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Expedition Zero im Test – Schreckliche Einöde

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Spätestens seit „Day Z“ (2013) und „Rust“ (2013) erfreuen sich Survival-Spiele großer Beliebtheit und sind nicht mehr aus der Spielelandschaft wegzudenken. Kein Wunder also, dass jedes Jahr neue Genrevertreter veröffentlicht werden, die den Thron des besten Survival-Spiels besteigen wollen. Im letzten Jahr konnte das brutale Wikinger-Abenteuer „Valheim“ sich den Titel des beliebtesten Survival Games sichern.

Wird es in diesem Jahr vielleicht „Expedition Zero“? Das erste Spiel des tschechischen Entwicklerstudios Enigmatic Machines wirbt mit einer packenden Atmosphäre voller Geheimnisse und Rätsel. Doch kann es die Versprechen einhalten? Wir haben uns in die Anomalie Zone im Herzen Sibiriens gewagt und verraten euch in diesem Test, was ihr von „Expedition Zero“ erwarten könnt.

Worum geht es?

Expedition Zero ist ein Survival-Horrorgame, welches die Spieler tief ins Herz des ländlichen Sibiriens entführt. Ein mysteriöser Meteoriteneinschlag hat die endlosen Wälder der sibirischen Taiga in eine alptraumhafte Sperrzone verwandelt. Die Einheimischen berichten über obskure, fleischfressende Monster und verwüstete Dörfer. Daraufhin wurde das fortschrittlichste sowjetische Wissenschaftsteam namens Expedition Zero mit modernster Technologie ausgerüstet und zu Forschungszwecken in die Zone geschickt.

Jahre später schlüpft man in die Rolle eines sowjetischen Ingenieurs, der als letzter Überlebender das Schicksal von Expedition Zero zu enthüllen versucht. Ausgerüstet mit einem mechanisierten Anzug soll man den verdorbenen Wald und die verlassene Forschungseinrichtung erkunden um die Wahrheit über die streng geheime Expedition aufzudecken. Auch nach Jahren birgt der finstere Wald noch Gefahren und so muss man sich schrecklichen Monstern stellen. Ihr müsst euch schnell zwischen Kampf oder Flucht entscheiden, um nicht selbst zur Beute zu werden.

Neben den tödlichen Monstern der Zone bedrohen extreme Temperaturen, Schneestürme und allgegenwärtiger Ressourcenmangel das eigene Überleben. Zum Glück können die begrenzten Ressourcen geplündert und verwendet werden, um die Überlebenschancen unter extremen Bedingungen zu verbessern. Beispielsweise indem man nützliche Geräte oder neue Module für den mechanisierten Anzug fertigt.

Theorie und Praxis

Was in der Spielebeschreibung schon Mal ziemlich spannend klingen kann, wird meist im Spiel nicht wirklich umgesetzt und so ist es auch leider bei Expedition Zero. Wer sich schon eine imposante Zwischensequenz mit einem brennenden Meteoriten vorstellt, der auf die Erde zu rast oder wie sich ein Expertenteam zum Einschlagsort begibt, um auf mysteriöse Ereignisse zu treffen, wird schwer enttäuscht. Der Spieler wird unvermittelt in die Spielwelt geworfen und hört sich zunächst einen kurzen Monolog des Protagonisten an, der sich allein gelassen fühlt und unbedingt aus der Sperrzone entkommen möchte.

Schnell beginnen wir die kleine Umgebung im verschneiten Gebiet aus der Ego-Perspektive zu erkunden und finden ein Schneemobil vor, welches uns als Lager dienen kann, eine Aufladestation bietet, um die Batterie des Anzugs aufzuladen und eine Karte der verschiedenen Bereiche liefert. Da auf der Karte nur der aktuelle Standort aufgeführt wird und weitere Bereiche noch gesperrt sind, müssen wir nach weiteren Hinweisen suchen. Entdecken wir etwas interessantes, dann ploppt am oberen rechten Bildschirmrand eine TextBox auf, die uns als Tutorial dient und darauf verweist, wie man Springen kann oder sich durch die Welt bewegt. Im Übrigen muss mit Tastatur und Maus gespielt werden, da der Controller bisher nicht unterstützt wird.

Um im ersten Gebiet voran zu kommen, müssen wir uns zunächst zu einem runtergekommenem Haus Zugang verschaffen. Die Tür ist durch ein mechanisches Schloss versperrt und benötigt Strom. Nicht weit vom Haus entdecken wir einen alten Generator, der zunächst mit Benzin gefüllt werden muss. Zu unserem Glück liegen direkt neben dem Generator zwei volle Benzinkanister und es stört mich direkt, dass wir die Taste zum Aufheben länger gedrückt halten müssen, um diese aufheben zu können. Vor allem im späteren Spielverlauf wird diese Mechanik richtig nervig. Aber erst einmal weiter im Programm, der Generator schnurrt vor sich hin, die Tür ist auf und wir können endlich ins Haus. 

Im Haus entdecken wir eine alte Funkstation und prompt werden wir auch von einer mysteriösen Person angefunkt. Diese verlangt von uns zur Mauer zu kommen, wenn wir erfahren möchten, wie wir aus der Sperrzone kommen und übermittelt uns die Koordinaten. Mit dem Schneemobil geht es also zur Mauer. Dort angekommen müssen wir den Lichtern zwei großer Scheinwerfer ausweichen, um nicht erschossen zu werden und begegnen einer seltsamen Person, die sich hinter einem Vorhang verbirgt und uns verspricht den Ausweg zu zeigen, wenn wir ihr einige Proben aus dem Wald beschafft haben. Erneut erhalten wir neue Koordinaten und das Abenteuer kann beginnen. Die Scheinwerfer spielen auf dem Rückweg zum Schneemobil plötzlich gar keine Rolle mehr. 

 

Das Abenteuer beginnt

Bevor wir in den düsteren Wald können, brauchen wir eine Taschenlampe, denn es existiert kein Tag- und Nachtzyklus. Im Wald ist man dementsprechend immer nachts unterwegs, während man bei dem runter gekommen Haus scheinbar Tagsüber herumstreift. Klingt komisch, ist aber so. Also erstmal zurück zum Haus, um sich dort eine Taschenlampe basteln zu können. Hier fallen mir weitere unbegreifliche Spielmechaniken auf. Um an wichtige Ressourcen wie Metalle, Kunststoffe und Elektronik zu kommen, müssen verschiedene Objekte durchsucht werden. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches, doch um die Behälter durchsuchen zu können, benötigen wir eine Brechstange. Während ich das vielleicht noch bei einem alten Radio oder ähnlichem noch akzeptieren könnte, verstehe ich nicht, warum das auch für eine Mülltonne gilt, die mit einem normalen Verschluss versehen ist. Das ergibt gar keinen Sinn und wieder muss die Taste zum Durchsuchen einige Sekunden gehalten werden. 

Haben wir einige Ressourcen eingesammelt, geht es zu einem 3D-Drucker, der uns das Craften ermöglicht. Hier kann auch die wichtige Taschenlampe hergestellt werden. Auffällig ist dabei, dass jeder Drucker andere Sachen herstellen kann. Statt wie bei anderen Survival-Titeln den Spieler Baupläne an die Hand zu geben, die zunächst gefunden werden können oder Rollenspielmäßig durch einen Skillbaum freigeschaltet werden können, müssen wir uns auf die Suche nach den unterschiedlichen Druckern machen, die im Wald verstreut zu finden sind, um an überlebenswichtige Upgrades zu kommen. Zudem können sperrige Komponenten wie Elektronikteile, die gerne viel Platz im Inventar einnehmen in ihre Bestandteile im Drucker zerlegt werden. Dadurch spart man viel Platz. 

Der Wald dient als Hauptschauplatz und dort gilt es nun Anomalien zu entdecken und zu scannen. Dieses Gebiet ist das Größte im Spiel, doch kann es nicht komplett frei, wie in einer Open World frei erkundet werden. Einige Bereiche sind von einem giftigen Gas befallen und sollten nicht betreten werden. Zudem greifen ab hier die Survival-Mechaniken des Spiels. Eine unnatürliche Kälte lässt alles gefrieren, sodass Quellen zum Aufwärmen aufgesucht werden müssen. Hierfür sammeln wir Holz und entzünden Feuer an bestimmten stellen. Leider können Feuerstellen nicht wie in anderen Survival Titeln an jedem Ort aus dem Nichts erstellt werden, was das Überleben erschwert. Um länger in der Kälte überleben zu können, kann eine Wärmeeinheit für den Anzug an einem 3D-Drucker hergestellt werden. 

Die Atmosphäre kann durchaus Punkten und erzeugt zum Teil ein beklemmendes Gefühl der Einsamkeit, leider ist das auch schon der positivste Aspekt am Spiel. Der Wald wirkt einfach leblos, da man kaum auf etwas Besonderes stößt. Tiere gibt es nicht. Die Monster, die auf einen lauern sind entweder Zombies, die so träge sind, dass sie gar keine Gefahr darstellen oder aber Vampire, die viel zu schnell sind und man gar keine Chance hat sie zu bekämpfen. Selbst die Flucht ist teilweise unmöglich, wenn nicht gerade ein Gebäude in der Nähe ist. Auf diese Weise endete jede Begegnung mit einem Vampir mit einem Game Over, was durchaus frustrierte. Hier muss man dringend an der Balanceschraube drehen. 

Zudem besteht das Gameplay nur daraus einzelne Punkte auf der Karte aufzusuchen, um Anomalien zu scannen oder Mal ein simples Rätsel zu lösen, wie Bilder in einer Kirche wieder aufzuhängen. Alle Spielmechaniken sind so simpel umgesetzt, dass keinerlei Tiefe aufkommt. An Spannung mangelt es, da keine Abwechslung geboten wird. Die einzelnen Anomalie-Punkte müssen mithilfe des Scanners entdeckt werden, der die genaue Entfernung zum Punkt angibt und durch ein schneller werdendes Piepsen akustisch signalisiert, dass man einem Punkt näherkommt.  

Unfertig auf dem Markt

Das größte Problem an Expedition Zero sind nicht die unausgereiften Spielmechaniken, sondern der unfertige Zustand. Grafisch kann der Titel nicht mit aktuellen Titeln mithalten. An jeder Ecke merkt man nachladende Texturen, aufploppende Details und Clipping-Fehler. Viele Bugs wurden mittlerweile mit drei verschiedenen Patches innerhalb der ersten Woche entfernt, dennoch sind immer noch einige davon enthalten. Einige Gegner reagieren manches Mal gar nicht auf euch. Auch die Übersetzung der Texte ist nicht zu 100% abgeschlossen, einige Dokumente, die man in der Taiga entdeckt sind noch komplett auf Englisch oder nur zum Teil ins Deutsche Übersetzt. Die Bewegungen der Spielfigur sind leider sehr träge, was den Kampf unnötig erschwert. Das Balancing der Gegner ist unausgereift. Während die Zombies keine Gefahr darstellen, sind die Vampire meistens direkt tödlich. 

 

Fazit

Alles in Expedition Zero fühlt sich klobig und unausgereift an. Viele Spielmechaniken ergeben einfach keinen Sinn und sind scheinbar nicht gut durchdacht. Die Rätsel, wenn man diese simplen Aufgaben so nennen darf, sind uninspiriert, genau wie der restliche Zustand des Spiels. Die Story wird nicht richtig ersichtlich, da sie durch ellenlange Dokumente erzählt wird, die man in der Taiga finden kann. Die Survival-Mechaniken sind simpel aufgebaut, Nahrung muss man keine zu sich nehmen, lediglich die Kälte spielt eine tragende Rolle. Hinzu kommt, dass Expedition Zero noch in einem unfertigen Zustand veröffentlicht wurde. Es mangelt einfach an Abwechslung und das unspektakuläre Ende ist bereits in wenigen Stunden erreicht. In diesem Zustand kann ich euch das Spiel nicht empfehlen und zudem scheint man sich generell wenig Mühe gegeben zu haben. Ich vergebe 

4 von 10 Punkten

Wer sich trotzdem nicht abgeschreckt fühlt und dem Spiel eine Chance geben möchte, kann es sich aktuell mit einem 10%igem Rabatt über Steam sichern. 

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