News Ticker

Killing Floor 3 (PS5) im Test – Koop-Action mit Blut, Stahl und Abnutzungserscheinungen

Die „Killing Floor“-Reihe zählt seit Jahren zu den festen Größen im Genre der Koop-Shooter. Fans wissen, was sie bekommen: Adrenalingeladene Feuergefechte gegen groteske Mutanten, taktisches Teamplay und eine ordentliche Portion Splatter. Mit Killing Floor 3 verspricht Entwickler Tripwire Interactive, die Serie ins moderne Zeitalter zu heben – mit neuer Technik, intensiverem Gore und mehr taktischen Möglichkeiten. Doch gelingt dieser Sprung? Ich habe den Titel auf der PlayStation 5 getestet und verrate, ob das Spiel mehr ist als nur ein weiterer Zombie-Slasher im neuen Gewand.

Eine Welt, die zum Hintergrund verkommt

Killing Floor 3 spielt im Jahr 2091, einer düsteren Zukunft, in der die skrupellose Megacorporation Horzine durch genetische Experimente Horden mutierter Kreaturen – sogenannte „Zeds“ – erschaffen hat. Als Teil der Widerstandsgruppe „Nightfall“ kämpfst du dich durch Forschungslabore, zerstörte Städte und verseuchte Industrieanlagen, um die drohende Apokalypse aufzuhalten. Was vielversprechend klingt, entpuppt sich in der Praxis allerdings als bloße Kulisse. Die Handlung wird lediglich in kurzen Ingame-Dialogen oder spärlich eingesetzten Cutscenes angedeutet, ohne echte Tiefe oder emotionale Verankerung. Wer eine mitreißende Geschichte erwartet, wird enttäuscht – doch das dürfte für Fans der Reihe kein allzu großes Problem sein. Denn Killing Floor 3 will kein Story-Shooter sein – es geht um Action, Blut und Teamarbeit.

Klassisches Gameplay mit modernen Elementen

Das Herzstück des Spiels bleibt das altbewährte Wellenprinzip. Zusammen mit bis zu fünf Mitspielern kämpfst du gegen immer stärkere Gegnerwellen, verdienst Geld, rüstest dich in kurzen Pausen aus und bereitest dich auf die nächste Angriffswelle vor. Neu im dritten Teil sind die sogenannten „Assignments“ – kleine Zwischenziele, etwa das Verteidigen von Arealen oder das Aktivieren von Konsolen. Diese Aufgaben bringen Abwechslung in den sonst recht gleichförmigen Ablauf, auch wenn sie das Grundprinzip nicht grundlegend verändern.

Leider haben diese Aufgaben ein Verfallsdatum, denn sie sind Teil der spärlich präsentierten Story. Ist diese aus erzählt (nach knapp 3-4 Stunden), enden auch die „Assignments“ und es bleiben nur noch die Gegnerwellen. Das ist äußerst bedauerlich, da die Abwechslung absolute Mangelware ist. Durch die Aufgaben hatte man zumindest kurzweilig das Gefühl mehr erleben zu können als nur stumpf Gegnerwellen zu beseitigen.

Zudem werden die „Assignments“ nicht innerhalb der Gruppe geteilt. je nachdem in welchem Story abschnitt sich der jeweilige Spieler befindet, bekommt er andere Aufgaben zugewiesen, als das restliche Team. Das ist total kontraproduktiv und verleitet die Spieler dazu sich aufzuteilen, was schnell in der Niederlage enden kann.

Ein deutliches Upgrade gegenüber den Vorgängern ist das neue Bewegungs- und Leveldesign. Du kannst nun klettern, rutschen und dich durch vertikal angelegte Maps manövrieren, was das Gameplay deutlich dynamischer macht. Gerade in hektischen Situationen mit vielen Zeds hilft das neue Movement-System dabei, taktisch zu agieren oder sich im letzten Moment in Sicherheit zu bringen.

Die spielbaren Klassen – in Killing Floor 3 als „Specialists“ bezeichnet – bringen ebenfalls frischen Wind ins Teamplay. Sechs davon sind aktuell verfügbar, darunter der Medic mit Heilfähigkeiten oder der Ninja, der auf Nahkampf setzt. Jede Klasse bringt spezielle Perks und eine sogenannte „Perk-Waffe“ mit, die besonders effektiv ist und zusätzliche Erfahrungspunkte liefert. Im späteren Spielverlauf kannst du deinen Charakter gezielt verbessern und deine Rolle im Team stärker definieren – ein klarer Fortschritt gegenüber den teils chaotischen Gefechten früherer Serienteile.

Ein Highlight ist das neue Waffenmod-System: Während eines Matches lassen sich Waffen über Workbenches mit verschiedenen Effekten ausrüsten – etwa mit Brandmunition oder zielgenaueren Läufen. Das lädt zum Experimentieren ein und verstärkt den taktischen Aspekt.

Doch trotz dieser sinnvollen Neuerungen hat das Gameplay mit altbekannten Schwächen zu kämpfen. Viele Waffen, insbesondere Pistolen oder leichte Maschinengewehre, fühlen sich schwach und „leicht“ an – es fehlt das wuchtige Feedback, das beispielsweise ein DOOM Eternal so großartig macht. Besonders enttäuschend ist der Nahkampf: Im Vergleich zu einem Spiel wie Warhammer 40,000: Darktide wirken Schläge mit Schwertern oder Messern in Killing Floor 3 fast körperlos. Es fehlt an Gewicht, an Trefferfeedback – und damit auch an Reiz.

Technik: Gut, aber nicht überragend

Technisch macht Killing Floor 3 auf der PS5 zunächst einen soliden Eindruck. Die Framerate bleibt durchgehend stabil bei 60 Bildern pro Sekunde, auch in intensiven Momenten mit vielen Gegnern und Effekten. Die Ladezeiten sind kurz, Menüs reagieren schnell, und Abstürze oder gravierende Bugs habe ich während meines Tests nicht erlebt. Hier zahlt sich der Einsatz der Unreal Engine 5 aus, zumindest in puncto Performance.

Visuell bewegt sich der Titel jedoch im Mittelfeld. Zwar sorgt die Lumen-Beleuchtung für stimmige Lichtverhältnisse, und das berüchtigte „M.E.A.T.-System“ beeindruckt mit detaillierten Zerstückelungseffekten – doch bei näherem Hinsehen wirken viele Texturen matschig, Umgebungen wenig detailliert, und Animationen teils hölzern. Vergleicht man das Spiel mit Titeln wie Dead Island 2 oder Call of Duty: Modern Warfare II, fehlt der grafische Feinschliff, der für ein echtes Next-Gen-Erlebnis sorgen würde.

Ein besonderes Stilmittel bleibt die „Zed-Time“: Wird eine bestimmte Anzahl von Gegnern innerhalb kurzer Zeit ausgeschaltet, verlangsamt sich das Spielgeschehen dramatisch – Kugeln fliegen in Zeitlupe, Bluteffekte werden hervorgehoben. Diese Sequenzen sorgen für cineastische Momente, auch wenn sie visuell nicht jedermanns Geschmack treffen.

Akustik mit Licht und Schatten

Die Soundkulisse ist insgesamt solide. Waffen klingen meist realistisch, Umgebungsgeräusche wie metallisches Kratzen oder das Stöhnen der Zeds erzeugen eine passende Horroratmosphäre. Die englische Sprachausgabe ist rau, aber stimmig – allerdings mit reichlich Schimpfwörtern, was nicht jedem gefallen dürfte. Negativ fällt der Soundtrack auf: Während Genre-Kollegen wie DOOM Eternal mit treibenden Metal-Riffs die Action untermalen, bleibt Killing Floor 3 musikalisch eher blass. Ein wirklich mitreißender Score fehlt völlig – ein verpasstes Potenzial.

Bosskämpfe, Progression und Wiederspielwert

Am Ende jeder Runde wartet ein Bosskampf. Diese sind gut inszeniert und verlangen echte Teamkoordination, da die Bosse in mehreren Phasen agieren und spezielle Angriffe einsetzen. Doch auch hier zeigt sich ein Problem des Spiels: Zum Launch gibt es lediglich drei verschiedene Bossgegner – das reicht nicht aus, um langfristig zu motivieren. Besonders ärgerlich ist, wenn man immer wieder denselben Bossgegner vorgesetzt bekommt. Auf welchen Boss ihr am Ende trefft ist nämlich zufallsgeneriert. So passierte es, dass ich in drei aufeinanderfolgenden Level immer wieder denselben Boss bekämpfen musste und das nagt extrem an der Motivation und Abwechslung.

Gleiches gilt für die Progression. Zwar bietet das Spiel ein Perk-System mit freischaltbaren Fähigkeiten und Upgrades, doch das Grinden dauert lang, und der Weg dorthin ist inhaltlich dünn: acht Maps, sechs Klassen, drei Bosse – das ist zu wenig für einen Preis von 40 Euro.

Solo-Spieler bekommen immerhin skalierende Gegnerzahlen, was theoretisch das Spielen ohne Freunde ermöglicht.

Fazit

Killing Floor 3 liefert das, was man von der Serie erwartet – und das in modernerer, hübscher verpackter Form. Das Spielprinzip funktioniert, das Teamplay macht Spaß, und das neue Waffenmod- sowie Bewegungssystem bringen willkommene Frische. Doch gleichzeitig ist der Titel zum Start spürbar eingeschränkt: zu wenig Inhalte, zu wenig Feinschliff, zu viel altbekannte Kritik.

Wer sich auf schnelle Action mit Freunden, eine ordentliche Portion Blut und Chaos einlässt, wird sicherlich ein paar spaßige Abende erleben. Wer jedoch auf Story, Langzeitmotivation oder echten spielerischen Tiefgang hofft, wird sich bald unterfordert fühlen.

Tripwire Interactive hat bereits angekündigt, das Spiel bis 2026 mit neuen Inhalten zu versorgen – darunter weitere Maps, Bosse und Spielmodi. Aktuell aber bleibt Killing Floor 3 ein technisch solides, spielerisch aber unvollständiges Erlebnis, das viel Potenzial zeigt, dieses aber nur zum Teil ausschöpft.

Pro:

  • Brutal inszenierte, viszerale Koop‑Action mit dem M.E.A.T.‑Effekt
  • Flüssige Bewegung (Sliden, Klettern, vertical maps)
  • Waffenmod‑System fördert Flexibilität & Experimentiergeist
  • Crossplay‑Support, stabile Grundmechanik

Kontra:

  • Startinhalt eher knapp (Maps, Bosse, Solo‑Missionen)
  • Schiedsrichterartig stärke / schwache Klassen
  • Waffengefühl manchmal schwach, Nahkampf ohne Feedback
  • Performanceprobleme auf Konsole trotz Patch
  • Weniger Persönlichkeit, kein Serverbrowser, kein UI‑Chat

Wertung: 5/10

⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆☆☆

Über Egor Sommer 1508 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
Kontakt: Webseite

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*