
Mit Atomfall bringt uns das Entwicklerstudio Rebellion ein spannendes Endzeit-Abenteuer, das sich irgendwo zwischen Action-RPG und narrativem Survival-Game bewegt. Wir hatten die Gelegenheit, das Spiel auf dem PC ausgiebig zu testen, wofür wir uns herzlich bedanken. Schon die ersten Spielstunden machen deutlich, dass Atomfall einiges zu bieten hat – von der Erkundung einer gefährlichen Welt bis hin zu tiefgehenden Interaktionen mit NPCs. Doch ob das Spiel tatsächlich überzeugen kann, erfahrt ihr in diesem Test.
Story
Die Handlung von Atomfall spielt in einer dystopischen Zukunft, in der eine nukleare Katastrophe ein ganzes Gebiet verwüstet hat. Die Außenwelt hat dieses Gebiet als Konsequenz vollständig abgeriegelt und mit hohen Mauern versiegelt, sodass die Überlebenden darin gefangen sind. Niemand darf hinein oder hinaus. Unser Hauptcharakter befindet sich inmitten dieser Quarantäne-Zone und hat nur ein Ziel: einen Weg nach draußen finden. Ich werde hier bewusst nur grob auf die Story eingehen, um nichts zu spoilern, da gerade die Erkundung und das Entdecken der Hintergrundgeschichte einen großen Teil des Spielerlebnisses ausmachen.
Der Schlüssel zur Flucht ist der sogenannte Übergang, eine riesige Basis, die einst als Verbindung zur Außenwelt diente. Doch der Übergang ist deaktiviert, und um ihn wieder zum Laufen zu bringen, müssen Atombatterien gesammelt werden. Diese seltenen und wertvollen Energiequellen sind in der gesamten Zone verstreut und meist gut bewacht. Es liegt am Spieler, zu entscheiden, ob er sie durch geschickte Diplomatie, oder brutale Gewalt erlangt.

Allerdings ist der Übergang alles andere als ein sicherer Ort. Hier und da patrouillieren Roboter, die noch immer ihre alten Protokolle ausführen, und gefährliche atomverseuchte Mutanten durchstreifen die Anlage auf der Suche nach Beute. Wer sich in diese lebensgefährliche Zone wagt, muss vorbereitet sein und mit unerwarteten Gefahren rechnen.

Eine der großen Stärken von Atomfall ist die interaktive Erzählweise. Die Gespräche mit NPCs haben einen direkten Einfluss auf den Verlauf der Geschichte und eröffnen verschiedene Lösungsansätze. Man kann sich mit bestimmten Gruppen verbünden, Allianzen schmieden oder sogar bewusst Konflikte herbeiführen. Die Vielzahl an Nebenquests trägt zusätzlich zur Immersion bei und gibt tiefere Einblicke in das Leben innerhalb der Quarantäne-Zone.
Besonders gelungen ist das permanente Gefühl der Unsicherheit. Selbst in scheinbar sicheren Bereichen, wie Dörfern oder Außenposten, ist die Bedrohung allgegenwärtig. Wachen verhalten sich auffällig gegenüber den Bewohnern, und immer wieder gibt es Hinweise darauf, dass innerhalb der Quarantäne etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Dieses beklemmende Gefühl trägt erheblich zur dichten Atmosphäre des Spiels bei.

Gameplay
Das Gameplay von Atomfall ist geprägt von flüssiger Steuerung und einer Vielzahl an spielerischen Möglichkeiten. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass ich während meiner Spielzeit keine nennenswerten Bugs entdeckt habe – eine Seltenheit in der heutigen Zeit.
Der Nahkampf fühlt sich wuchtig und gut umgesetzt an, auch wenn es bedauerlich ist, dass keine Blockmechanik vorhanden ist. Wer Kämpfe vermeiden möchte, kann jedoch auf alternative Spielweisen setzen: Klettern, Schleichen und Verstecken gehören ebenso zum Repertoire des Spiels. Dadurch lassen sich viele Situationen auf unterschiedliche Weise lösen, was für einen hohen Wiederspielwert sorgt.
Ein zentrales Element des Spiels ist das Looten und Erkunden. Überall gibt es nützliche Gegenstände zu finden, die entweder direkt genutzt oder weiterverarbeitet werden können. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, Trainingsmodule und Hefte zu sammeln, mit denen sich neue Baupläne und Fähigkeiten freischalten lassen. Dadurch wird ein stetiges Fortschrittssystem geschaffen, das die Motivation hochhält.

Die Gegner-KI ist solide umgesetzt und verhält sich situationsabhängig. Feinde reagieren auf Geräusche, suchen aktiv nach dem Spieler und passen ihre Taktik an. Dies sorgt für spannende Begegnungen, insbesondere wenn man sich für einen schleichenden Ansatz entscheidet. Das Spiel zwingt einen selten dazu, direkt in Kämpfe zu gehen, sodass auch Fans von Stealth-Mechaniken auf ihre Kosten kommen.
Grafik
Grafisch überzeugt Atomfall mit einer detailreichen und stimmungsvollen Spielwelt. Die zerstörten Landschaften, verfallenen Gebäude und die melancholische Beleuchtung tragen zur dichten Atmosphäre bei. Besonders beeindruckend ist das Spiel mit Licht und Schatten, das für eine zusätzliche Spannung sorgt.

Während die Umgebungen optisch beeindruckend sind, könnten die Charaktermodelle etwas besser gestaltet sein. Teilweise wirken Gesichter etwas leblos oder unnatürlich animiert, was den ansonsten positiven Eindruck leicht trübt. Dies könnte jedoch auch eine bewusste stilistische Entscheidung sein, die nicht jedem Spieler zusagt.

Positiv
- Stimmige Atmosphäre, die ein starkes Gefühl von Isolation und Gefahr vermittelt
- Liebevoll gestaltete Welt mit vielen Details und Erkundungsmöglichkeiten
- Gute Story mit vielschichtigen NPC-Interaktionen und moralischen Entscheidungen
- Flüssiges Gameplay ohne auffällige Bugs
- Vielfältige Herangehensweisen durch Klettern, Schleichen, Kämpfen oder Diplomatie
- Großer Wiederspielwert durch verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten
Negativ
- Kein reines Survival-Game, sondern eher ein Action-RPG mit Survival-Elementen
- Fehlende Blockmechanik im Nahkampf
- Kein Basisbau oder Ressourcen-Farming, was Hardcore-Survival-Fans enttäuschen könnte
- Charaktermodelle könnten besser gestaltet sein
Fazit
Atomfall hat mich insgesamt sehr positiv überrascht. Die Kombination aus packender Story, dichter Atmosphäre und flüssigem Gameplay macht es zu einem herausragenden Endzeit-Abenteuer. Die Möglichkeit, auf verschiedene Weise mit der Spielwelt zu interagieren, erhöht den Wiederspielwert und sorgt für eine individuelle Spielerfahrung.
Wer ein klassisches Survival-Game mit Fokus auf Basisbau und Ressourcenmanagement erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Stattdessen erhält man ein stark inszeniertes Action-RPG mit Survival-Elementen, das vor allem durch seine Entscheidungsfreiheit und atmosphärische Welt überzeugt. Fans von postapokalyptischen Settings sollten Atomfall definitiv eine Chance geben!
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