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The DioField Chronicle im Test – Schöner Stil, aber…

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Mit “The DioField Chronicle” wandern Publisher Square Enix und die japanischen Entwickler von Lancarse in den Fußstapfen des äußerst beliebten Final Fantasy Tactics. Schon allein wenn man Square Enix und das Genre der Strategie-Rollenspiele im Einklang hört, denke ich unweigerlich an Final Fantasy Tactics und erinnere mich an eine Zeit zurück, in der mir taktische JRPGs noch verdammt viel Spielspaß boten. Doch “The DioField Chronicle” will gar kein geistiger Nachfolger oder gar ein Final Fantasy Ableger sein, auch wenn einige Ähnlichkeiten gegeben sind. Vielmehr möchte man eine komplett neue IP mit einer originellen Geschichte und Spielwelt präsentieren. Mal sehen, ob mich dieser Titel wieder packen kann und mich wie einst an den Bildschirm fesseln wird.

Seit dem 22. September 2022 ist der Titel für PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X/S, PC und die Nintendo Switch erhältlich und hat bisher gemischte Meinungen hervorgerufen. Nun will auch ich endlich meine Meinung in den Topf werfen und verrate euch, was ich von dem Spiel halte. 

Stiller Beobachter im Fantasy-Krieg

“Das Zeitalter der Mythen weicht einem Zeitalter großer Unruhe. Die Welt der Menschen wird von einem Krieg geplagt, der viele Jahre währt. Eine Gruppe aus Elitesöldnern, die Blaufüchse, erhebt sich inmitten der Flammen und des Chaos und ihr Schicksal und ihre mutigen Taten werden für lange Zeit in Liedern besungen werden. Doch wird der Name „Blaufuchs“ letzten Endes ein Symbol für Hoffnung oder Tragödie sein?”

Was zunächst nach einem spannenden Abenteuer klingt, wird in der Praxis etwas zu nüchtern mit hübschen Bildern erzählt. Etwas befremdlich ist zudem, dass die Vorgeschichte in den obligatorischen Abspann verpackt wird, der im Hauptmenü abgespielt wird, wenn ihr lange keine Tasten drückt. So war ich zunächst etwas perplex, als ich auf “Neues Spiel” drückte und das erste was ich sah war: “Acht Jahre später…” Das hat für mich in diesem Kontext gar keinen Sinn ergeben und so gestaltete sich der Einstieg in diese Fantasy-Welt von Beginn an sehr holprig. 

Im Grunde dreht sich alles um die Insel DioField, die aufgrund einer besonderen Ressource namens Jade zum Angriffsziel einer Invasion wird. Ihr begleitet eine Truppe von Söldnern, die sich bereits vor der Invasion auf der Insel DioField etabliert hatte und sowohl dem Adel in politischen Angelegenheiten als auch der Bevölkerung bei der Aufklärung von Verbrechen hilft. Zu meiner Überraschung wird hier keine klassische Gut gegen Böse Geschichte erzählt, die auch noch vor Klischees nur so trieft.

Stattdessen verschwimmen die Grenzen und man hinterfragt sich selbst oft, ob man überhaupt noch auf der Seite der Gerechtigkeit steht. Zumindest ist es mir so ergangen, als es im Missionsbriefing heißt, dass die Händlergilde einen Aufstand angezettelt hat, um gegen ein Adelshaus zu rebellieren oder wenn die Söldnertruppe sich streitet, ob man einem Dorf zu Hilfe eilt, in dem junge Frauen ins Haus eines Adeligen verschleppt werden, um missbraucht zu werden. Immerhin könnte ein politischer Konflikt entstehen und das will man um jeden Preis verhindern. Somit werden durchaus spannende Hintergrundgeschichten geliefert. 

Schade nur, dass man stets ein stiller Beobachter bleibt und keinerlei Auswirkungen auf die Geschichte oder einzelne Scharmützel hat. Ich hätte mir in vielen Fällen eine eigene Meinung gewünscht. Sei es durch schlichte Auswahlmöglichkeiten oder gar an die Herangehensweise einzelner Missionen. Geht man still und heimlich vor oder schmeißt man sich mit breiter Brust voll ins Getümmel? Solche Ansätze hätten den Wiederspielwert deutlich gesteigert und würden auch dem Trainigstisch, an dem man bereits absolvierte Missionen wiederholen kann, mehr Tiefe verliehen. So könnt ihr sie nur zu dem Zweck wiederholen, um verpasste Belohnungen doch noch einzusacken. Es gibt zum Beispiel für jede Mission eine Belohnung, wenn ihr diese unter einer vorgegebenen Zeit erledigt.

Ist das nun doch Final Fantasy?

Publisher Square Enix und die Marke Final Fantasy gehören zusammen wie das Gelbe zum Ei. Deswegen wird man sich insbesondre bei Optik von “The DioField Chronicle” fragen, ob es nicht doch etwas mit Final Fantasy zu tun hat. Aber auch im Kampfsystem findet sich die ein oder andere Ähnlichkeit, wenn man zum ersten Mal den mächtigen Drachen Bahamut aufs Schlachtfeld beschwört und sich stark an die Esper (Gottheiten) aus Final Fantasy erinnert fühlt. Denn auch dort existiert ein Drache namens Bahamut, den man im Kampf beschwören kann.

Doch das Spiel hat wirklich nichts mit Final Fantasy zu tun. Der ähnliche Look rührt tatsächlich daher, dass man mit Taiki (Lord of Vermilion III und IV) und (Final Fantasy XII und Final Fantasy XIII) zwei Künstler engagiert hat, die in der Vergangenheit selbst an der Final Fantasy Franchise mitgewirkt haben. 

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Trotz alter Grafik, ein schöner Stil

Technisch könnte das Spiel aus der PlayStation 3 Ära oder älter zurückliegen. Die Figuren verharren in den Zwischensequenzen und darüber hinaus in ihrer festgelegten Positionen und wirken eher wie Puppen, als lebendige Charaktere. Trotzdem empfand ich den Stil des Spiels wunderschön. Während man außerhalb der Kämpfe in der Basis frei herumlaufen und mit den zahlreichen Charakteren reden kann, finden die Schlachten auf einem Diorama-ähnlichem Brett statt. Auch die zahlreichen Effekte im Kampf tragen dazu bei, dass man über die veraltete Technik hinwegsehen könnte. 

Die taktischen Gefechte laufen alle in Echtzeit ab. Vor den Gefechten können wir vier aktive Kämpfer wählen, die wir über das Diorama-Feld frei manövrieren und Befehle erteilen. Zwischendrin können wir jedoch immer wieder auf Pause drücken, um uns einen besseren Überblick verschaffen zu können und vielleicht einen neuen taktischen Ansatz wählen. Darüber hinaus werden im Laufe des Gefechts, die höchstens 10-15 Minuten benötigen, immer wieder Checkpoints erstellt, sodass ihr im Falle des Scheiterns nicht komplett von neu beginnen müsst. Hierdurch werden Fehler nicht so schmerzlich bestraft, wie bei anderen Genrevertretern. 

Jeder Held verfügt über spezielle Angriffstechniken, die wir im Kampf per Knopfdruck auswählen und einsetzen können. Diese verbrauchen eine Art Mana-Balken, der jedoch mithilfe von Tränken oder von besiegten Gegnern fallen gelassene Orbs wieder aufgefüllt werden kann. Der Einsatz dieser Spezialangriffe erinnert stark an andere JRPGs wie Final Fantasy, Dragon Quest und ähnliche. Zudem füllt sich im Laufe der Schlacht mit jedem besiegten Feind ein Kristall auf, der es ermöglicht mächtige Gottwesen wie Bahamut, der verheerenden Schaden austeilen kann oder auch Goldhorn, der die Verbündeten heilt.  

An die zunächst fummelige Steuerung mit dem Controller hab zumindest ich mich nach einiger Zeit gewöhnt, doch vor allem die Auswahl von einzelnen oder Paaren gestaltet sich durchweg als schwierig. Per Knopfdruck lassen sich direkt alle Helden auswählen, doch wenn ich nur zwei davon haben will, dann wird es extrem fummelig. So lässt sich ein immer größer werdender Kreis erstellen, der meine Auswahl darstellt. Dieser wird größer, je länger ich den Knopf festhalte. Stehen zu viele Charaktere zu nah beieinander, kann ich diese Art der Auswahl komplett vergessen und taktische Finesse fällt damit völlig flach. 

Typisch Rollenspiel

Wie in jedem Rollenspiel schalten wir im Laufe des Abenteuers zahlreiche neue Verbesserungsmöglichkeiten frei. In DioField Chronicles gibt es jede Menge davon. Zum einen Leveln unsere Charaktere nach jedem Einsatz auf und erhalten Fähigkeitspunkunkte. Die erwähnten Spezialangriffe, sind zunächst an eine bestimmte Waffe gekoppelt, doch im Fähigkeitsbaum eines Charakters lassen sich die Fähigkeiten auch permanent freischalten. Zudem gibt es eine Waffenschmiede, ein Laden, Boni, wenn die Gilde aufsteigt, vier Fähigkeitsbäume für die vier unterschiedlichen Klassen, weitere Upgrade-Mechaniken für Gottheiten und die Charaktere selbst.

Die Möglichkeiten sind derart zahlreich, dass die Gefechte viel zu leicht ausfallen. Dementsprechend eignet sich das Spiel vor allem auch für Strategie-Anfänger. Vor allem, weil es in den Schlachten an taktischer Finesse mangelt. Es gibt zum Beispiel keine Erhöhungen, woraus sich Vorteile ergeben könnten. Zudem sind die Missionen stets auf einem bestimmten Level-Niveau. Wer alle Nebenmissionen erfüllt, wird sogar für die Kampagne eindeutig zu mächtig und das Spiel bietet einem keine Herausforderung mehr. 

Überraschenderweise fällt auch die Story-Kampagne mit den sieben Kapiteln recht kurz aus. Wer es wirklich darauf anlegt, das Spiel zu 100 Prozent abschließen zu wollen, der wird das Ziel in knapp 25 Spielstunden locker erreichen können. Und da der Widerspielwert bedeutend gering ausfällt, ist auch die Preisgestaltung in meinen Augen etwas zu hoch gegriffen, doch das muss jeder für sich entscheiden. 

Zumindest stimmt der Soundtrack und die Atmosphäre. Dank den zwei Komponisten Ramin Djawadi und Brandon Campbell, die auch den Soundtrack zu der TV-Serie Game of Thrones beigesteuert haben, ist dieser in DioField mehr als gelungen. Leider kann ich das nicht von den Synchronsprechern behaupten. Diese klingen meist gelangweilt, wenn sie denn überhaupt zu Wort kommen, denn nicht alles wurde im Spiel vertont.

Fazit

The DioField Chronicle bietet vielerlei gute Ansätze, die jedoch oft im Sande verlaufen. Die Geschichte ist durchaus interessant, büßt aber direkt viel an Aufmerksamkeit ein, weil sie größtenteils in schicken Artworks präsentiert wird. Technisch reißt man auch nicht gerade Bäume aus. Vom Stil hat es mir zwar sehr gut gefallen, aber grafisch fühlt man sich in die PS3 Ära zurückversetzt. Auch fehlt es an taktischer Tiefe, wie sie bereits andere Genrevertreter nutzen. Es gibt keine Boni für Höhenunterschiede oder andere taktische Manöver. Die Umgebung ist sehr schön im Rahmen eines Dioramas gehalten, doch an Interaktionsmöglichkeiten oder gar dynamischen Events fehlt es komplett.

 Das Spiel bietet eine seichte taktische Komponente, die vor allem Neulingen im Genre gefallen wird. Der Schwierigkeitsgrad fällt auf allen drei möglichen Stufen zu gering aus, um Strategiefans auch nur annähernd zu begeistern. Wer jedoch schon lange nach einem Taktik-JRPG im Stil eines Final Fantasy gesucht hat, der wird mit “The DioField Chronicle” mit Sicherheit auf seine Kosten kommen. Auch wenn der Umfang ziemlich gering ausfällt. Ich hatte trotz Defizite meinen Spaß am Titel, vor allem die zahlreichen Upgrade-Mechaniken haben mich immer wieder motiviert auch die Nebenmissionen zu absolvieren. Ich vergebe

6 von 10 Punkte