mit vielen Effekten wird es gerne unübersichtlich: Partikel, Lichteffekte und Kamera sorgen dafür, dass gegnerische Angriffe nicht immer sauber lesbar sind. In einem Spiel, das von Timing und Reaktionsvermögen lebt, ist das mehr als ärgerlich. Auf starker PC-Hardware lässt sich vieles sicher besser ertragen, aber insgesamt bleibt ein deutlicher Abstand zu den Genre-Spitzen, was Technik und Lesbarkeit angeht. Gerade „starke PC-Hardware“ ist nichts das man heutzutage noch als Standard voraussetzen sollte. Gerade in Zeiten in denen SSD und RAM Preise in die Höhe schießen wäre ein wenig Zurückhaltung sicherlich besser gewesen. Framerateeinbrüche und Ruckler auf PS5Pro gehen aber keinesfalls klar!

Schwierigkeit und Wiederspielwert

Beim Schwierigkeitsgrad ordnet sich Code Vein 2 im soliden Mittelfeld der Soulslikes ein. Du wirst sterben, du wirst Muster lernen, aber es ist längst nicht so gnadenlos wie die härtesten Vertreter des Genres. Der Knackpunkt: Wie schwer sich das Spiel anfühlt, hängt extrem von deinem Build ab. Mit starken Kombos, gut abgestimmten Skills und passenden Begleitern kannst du viele Bosse deutlich entschärfen, teilweise sogar trivial machen, wurde mir gesagt. Das fühlt sich für einige wie Freiheit an, andere sehen darin ein wackliges Balancing. Ich persönlich finde das Spiel noch immer unheimlich schwer. Ich bin halt kein Soulslike Spieler, Fan ja, Spieler Nein.

Kritisch ist auch, dass Code Vein 2 dich an manchen Stellen eher über hohe Lebensbalken und Schaden der Gegner fordert als über kreatives Bossdesign. Wenn sich Kämpfe mehr wie ein Wettrennen gegen Zahlen anfühlen als wie ein Tanz aus Lesen und Reagieren, geht ein Stück Soulslike-Magie verloren. Soulslike Gelegenheitsspieler wie mich frustriert das aber einfach nur. Auf der anderen Seite glänzt das Spiel beim Wiederspielwert: mehrere Enden, alternative Schicksale deiner Begleiter, Zeitreise-Entscheidungen, New Game+ und die riesige Build-Vielfalt laden direkt zu weiteren Durchläufen ein. Ein echter Wermutstropfen ist der fehlende Koop – für viele in diesem Genre ein Kernfeature, das hier komplett fehlt. Mir persönlich hätte das auch unheimlich geholfen, schneller und einfacher durchs Spiel zu kommen.

Fazit – starke Nische mit klaren Ecken

Code Vein 2 ist genau das, was man von einem „größer, weiter, komplexer“-Nachfolger erwartet: mutig, überladen, faszinierend und manchmal frustrierend. Die Zeitreise-Story hat enormes Potential, verheddert sich aber gelegentlich in der eigenen Komplexität. Das Kampfsystem und die Build-Vielfalt sind super spannend, werden aber schlecht erklärt und überfordern schnell. Die Anime-Optik macht viel her, während die Technik eher stark hinterherhinkt. Der Schwierigkeitsgrad ist flexibel, teils wacklig ausbalanciert, dafür ist der Wiederspielwert für Experimentierfreudige richtig hoch.

Für wen lohnt sich Code Vein 2?

  • Für dich, wenn du Animeähnlichen-Look magst, gerne tief in Builds und Systeme eintauchst und ein Soulslike suchst, das fordernd, aber nicht maximal brutal ist.
  • Weniger für dich, wenn du eine klar und sauber erzählte Story, technisch saubere Performance, perfekt lesbare Kämpfe und einen umfangreichen Koop-Modus erwartest.

Meine Wertung:

Code Vein 2 ist ein starkes, aber kantiges Anime-Soulslike mit viel Herz und Tiefe, das seine Zielgruppe sehr glücklich machen kann – und alle anderen mit seinen Schwächen eher ratlos zurücklässt. Für mich als „Nicht-Soulslike-Spieler“ waren die Menuestruktur und der Widererkennungswert hoch angesiedelt. Ähnliche Optiken kenne ich aus anderen Spielen. Leider ist der Schwierigkeitsgrad, im Gegensatz zum ersten Teil angezogen, fehlendes Co-Op verhindert die Hilfe von Freunden. Als Fan von Zeitreisegeschichten und dem gewissen Draht zu Kausalitäten und Zusammenhängen zwischen den Zeitlinien war es allerdings schwer die teilweise holprige Story ganz nachzuvollziehen.

PPS: Durchgezockt habe ich das Spiel nicht, lange nicht, dazu fehlt mir die Muße mich vollends dem Spiel hinzugeben, was viele, viele Monate verlangen würde. Ich persönlich bleibe lieber beim original aus 2019 das ich hier für euch getestet habe.

CODE VEIN 2 ist erschienen für:

PC, PS5 und X-Box Series X

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