
Machen wir uns nichts vor: Paranormale Ermittler gibt es in der Popkultur wie Sand am Meer. Doch Alan Rebels, der Protagonist von The Occultist, bringt etwas mit, das mich sofort neugierig gemacht hat: Er wirkt nicht wie der typische Actionheld, sondern eher wie jemand, der eigentlich viel lieber in einer alten Bibliothek sitzen würde. Doch die Suche nach seinem verschollenen Vater führt ihn auf die nebelverhangene Insel Godstone – einen Ort, der seit 1950 offiziell als verlassen gilt, nachdem ein makaberer Kult dort seine Spuren hinterlassen hat.
Ich habe mich für euch auf die PS5-Version gestürzt und verrate euch, warum mich dieser Trip trotz einiger technischer Schluckaufe richtig gepackt hat.
Godstone: Ein linearer Albtraum mit Abwechslung
Der Okkultist ist kein Open-World-Spiel, und das ist auch gut so. Das Abenteuer ist sehr linear aufgebaut. Man erkundet das Spiel abschnittsweise und die Levelareale fallen unterschiedlich groß aus. Das tut dem Pacing gut, denn die Schauplätze sind wirklich abwechslungsreich gestaltet. Mal schleicht man durch ein völlig verfallenes Krankenhaus, mal stapft man über einen nebligen Friedhof und am Ende steht man in einer pompösen, extravaganten Villa.

Die Rätsel fügen sich super in diese Umgebungen ein. Die meisten davon sind zwar eher leichte Kost, aber das Spiel kann auch verdammt knifflig werden. An einer Stelle muss man beispielsweise den Namen eines Geistes herausfinden, um eine versiegelte Tür zu öffnen. Mein persönliches Highlight (und gleichzeitig eine echte Geduldsprobe) war die Leichenhalle im Krankenhaus: Hier musste ich das Gesicht einer Leiche exakt nach dem Abbild einer anderen nachmalen. Das erfordert echte Präzision und zeigt, dass die Entwickler sich bei den Aufgaben wirklich Gedanken gemacht haben.

Wer die Umgebungen penibel auf den Kopf stellt, findet Sammelobjekte – insgesamt 15 Halsketten, 5 geheime Botschaften und 7 Altäre, an denen man beten kann. Hier liegt allerdings ein kleiner Hund begraben: Das Spiel verrät einem an keiner Stelle, was diese Altäre und Ketten eigentlich bringen. Da ich nicht alles finden konnte und es keinerlei Hinweise auf eine Belohnung gab, verpuffte die Sammelwut irgendwann und fühlte sich leider etwas belanglos an.

Das Pendel und der Blick auf die eigene Hand
Die Gameplay-Mechaniken sind größtenteils simpel und überfordern zu keinem Zeitpunkt. Man schiebt Kisten oder Schränke beiseite, um sich Wege freizumachen – allerdings lässt das Spiel dies nur an exakt vorgegebenen Stellen zu. Ein echtes Highlight ist jedoch das Pendel. Es ist Alans wichtigstes Werkzeug und macht das Spiel zu etwas Besonderem. Mit dem Pendel machen wir Spuren wie Blut oder Fußabdrücke sichtbar und enthüllen Dinge, die die Geister eigentlich vor uns verstecken wollen. Später kommen Fähigkeiten hinzu, mit denen wir die Zeit zurückdrehen oder einen weißen Raben herbeirufen können. Kleiner Tipp am Rande: Achtet im Spiel penibel auf diese Raben, sie weisen euch fast immer den richtigen Weg.

Ein echtes Lob verdient die Gesundheitsanzeige. Statt eines klassischen roten Balkens am Bildschirmrand drückt man die L1-Taste. Alan blickt dann auf seine linke Hand. Je schwärzer sich diese verfärbt, desto näher ist man dem Pixeltod. Das ist unheimlich immersiv! Werdet ihr attackiert, solltet ihr die Beine in die Hand nehmen und euch verstecken, denn Alan ist kein Kämpfer. Zum Glück regeneriert sich die Gesundheit nach einer Weile von selbst.

Nervige Gimmicks und technische Stolpersteine
Wo Licht ist, ist leider auch Schatten. Das Spiel wirft uns Quick-Time-Events (QTEs) und Balancierpassagen vor die Füße. Während man QTEs als Relikte vergangener Tage noch irgendwie weglächeln kann, haben mir die Balance-Akte über schmale Balken echt den letzten Nerv geraubt. Auf der PS5 nutzt das Spiel hierfür die Bewegungssensoren des DualSense-Controllers. Die Steuerung reagierte bei mir derart empfindlich, dass ich den Controller stellenweise hektisch hin und her wedeln musste, um nicht abzustürzen. Das reißt einen leider völlig aus der Grusel-Stimmung heraus.

Auch technisch lief die Testversion auf der PS5 noch nicht ganz rund. Ich hatte einen ziemlich lästigen Soundbug, bei dem das Quietschen eines Rollstuhls ununterbrochen in einer Dauerschleife lief – und sich sogar bis ins nächste Gebiet zog. Erst ein kompletter Neustart behob das Problem. In einer Zwischensequenz fiel plötzlich die Sprachausgabe komplett aus, ein anderes Mal luden die Texturen nicht nach und das Pendel weigerte sich einmal, einen Gegenstand komplett wiederherzustellen, was die Interaktion blockierte. Zum Glück waren das alles keine Plot-Stopper, die das Weiterspielen unmöglich machten, aber sie kratzen eben an der Atmosphäre.

Fazit
Der Okkultist hat mir trotz seiner Kinderkrankheiten und ein paar fragwürdigen Designentscheidungen (Stichwort Bewegungssteuerung!) richtig gut gefallen. Godstone ist ein herrlich unheimlicher Ort, und die Idee mit dem Pendel sowie der Lebensanzeige auf der eigenen Hand heben das Spiel spürbar aus der Masse der First-Person-Horrorspiele hervor. Das Potenzial für ein faszinierendes Franchise ist absolut da und ich hoffe wirklich sehr, dass Alan Rebels noch einen zweiten Fall lösen darf. Wenn die Entwickler bis dahin die technischen Fehler ausbügeln und die nervigen Balancier-Einlagen streichen, haben wir hier einen echten Genre-Geheimtipp.
Pro:
- Unheimlich dichte Atmosphäre auf der Geisterinsel Godstone.
- Tolle, unverbrauchte Ideen wie das Pendel und die Gesundheitsanzeige an der Hand.
- Abwechslungsreiches Leveldesign (Krankenhaus, Friedhof, Villa) mit cleveren Rätseln.
- Gelungener Soundtrack von Pepe Herrero, der die Spannung gut untermalt.
Contra:
- Empfindliche und nervige Bewegungssteuerung bei Balancierpassagen auf der PS5.
- Einige technische Fehler (Sound-Loops, fehlende Texturen und Tonaussetzer).
- Belanglose Sammelgegenstände ohne erkennbaren spielerischen Nutzen.
- Das Verschieben von Objekten ist sehr starr und stark vorgegeben.
Wertung: 6.5/10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆☆
Auf einen Blick: Der Okkultist
| Kategorie | Details |
| Plattformen | PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S |
| Getestete Version | PlayStation 5 |
| Genre | Survival-Horror / Adventure |
| Sprachausgabe | Englisch |
| Texte | Deutsch |
PC-Systemanforderungen
| Hardware | Mindestanforderungen (Win 11) | Empfohlen (Win 11) |
| Prozessor | Intel i5-11600K / Ryzen 5 5600X | Intel i7-13700K / Ryzen 9 7900X |
| Arbeitsspeicher | 16 GB RAM (geschätzt) | 32 GB RAM |
| Grafikkarte | NVIDIA GTX 2070 / RX 5700 XT (8GB) | RTX 4070 Super (12GB) / RX 7800 XT (16GB) |
| Speicherplatz | 40 GB verfügbarer Speicherplatz | 40 GB verfügbarer Speicherplatz |
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