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Test: Styx: Blades of Greed (PS5) – Ein Meisterdieb zwischen Anspruch und Abgrund

  • Titel: Styx: Blades of Greed
  • Plattformen: PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S
  • Entwickler: Cyanide Studio
  • Publisher: Nacon
  • Release: 19. Februar 2026
  • Genre: Stealth-Action / Third-Person-Abenteuer
  • Preis: 39,99 EUR (PC) / 49,99 EUR (PS5 / Xbox Series)
  • Spielzeit: ca. 10–12 Stunden (Hauptstory) ca. 15–20 Stunden (für Komplettisten/alle Quarz-Splitter)

Der wohl griesgrämigste Goblin der Videospielgeschichte ist zurück. Mit Styx: Blades of Greed schickt uns das französische Cyanide Studio erneut in die Schatten. Ich habe mich in die PS5-Version gestürzt, um herauszufinden, ob der dritte Teil der Reihe endlich den Sprung in die Oberklasse schafft oder ob unser grüner Antiheld über seine eigenen Ambitionen stolpert. Eines vorweg: Wer hier überleben will, braucht nicht nur Geduld, sondern auch eine hohe Frusttoleranz.

Hand aufs Herz: In einer Spielewelt voller glattgebügelter Helden, die moralisch immer auf der richtigen Seite stehen, ist Styx eine echte Wohltat. Ich habe den griesgrämigen, fluchenden Goblin sofort wieder ins Herz geschlossen. Es ist so erfrischend, mal wieder einen Protagonisten mit echtem Profil zu spielen, der mit sarkastischen Sprüchen und dem Durchbrechen der vierten Wand für echte Grinser sorgt. Doch so sehr ich den Kerl mag, so sehr hat mich das Spiel drumherum stellenweise wahnsinnig gemacht.

Story: Luftschiff-Schrott und Kristall-Gier

Die Geschichte setzt nahtlos an den Vorgänger Shards of Darkness an. Nach einem heftigen Kampf mit einem Steingolem stürzt das Luftschiff unserer Gruppe ab und Styx findet sich gestrandet wieder. Die ersten Stunden verbringe ich also damit, Ersatz für den fahrbaren Untersatz und einen fähigen Kapitän aufzutreiben. Sobald das erledigt ist, geht es wieder um das, was Styx am besten kann: Wertvolle Quarz-Splitter klauen. Die Handlung dient eher als charmanter Rahmen für Styx‘ Eskapaden, bietet aber genug Motivation, um sich durch die drei großen Gebiete – Stadt, Sumpf und Zitadelle – zu beißen.

Ein vertikaler Irrgarten: Wenn Freiheit zur Qual wird

Das Leveldesign ist für mich der größte Knackpunkt. Die Entwickler haben Welten erschaffen, die so extrem vertikal und verwinkelt sind, dass sie sich weniger wie ein Spielplatz und mehr wie ein vertikales Labyrinth anfühlen. Normalerweise liebe ich es, in Stealth-Spielen jeden Winkel zu erkunden, aber hier erzeugte die Struktur bei mir einen echten Fluchtreflex.

Man steht in einem Wall aus aufeinandergestapelten Häusern und Stegen, alles sieht identisch aus, und man hat keinerlei Übersichtskarte. Wenn ich eine Nebenaufgabe erhalte, eine goldene Büste „nahe dem Markt“ zu stehlen, diesen Markt aber im Wirrwarr der Gassen einfach nicht finde, schlägt die Motivation ganz schnell in Frust um. Selbst die Marker für die Hauptquest muss man sich erst verdienen, indem man Styx mühsam mit einem Quarzkristall verbindet – ein Prozess, den das Spiel zudem mangelhaft erklärt.

Der Tunnelblick: Wenn die Kamera im Weg steht

Verschlimmert wird das Ganze durch die Kameraführung. Die Linse klebt Styx einfach viel zu dicht im Nacken. Ich habe vergeblich in den Optionen nach einer Möglichkeit gesucht, das Sichtfeld zu erweitern. Vermutlich hätte das in den oft eng designten Innenräumen zu massiven Problemen mit der Geometrie geführt, aber so fehlt mir permanent der Überblick.

Ein cleveres Detail: In engen Gängen oder unter Tischen schaltet das Spiel automatisch in die Ego-Perspektive um. Ich hätte mir gewünscht, man könnte diese Ansicht permanent oder optional zuschalten. So wie es jetzt ist, bin ich viel zu oft in einen Raum geprescht und habe dabei eine Wache übersehen, die eigentlich direkt vor mir stand, aber eben gerade noch außerhalb meines engen Sichtfelds war. Das Ende vom Lied? Alarm, Frust und den letzten Spielstand laden.

Totale Feindseligkeit ohne Verschnaufpause

Was mir im Spielverlauf ebenfalls sauer aufstieß: In dieser Welt ist einem absolut niemand wohlgesonnen. Ob schwer bewaffneter Soldat oder harmloser Arbeiter – sobald man entdeckt wird, brennt die Hütte. Es gibt keine neutralen Zonen oder Zivilisten, die einen ignorieren. Man ist permanent unter Strom, weil wirklich jeder sofort Alarm schlägt. Sogar in der zerfallenen Zitadelle gibt es keine Gnade: Die anderen Goblins dort sind uns gegenüber genauso feindselig eingestellt wie die Menschen. Styx ist selbst bei seiner eigenen Art ein Außenseiter. Diese ständige Anspannung ohne kurze Konzentrationspause muss man wirklich mögen – mir war dieser permanente Belagerungszustand auf Dauer zu anstrengend.

Kampf und Steuerung: Ein spielerischer Krampf

Sollte die Tarnung auffliegen, zeigt Styx seine hässlichste Seite. Das Kampfsystem ist ein absoluter Tiefpunkt. Styx fixiert automatisch einen Gegner an – und diese Fixierung lässt sich nicht manuell lösen. Greifen mehrere Feinde an, artet alles in unkontrollierbares Chaos aus. Die Kämpfe fühlen sich zudem völlig plump an: Styx hält kaum etwas aus, während die Gegner meine Dolchstiche aufsaugen wie Schwämme. Ohne echtes Trefferfeedback sticht man einfach stumpf auf „Gegner-Schwämme“ ein, bis diese leblos zusammenbrechen.

Dazu kommt die überladene Steuerung. Dass das Ausblasen einer Kerze und das Auflösen einer Leiche auf derselben Dreieck-Taste liegen, sorgt regelmäßig dafür, dass man kostbare Säurephiolen verschwendet, nur weil man das Licht ausmachen wollte. Auch das Klettern ist alles andere als intuitiv: Wer für Seitwärtssprünge nicht exakt R1 hält, segelt ungebremst in den Abgrund.

Die Technik: Der Stolperstein auf der PS5

Technisch hätte der PS5-Version mehr Feinschliff gutgetan. Ich hatte des Öfteren mit spürbaren Rucklern und Frame-Einbrüchen zu kämpfen. Zudem ploppen ständig Texturen rein, was besonders in den Zwischensequenzen stört. Die Soundabmischung ist ebenfalls fehlerhaft: Stimmen kommen teils über die falschen Kanäle, was eine Ortung der Gegner per Gehör fast unmöglich macht. In einem Stealth-Spiel, in dem man „mit den Ohren spielt“, ist das ein K.O.-Kriterium.

Fazit

Styx: Blades of Greed hinterlässt bei mir ein extrem zwiespältiges Gefühl. Auf der einen Seite steht dieser fantastisch geschriebene Protagonist, der mit seinem bissigen Humor und seiner kantigen Persönlichkeit eine echte Lücke im aktuellen Einheitsbrei der Videospielhelden füllt. In den Momenten, in denen man im Schatten lauert und einen perfekten Plan schmiedet, blitzt das grandiose Erbe von Stealth-Größen wie Splinter Cell oder Thief auf.

Auf der anderen Seite steht ein Spiel, das es seinem Spieler unnötig schwer macht, diese lichten Momente zu genießen. Das labyrinthartige Leveldesign ohne Karte sorgt für ständige Orientierungslosigkeit, während die viel zu nahe Kamera und das chaotische Kampfsystem regelmäßig für frustrierende Bildschirmtode sorgen. Dass die Welt zudem permanent feindselig ist und einem keine Sekunde zum Durchatmen lässt, macht das Erlebnis auf Dauer eher anstrengend als befriedigend. Gepaart mit den technischen Macken auf der PS5 bleibt am Ende das Gefühl eines Spiels mit riesigen Ambitionen, denen der nötige Feinschliff fehlt.

Wer Stealth-Spiele der alten Schule liebt und bereit ist, sich durch bockige Mechaniken und eine unübersichtliche Welt zu beißen, bekommt einen soliden Baukasten mit viel Charakter. Wer jedoch moderne Komfortfunktionen oder einen flüssigen Spielablauf erwartet, wird mit dem griesgrämigen Goblin wohl eher keine Freundschaft schließen.

Pro & Contra im Überblick

Pro

  • Charakter mit Profil: Styx ist ein charismatischer Antiheld mit großartigem Humor.
  • Stealth-Tiefe: Kreative Gadgets und vertikale Ansätze bieten viel Freiheit.
  • Atmosphäre: Gelungene Lichtstimmungen und eine dreckige Fantasy-Welt.
  • Herausforderung: Konsequentes Schleichen ohne helfende Hand.

Contra

  • Orientierungslosigkeit: Labyrinthartige Level ohne Karte erzeugen Frust statt Entdeckerdrang.
  • Kamera-Probleme: Die zu nahe Perspektive raubt den nötigen Überblick.
  • Schwaches Kampfsystem: Starre Fixierung und unbefriedigendes Trefferfeedback („Gegner-Schwämme“).
  • Technische Mängel: Ruckler auf der PS5, Soundfehler und Textur-Pop-ins.
  • Überladene Steuerung: Frustrierende Doppelbelegung wichtiger Tasten.
  • Permanente Anspannung: Die totale Feindseligkeit der Welt lässt keine Verschnaufpausen zu.

Wertung: 6.0/10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆☆

Über Egor Sommer 1504 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
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