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Last Epoch im Test (PC) – Hier kann Blizzard noch was lernen!

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Das Spiel “Last Epoch” hat eine interessante Entwicklungsreise hinter sich. Seit fünf Jahren befand es sich im Early Access, aber nun ist endlich die Version 1.0 für den PC via Steam veröffentlicht worden. Obwohl dies die offizielle Endversion ist, wird weiterhin am Spiel gearbeitet. Im Laufe des Jahres sollen nicht nur weitere Inhalte folgen, sondern auch Versionen für die PlayStation 5 und die Xbox Series. Wir haben uns das vielversprechende Action-Rollenspiel vom Indie Entwickler Eleventh Hour Games angesehen und verraten euch in diesem Test, ob sich ein Kauf lohnt. 

Eine epochale Reise

Ich würde euch an dieser Stelle ja gerne die Story zum Spiel liefern, aber ehrlicherweise bin ich dabei schnell ausgestiegen. Mich konnten weder die starren Zwischensequenzen noch die unzähligen Dialoge wirklich fesseln. Ich kann euch nur so viel sagen: “In der Welt von Eterra begegnet man dunklen Imperien, zornigen Göttern und unberührten Wildnisgebieten – alles, um einen Weg zu finden, Eterra und die Zeit selbst vor dem Nichts (The Void) zu retten.” Und um es noch kürzer auszudrücken: Ihr reist durch die Zeit und vermöbelt dabei unzählige Feinde! 

Und genau darum geht es doch in einem Hack & Slay. Wir flüchten uns uns in eine Welt, in der wir unsere Allmachtsfantasien ausleben können. Während man zu Beginn noch recht überschaubare Fähigkeiten hat, entwickelt man sich im Verlauf des Abenteuers zu einem mächtigen Helden, der sich sogar mit Göttern misst. Dank der wunderschönen Grafik sieht das in Last Epoch auch noch verdammt gut aus und das Effektgewitter, muss sich nicht einmal vor Größen wie Diablo verstecken. 

Darüber hinaus hat das Zeitreisen noch einen besonderen Kniff, denn durch die Epochen hindurch verändert sich die Spielwelt merklich und auch die Gegnertypen unterscheiden sich in jeder Zeit. Das hat zwar keine Auswirkungen auf das Gameplay, ist aber extrem Abwechslungsreich. Insgesamt konnte mich die Spielwelt voll begeistern. Sie ist vielfältig, indem sie uns durch verlassene Städte, Steppen, Eislandschaften und Wälder führt und natürlich dürfen die üblichen Verliese, Kanäle und Festungen ebenfalls nicht fehlen. Die Stimmung variiert optisch zwischen knallbunt und düster; Ich fand beide Varianten, sowohl die Zwischentöne als auch die Farben, absolut stimmig. 

Die Spielwelt ist nicht offen, sondern ähnlich wie in Path of Exile von einem Abschnitt zum nächsten eingeteilt. Auf einer übersichtlichen Karte kann man seinen aktuellen Standort jederzeit feststellen. 

Eine Klasse für sich

Das absolute Highlight des Spiels ist jedoch das Klassensystem und das dazugehörige Fortschrittssystem. In Last Epoch könnt ihr euch für eine von fünf Klassen entscheiden und jede Klasse verfügt zusätzlich über drei individuelle Unterklassen, die sich alle komplett anders spielen lassen. Die ersten 20 Fertigkeitspunkte müsst ihr noch die Hauptklasse investieren, jede weitere Punkt kann dann in einen komplett neuen Skilltree investiert werden, um euch zu spezialisieren. Beispielsweise entwickelt sich der Primalist zu einem Tiermeister, einem Schamanen oder einem Druiden. Ihr könnt auch Punkte in die beiden abgelehnten Spezialisierungen verteilen, jedoch ist das nicht Ratsam, da ihr das volle Potenzial der Unterklasse nicht ausschöpfen könnt. Hierdurch ergeben sich bereits eine Menge Spielstile, die es Wert sind ausprobiert zu werden. 

Darüber hinaus bietet Last Epoch eine weitere Besonderheit im Hinblick auf die Fähigkeiten. So besitzen alle erlernten Fähigkeiten nochmal eigenständige Skilltrees. Im Verlauf des Abenteuers schaltet ihr insgesamt fünf Slots frei, in denen ihr eure Lieblingsattacken weiter ausbauen und verbessern könnt. Die jeweiligen Fähigkeiten leveln, sobald sie ausgerüstet sind, fortan eigenständig mit und ihr braucht nur noch die erworbenen Punkte zu verteilen. Dieses System eröffnet einem eine Vielzahl von Build-Optionen. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht mit den unterschiedlichen Fähigkeiten zu experimentieren, um so meinen ganz individuellen Kampfstil anzueignen. 

Das Klassensystem in der Übersicht:

  1. Charakterentwicklung:
    • Nachdem ihr euch für einen der fünf Startcharaktere entschieden habt, investiert ihr eure verdienten Fertigkeitspunkte in den Klassen-Skilltree.
    • Sobald ihr 20 Punkte erreicht habt, müsst ihr euch zusätzlich für eine Meisterschaft entscheiden. Diese spezialisiert euren Charakter weiter. 
    • Ihr könnt auch Punkte in die beiden verschmähten Spezialisierungen verteilen. Beachtet jedoch, dass sich diese Talentbäume halbieren.
  2. Fertigkeiten und Skilltrees:
    • Jede erlernte Fertigkeit hat ihren eigenen Skilltree.
    • Im Verlauf des Levelprozesses könnt ihr bis zu fünf eurer Klassen- und Meisterschaftsfähigkeiten „sockeln“.
    • Die gesockelten Fertigkeiten, die ihr regelmäßig benutzt, steigen mit euch in der Erfahrungsstufe.
    • Die dadurch erhaltenen Punkte investiert ihr anschließend in die Talentbäume der jeweiligen Fertigkeit.
  3. Build-Variationen:
    • Durch dieses System ergeben sich unzählige Build-Variationen.
    • Bereits in der Levelphase könnt ihr verschiedene Möglichkeiten ausprobieren und Spaß daran haben, die einzelnen Fähigkeiten und ihre Talentbäume zu erkunden.

Wenn ihr also auf der Suche nach einem vielseitigen und individuellen Spielerlebnis seid, bietet Last Epoch mit seinem einzigartigen Fertigkeits- und Skilltree-System viele spannende Optionen! 

Viel Action, wenig Wumms!

Die Kämpfe sehen großartig aus, jedoch mangelt es mir meiner Meinung nach noch nach dem passenden Gefühl der Wucht. Viele Attacken bringen zwar die Kamera zum wackeln und die Feinde reagieren passend dazu, doch fühlt es sich oft danach an, als würden die Charaktere einfach durch die Luft wirbeln.  Nichtdestotrotz entwickelt das Spiel in seinen besten Momenten einen angenehmen Flow. Doch es gibt auch Schattenseiten.

Der Kampagne mangelt es meiner Meinung nach an Höhepunkten wie aufregenden Bosskämpfen oder Events. Ich finde mich oft in der Routine wieder, von Questmarker zu Questmarker zu laufen und immer wider durch ein Portal zur Stadt reisen, um das Inventar zu leeren, ohne wirkliche Abwechslung. Eine Herausforderung wurde mir ebenfalls nicht spürbar geboten.

 

 

Zwar bin ich auch ab und zu gestorben, doch auch nur weil ich verpasst hatte bei einigen Attacken rechtzeitig auszuweichen. Etwas nervig empfand ich das Respwanen aller Gegner, wenn ich nach meiner Stadttour durchs Portal zurückkehrte. Während die kleinen Mobs kein Problem darstellten, mussten auch bereits erledigte Bosse komplett von Neu erledigt werden, selbst wenn sogar noch deren Loot drum herum verstreut lag. Ich halte diese Spielverhalten für einen Bug und hoffe, dass dieser bald beseitigt wird, ansonsten solltet ihr vor einem Boss eurer Inventar leeren. 

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Item-Vielfalt. Die Gegenstände fühlen sich nicht wirklich wie Verbesserungen für meinen Charakter an. Gelegentlich habe ich aus Spaß am Crafting-System Zeit damit verbracht, meine Items aufzuwerten, aber ich bezweifle, dass dies in der Kampagne unbedingt notwendig war. Ich hätte mir gewünscht, dass Last Epoch mir mehr spannende Items und vor allem eine größere Vielfalt auch im Design beschert hätte. 

Tja, zum Endgame kann ich euch tatsächlich nichts sagen, da ich nach knapp 40 Spielstunden immer noch mit den unterschiedlichen Klassen und deren Unterklassen beschäftigt bin. Zumindest kann ich euch sagen, dass diese sich tatsächlich alle unterschiedlich spielen und dank dem Fortschrittssystem spannend und vielfältig ausgebaut werden können.

Hier kann sich Blizzard locker ein Scheibchen abschneiden. Leider bietet man jedoch keinen Charaktereditor an und dank der spärlichen Item-Vielfalt wird einem auf dieser Ebene nur wenig individualisierungsmöglichkeiten geboten. So werdet ihr auf den Servern oftmals gleich aussehenden Helden über den Weg laufen. Wenn die Server denn endlich vernünftig laufen. Zum Launch war das Online Spielen gar nicht möglich, denn die Server sind zusammengebrochen. 

Zum Glück bietet uns Last Epoch auch einen Offline Modus an, doch leider sind dann die Charaktere von einander getrennt. Fangt ihr ein Offline Spiel an und entscheidet ihr euch später Online weiterzumachen, dann müsst ihr komplett von Neu anfangen. Zum Endgame kann ich euch sagen, dass es viele unterschiedliche Aufgaben zu erledigen gibt. So könnt ihr euch zum Beispiel die Zeit im Haupt-Endspiel-System, dem sogenannten “Monolith des Schicksals” behaupten. Nach Abschluss der Kampagne verschlägt es euch an diesen Ort, wo ihr ein verzweigtes Kartensystem kennen lernt, gezielt Belohnungen einheimst, Bosse unter besonderen Modifikatoren und Schwierigkeitsskalierungen besiegen müsst.

Darüber hinaus könnt ihr euch auch in Dungeons begeben, die euch herausfordernde Kämpfe und großartige Beute versprechen. Je stärker die Feinde ausfallen, desto besser soll der Loot ausfallen. Dungeons bieten euch eine großartige Möglichkeit, die Ausrüstung zu verbessern und sich auf härtere Herausforderungen vorzubereiten. Zudem kann man sich auch in den Arenen einer endlosen Horde an Feinden stellen. Man bekämpft hier Welle für Welle, bis man sich entweder zurückzieht oder stirbt. Der Fortschritt wird auf den Bestenlisten verfolgt, damit man sich mit anderen Spielern messen kann.

Fazit

In den ersten Spielstunden konnte mich Last Epoch nicht wirklich abholen. Dafür waren mir die Kämpfe nicht wuchtig genug und auch die Inszenierung der Story war alles andere als Spannend. Dennoch fand ich die Grafik recht hübsch und mich interessierte vor allem das Fortschrittssystem, welches mich zum Schluss restlos begeistern konnte. Die Klassenfertigkeiten und das Skillsystem sind großartig umgesetzt und es macht einfach Spaß zu experimentieren, um so seinen ganz individuellen Spielstil zu finden. Zudem hat mir die abwechslungsreiche Spielwelt gefallen mit ihren unterschiedlichen Zeitepochen und der Gegnervielfalt. Leider fällt das Loot-System alles andere als spannend aus und es fehlte mir hier an Abwechslung. Auch einen Charakter-Editor wurde in meinen Augen schmerzlich vermisst.

Darüber hinaus muss ich zugeben, dass mit zunehmender Spielzeit der Spielablauf etwas eintönig wurde. Mir fehlt es einfach an Abwechslung und Highlights in den einzelnen Abschnitten. Somit war mein Abenteuer in Last Epoch ein ständiges auf und ab der Gefühle. Während mir die Charakterentwicklung durchaus Spaß bereitet hat, schlich sich schnell eine routinierte Spielweise ein. Questmarker, ablaufen und Loot verscherbeln. Da der Loot wenig belohnen ausfällt, lohnte sich auch nie ein Umweg oder weitere Erkundung der Spielwelt.

Obwohl ich so einige Kritikpunkte habe, denke ich, dass Last Epoch das perfekte Hack-and-Slay für Fans des Genres ist, die von Diablo 4 enttäuscht sind, aber denen Patch of Exile zu kompliziert ist. Den Preis von 33,99 Euro halte ich für völlig angemessen und vergebe: 

7.5 von 10 Punkte