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Ghostrunner 2 im Test (PS5) – Der beste Cyberpunk-Ninja aller Zeiten?

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Als am 27. Oktober 2020 das Actionspiel “Ghostrunner” erschien, war es mein persönlicher Überraschungshit und ein Geheimtipp. Umso glücklicher bin ich, dass die polnischen Entwickler von One More Level und Publisher 505 Games den Nachfolger “Ghostrunner 2” am 26. Oktober 2023 für PC, PS5 und Xbox Series X/S nachlieferten. Die Entwickler haben sich vorgenommen den Vorgänger in allen Kritikpunkten zu verbessern und nennen Highlights wie größere Bosskämpfe, Fahrzeugkämpfe und natürlich neue Fähigkeiten, aber reicht das aus? Ich bin erneut in die Haut des Cyberpunk-Ninja Jack geschlüpft und verrate euch in diesem Test, ob erneut ein Geheimtipp auf euch wartet. 

Jack is Back 

Ghostrunner 2 ist der gnadenlose Nachfolger des hochgelobten, blitzschnellen Hack-and-Slash-Spiels, das in einer postapokalyptischen Cyberpunk-Welt angesiedelt ist. Gespielt wird erneut aus der Ego-Perspektive. Schon im Erstling war die Story nur als Rahmenhandlung brauchbar und nicht wirklich relevant für die rasante Action auf dem Bildschirm. Diese Formel wird auch im Nachfolger nicht über Bord geworfen, sodass ihr hier nicht plötzlich mit einer interessanten oder gar motivierenden Handlung konfrontiert werdet.

Vielmehr liegt der Fokus weiterhin auf dem blitzschnellen Gameplay und dem gnadenlosen Schwierigkeitsgrad. Hierdurch wird eure Frustgrenze erneut auf die Probe gestellt, wobei Ghostrunner 2 einiges mehr verzeiht, als noch der Vorgänger. Erwartet also atemberaubende Action, während ihr euch einer brutalen KI-Sekte stellt, die den letzten Zufluchtsort der Menschheit infiltriert hat. Erstmals darf auch die Außenwelt, außerhalb der letzten menschlichen Zuflucht des Dharma-Turms, mit einem Motorrad erkundet werden. Darüber hinaus gibt es neue Spielmodi und Fähigkeiten, die das Gameplay erweitern und zugänglicher machen. 

Schwer aber Fair

Im Grunde hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht besonders viel am Gameplay verändert. Als Cyberpunk-Ninja rutscht, Springt, lauft und Kämpft ihr durch eine kunterbunte Cyberpunk Welt. Das Gameplay ist extrem schnell und jeder Treffer führt zu einem Game Over. Dementsprechend müsst ihr auf das volle Arsenal des Kämpfers zurückgreifen, um in der Welt bestehen zu können. Bewaffnet seid ihr nur mit einem Samurai-Schwert, Wurfsternen und einem Wurfseil. Zudem erlernt man zusätzliche ultimative Fähigkeiten, die einem das Leben erleichtern sollen. So kann man zum Beispiel für einen kurzen Zeitraum die Zeit verlangsamen oder aber ihr erzeugt einen höllischen Laserstrahl.

Darüber hinaus können zusätzliche Modifikationen angebracht werden, die eure Fähigkeiten verbessern. So könnt ihr später Schilde mit eurem Schwert zerschneiden oder auch Laserangriffe blocken. Ihr könnt aber auch die Dauer einiger Fähigkeiten erhöhen und eure Ultimativen Fähigkeiten verbessern. Zu Beginn könnt ihr nicht wirklich viele aktive und passive Fähigkeiten auswählen, doch mit der Zeit erweitern sich die Steckplätze eures Skillbaumes. Die Fähigkeiten selbst könnt ihr durch verdiente Punkte, die ihr für das Töten von Feinden erlangt erwerben. Je stylischer und schneller ihr ein Areal von Feinden säubert, desto mehr Punkte winken am Ende eines Levels. 

Das Leveldesign hätte auch aus einer Cyberpunk Version eines Super Marios stammen können, wo Abgründe keine Seltenheit, sondern das Hauptmerkmal sind. So müssen wir uns stets mit dem Wurfseil über Abgründe schwingen oder aber an Wänden und Plattformen entlang laufen, um diese zu überwinden. Dabei werden wir stets von den unterschiedlichsten Feinden angegriffen. Währen noch viele einfache Angriffe wie Schüsse von Jack pariert oder geblockt werden können, müssen Druckwellen oder Laserangriffe ausgewichen werden. 

Das Grundgerüst basiert auf dem bekannten Trial & Error-Prinzip. Die Level sind überwiegend linear aufgebaut, auch wenn die einzelnen Areale etwas größer ausfallen. Jedes Scheitern bringt euch voran, indem ihr daraus lernt. Zudem sind die Checkpoints dermaßen fair gesetzt, dass ihr nie wirklich viel erneut erspielen müsst. Lediglich in den Arenamäßigen Kämpfen müsst ihr, im Falle des Scheiterns, wieder alle Feinde erledigen, selbst wenn ausgerechnet der letzte Feind euch erwischt hat.

Dank dem vertikalen Design der Level geben euch die Entwickler zahlreiche Wege und Lösungsansätze an die Hand, um erfolgreich zu einem Levelabschluss zu kommen. Darüber hinaus verzeiht einem das Spiel viel mehr Fehler, als noch der Vorgänger, wodurch der Schwierigkeitsgrad etwas angenehmer erscheint. So sind die Zeit-Fenster zum Parieren großzügiger gesetzt und der Wurf mit dem Wurfstern oder dem Seil müssen nicht einer chirurgischen Präzision gleichen. 

Nimm dir Zeit

Abseits der rasanten und actiongeladenen Kämpfen bietet einem das Spiel auch Raum zum Erkunden und entdecken. So lassen sich zahlreiche Skins für Schwert oder Motorrad finden und außerdem liegen auch noch Upgrade-Chips in der Welt verteilt, die euren Skillbaum erweitern, wodurch zusätzliche Fähigkeiten ausgewählt werden können. Diese Items werden praktischerweise farblich getrennt auf der Minikarte angezeigt, wodurch ihr lediglich den richtigen Weg zu den Chips finden müsst. Skin Items werden als gelbe und Upgrades als lila Computerchips angezeigt. Die Erkundung der Spielwelt hat mir viel Spaß gemacht, da der Weg zu den Chips oftmals wie ein Rätsel aufgebaut ist. Den Weg zu finden, war oftmals gar nicht so einfach, da die Spielwelt recht verwinkelt ist. 

Darüber hinaus gibt es abseits der Kämpfe auch Parkour einlagen, die sich vor allem in der digitalen Welt abspielen. Bei jedem Hack muss Jack Hindernisse überwinden, die je nach Fortschritt ziemlich knifflig ausfallen können. So müssen im Wechsel Plattformen oder Sprungmöglichkeiten schnell aktiviert werden, um zum Zeil zu kommen. Gerade an diesen Stellen ist Timing der Schlüssel zum Erfolg. 

Etwas fehl am Platz fühlten sich die Basis-Abschnitte und einige Motorrad-Abschnitte an, da sie dem Spiel das Tempo rausnahmen. Fast nach jedem Level landen wir in einer Basis, wo man sich mit den unterschiedlichsten Charakteren unterhalten kann, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Man kann aber auch direkt mit den Hauptzielen reden, um ins nächste Level zu kommen, somit sind diese Dialoge rein optional und wurden nur für interessierte Spieler eingebaut. Zudem kann man auch hier seine Fähigkeiten erkaufen und einsetzen. 

Obwohl auch auf dem Motorrad der lineare Levelaufbau weiterverfolgt wird, öffnet sich die Spielwelt zu einem bestimmten Zeitpunkt und man bekommt viel mehr Raum zum Erkunden. Darin kann man sich jedoch auch ein wenig verlieren, da das große offene Spielareal kaum etwas zu bieten hat. Wären nicht die Hauptziele mit dicken Markern versehen, dann würde wohl kaum jemand den richtigen Weg finden. 

Grandios hingegen ist der gebotene Synthwave-Soundtrack des Spiels der euch fetzige und fesselnde Musik von Daniel Deluxe, We Are Magonia, Gost, Dan Terminus und Arek Reikowski um die Ohren haut. Dieser fügt sich nahtlos und passend zum Geschehen ein, hebt die Atmosphäre auf ein hohes Niveau und bereichert eurer Spielerlebnis zu jeder Minute. 

Eine Prise Roguelike

Mit dem Spielmodus “Runner.Exe” erweitert man zudem die Spielerfahrung um ein Roguelike ähnliches System. Während des Spiels schaltet man insgesamt vier Abschnitte von “Runner.Exe” frei, der mit kosmetischen Belohnungen lockt. In diesem Modus navigiert man auf einer Karte, die an Slay the Spire erinnert, durch kleine, voneinander abgetrennte Parkour-Herausforderungen oder Kampfarenen und besucht gelegentlich einen Shop. In diesem Shop kann man, ähnlich wie nach dem Abschluss jeder Stage, einen Perk auswählen. Diese Perks können verschiedene Verbesserungen bieten, wie das Verdreifachen der Anzahl der Shuriken, die Jack pro Verwendung seiner Fähigkeit wirft, oder die Fähigkeit, alle Ziele, die von den Shuriken getroffen werden, für fünf Sekunden auf der Seite des Ghostrunners kämpfen zu lassen, bevor sie sterben.

Es ist beruhigend, dass man die Stages nicht beim ersten Versuch abschließen muss. Jack beginnt mit einigen Versuchen, und nach jeder abgeschlossenen Stage erhält man einige mehr. Oftmals bietet Runner.Exe sogar eine noch größere Herausforderung als das Hauptspiel, dennoch hat dieser Roguelike-Modus jedoch keinen wirklichen Wiederspielwert, da sich die Stages schon nach kurzer Zeit wiederholen. Sobald man alle kosmetischen Gegenstände eingesackt hat, gibt es kaum noch einen Grund, zurückzukehren.

Fazit

Ghostrunner 2 ist erneut ein Highlight für mich geworden und das in einem Spielejahr, welches gefühlt täglich ein neues Meisterwerk hervorbringt. Trotz kleinerer Designschwächen übertrifft Ghostrunner 2 den Vorgänger in allen Punkten und schafft es sogar zugänglicher zu werden. Das rasante und actiongeladene Gameplay sucht seinesgleichen und es gibt kaum einen Abschnitt, den ich nicht gefeiert oder geliebt habe. Durch die Schnelligkeit und den Synthwave-Soundtrack entwickelt sich zudem ein Flow, dem man sich nicht entziehen kann. Das akrobatische Klettern, Springen und Rutschen gepaart mit dem starkem Schwertkampf geht schnell ins Blut über und man bekommt einfach nicht genug davon. 

Alle Verbesserungen und Neuerungen wie die Gadgets, das Upgrade-System, die Zwischenbosse und die Motorradpassagen fügen sich nahtlos in das Spiel ein. Abgesehen von der schwachen Geschichte und den Tempolosen Passagen, wie die Basis, gibt es keinen überflüssigen Ballast. Ghostrunner 2 bleibt ein besonderes Spiel, welches ich nur wärmstens weiter empfehlen kann. Ich vergebe 

9 von 10 Punkte