Hell Pie im Test – Diese Hölle ist nichts für Kinder!

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Während die meisten Jump&Runs auf ein niedliches und möglichst kindgerechtes Abenteuer aus sind, bewies vor allem „Conker’s Bad Fur Day“, aus dem Jahr 2001, dass Jump&Runs auch für ein erwachsenes Publikum funktionieren können. Das Spiel ist legendär und wird von Fans als ein Meisterwerk gesehen. In diese Fußstapfen versucht nun „Hell Pie“ zu treten. Das Spiel des Essener Entwicklerstudios Sluggerfly besticht mit einer Prise schwarzem Humor, schonungsloser Brutalität und jeder Menge Ekel. Ein vielversprechendes Grundrezept, doch reicht es für einen höllisch guten Trip? In unserem Test erfahrt ihr, was Hell Pie zu bieten hat.

Was zur Hölle?

In Hell Pie schlüpft ihr in die Haut des kleinen Dämonen Nate, der als Wächter des schlechten Geschmacks einen nichtigen Bürojob erledigt. Eines Tages klingelt aus Versehen der Teufel höchst selbst bei Nate durch und verlangt schleunigst nach einem Kuchen. Da Nate nicht selbst backen kann, sucht er den Küchenchef der Hölle auf. Diesem fehlen jedoch die nötigen Zutaten. Also schickt er Nate zu den entlegensten Orten der Welt, um die furchtbarsten Zutaten für den höllischen Kuchen zu finden.

Ihr glaubt mir nicht? Nun wie klingt denn ein Kuchen aus Drogen, Kotze und Eiteraugen? Und das sind nicht mal die widerwärtigsten Zutaten. Doch nicht nur die Zutaten sind ekelerregend, auch die Orte, die ihr dafür aufsuchen müsst. So verschlägt es euch in das Innere eines Wals, der von seltsamen Wesen ausgeweidet und gleichzeitig als Sushi Bar genutzt wird oder in eine Kanalisation, die von mutierten Nazi-Kackhaufen bevölkert wird.

Ein liebenswerter Engel

Auf dem Höllentrip bleibt Nate nicht allein. Ein kleiner dicklicher Engel namens Nugget, der eigentlich als Zutat im Kuchen enden sollte, leistet tatkräftige Unterstützung. Angekettet an ein Horn des Dämons schwebt Nugget, naiv und gesprächig, über Nate und wird von diesem für allerlei Kunststücke missbraucht. So benutzt Nate den kleinen Nugget, um Feinde zu vermöbeln oder Abgründe zu überwinden und der kleine freut sich sogar darüber.

Das Spiel bietet eine klassische Jum&Run-Erfahrung: Ihr springt, kämpft, rennt und schwingt euch durch die teilweise offene wie auch linear gestaltete Spielwelt. Inklusive des Bürogebäudes Sin Inc. gilt es fünf verschiedene Spielwelten nach den ungewöhnlichen Zutaten zu erkunden. Darüber hinaus müssen in jeder Spielwelt zusätzliche Abschnitte betreten werden. Witzigerweise kommentiert Nugget so ziemlich alles im Spiel, wem das jedoch zu viel wird, kann das naive Gebrabbel im Optionsmenü auch abschalten.

Wie im Sammelwahn

Genretypisch gibt es auch in Hell Pie jede Menge Sammelkram. Neben den wichtigen Zutaten für Satans Kuchen könnt ihr lila Steine aufsammeln, um für Nugget und Nate schicke Kleidung zu kaufen oder goldene Kätzchen, um Zutritt zum Raum der Gier zu erlangen.

Darüber hinaus könnt ihr auch Dosenfutter und süße kleine Einhorn-Lämmchen finden. Und diese solltet ihr nicht ignorieren, denn sie bescheren euch neue Fähigkeiten. Je mehr Dosenfutter Nugget verputzt, desto einfallsreicher und vielfältiger lässt er sich zur Fortbewegung, für den Kampf und der Erkundung der Spielwelt einsetzen. In einem Fähigkeitsbaum entscheidet ihr, welche Fähigkeit als nächstes freigeschaltet werden soll.

Die kleinen Einhorn-Lämmchen wiederum können Nate neue Fähigkeiten verpassen. Dank der Opferung der süßen kleinen Lämmer an bestimmten Altären, erhält Nate neue Hörner, die einen schnellen Sprint oder das Durchbrechen bestimmter Wände ermöglichen. Mit immer mehr Fähigkeiten ausgestattet können neue Abschnitte in bereits besichtigten Level erreicht werden, um so auch an die letzten Sammelgegenstände oder auch Klamotten für das ungleiche Duo zu kommen.

Mit Stil, Charme und Ekel

Die Spielwelten, Charaktere und Dialoge sind genauso einfallsreich, wie auch ekelerregend. Blut, Fäkalien und andere widerliche Dinge sind eure ständigen Begleiter. Vor allem der schwarze Humor sticht deutlich hervor. Zudem werdet ihr reichliche Anspielungen auf aktuelle Memes und Klassiker wie Scarface entdecken können. Diese spiegeln sich sowohl in den Geschichten, den Spielwelten als auch der Kleidung der beiden Protagonisten wieder.

Besonders die offenen Areale der unterschiedlichen Spielwelten haben mir sehr gut gefallen, da diese zum Erkunden einladen, aber auch die thematisch passenden linearen Abschnitte innerhalb dieser Spielwelten sorgten für staunen sowie Abwechslung. Auch der Soundtrack konnte durchgängig überzeugen. Trotz des Cartoonlooks sollte man bedenken, dass sich der Titel ausschließlich an ein erwachsenes Publikum richtet. In Hell Pie geht es ganz schön gewalttätig zu. Platzende Körper und entstellte Leichen pflastern euren Weg.

Keine perfekte Hölle

Die Steuerung ist durchweg gelungen und es macht spaß neue Fähigkeiten zu erwerben und auszutesten. Zudem ist auch das Tutorial hilfreich. Schwerwiegende Bugs sind mir in meinem Durchgang auch nicht aufgefallen. Viel mehr stößt einiges am Spieldesign sauer auf.

Vor allem die Tatsache, dass alles was NPCs zu sagen haben in kleine Sprechblasen gequetscht wird, nimmt dem Titel viel an Tempo. Wer jeden Witz und jede Anspielung mitbekommen möchte, muss immer wieder stehen bleiben. Im vorbeilaufen kann man unmöglich die Sprechblasen lesen. Selbst Nuggets Kommentare sind kaum erfassbar, da man ständig in Action ist.

Zudem fallen die Spielwelten besonders zum Ende hin deutlich kleiner und detailarmer aus, als noch zu Beginn des Abenteuers. Vielleicht hatte man etwas Zeitdruck. Auch die Rätselaufgaben fallen zum größten Teil zu einfach aus. Dennoch überzeugt der Indie-3D-Platformer mit viel Witz, Charme und Kreativität. Für die Hauptkampagne müsst ihr zwischen sechs und acht Stunden einrechnen, wer alles komplettieren will wird ca. 20 Spielstunden investieren müssen.

Fazit

Mit Hell Pie werden besonders Fans von Conker’s Bad Fur Day ihren Spaß haben und sollten sich diesen Titel deswegen nicht entgehen lassen. Die Entwickler von Sluggerfly beweisen ihren Sinn für schwarzen Humor mit zahlreichen Anspielungen an den Zeitgeist und lassen dabei auch keinen Witz über Fäkalien aus. Die Steuerung wird gut erklärt und ist sehr eingängig, sodass die Erkundung der Spielwelt durchweg spaß macht.

Zudem hat man mit viel Liebe zum Detail fünf unterschiedliche Welten geschaffen, die für viel Abwechslung sorgen. Dank Sammelitems, die eure Fähigkeiten verbessern, die Fortbewegung deutlich erleichtern und sogar neue Wege eröffnen, ist man stets motiviert, selbst die entlegensten Winkel der Spielwelten aufzusuchen. Zwar ist nicht alles perfekt durchdacht und gelungen, dennoch hat mir der Ausflug mit dem ungleichen Duo Nugget und Nate gut gefallen. Ich vergebe

8 von 10 Punkten.

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