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Shadow Labyrinth im Test (PS5) – Pac-Man wagt den Sprung ins Metroidvania

Seit seiner Geburt als „Puck Man“ am 22. Mai 1980 hat die gefräßige gelbe Kugel namens Pac-Man Generationen von Spielern in ihren Bann gezogen. Die labyrinthartige Draufsicht der Arcade-Klassiker ist Kult, doch Bandai Namco hat über die Jahrzehnte immer wieder versucht, die Reihe frisch zu halten – mit teils durchwachsenem Erfolg. Als eingefleischter Fan des Metroidvania-Genres stehe ich Shadow Labyrinth skeptisch, aber neugierig gegenüber: Kann dieser mutige Genrewechsel, der Pac-Man in ein düsteres 2D-Action-Abenteuer katapultiert, wirklich überzeugen? Shadow Labyrinth verspricht, die Essenz des Klassikers mit frischen Ideen zu vereinen. Ob das gelingt, habe ich für euch getestet.

Im Schatten des Labyrinths – eine Geschichte voller Geheimnisse

Die Geschichte von Shadow Labyrinth beginnt mit einer Katastrophe: Unser Raumschiff wird angegriffen, und wir, als Schwertkämpfer Nummer 8, werden von einer mysteriösen Kugel namens PUCK (eine Anspielung auf den japanischen Originalnamen „Puckman“) in einer dystopischen Sci-Fi-Welt erweckt. Die Handlung ist eng mit der Amazon-Prime-Serie Secret Level verknüpft, insbesondere der Episode „PAC-MAN: Labyrinth“, die als Prequel dient. Diese liefert wichtiges Hintergrundwissen, ist aber nicht zwingend notwendig, um das Spiel zu genießen.

Zu Beginn wirft das Spiel den Spieler ohne große Erklärungen ins kalte Wasser, was zunächst verwirrend wirkt. Die Story entfaltet sich langsam, mit kryptischen Dialogen und Log-Einträgen, die nach und nach Licht ins Dunkel bringen. PUCK verfolgt ein eigenes, zunächst undurchsichtiges Ziel, während wir als Schwertkämpfer durch eine zerstörte Welt navigieren, die Teil des United Galaxy Space Force (UGSF)-Universums von Bandai Namco ist. Dieses verbindet Shadow Labyrinth mit Klassikern wie Galaga oder Mr. Driller. Die Handlung wird im späteren Verlauf spannender, bleibt aber komplex und erfordert Geduld. Für Fans von narrativen Abenteuern ist dies ein Pluspunkt, doch Gelegenheitsspieler könnten sich überfordert fühlen.

Zwischen Frust und Faszination – das Erkunden eines verworrenen Universums

Shadow Labyrinth ist ein Metroidvania, das Erkundung, Kämpfe und Rätsel vereint, aber nicht immer überzeugt. Als Schwertkämpfer Nummer 8 starten wir mit einem Schwert und einem Handschuh, der es erlaubt, an Wänden zu klettern. Neue Fähigkeiten wie Doppelsprung, Luft-Dash oder Greifhaken schalten nach und nach weitere Bereiche der Spielwelt frei. Das Leveldesign ist durchdacht, aber oft überambitioniert: Die labyrinthartigen Wege sind teils viel zu weitläufig, und zahlreiche Sackgassen, die nur mit der richtigen Fähigkeit passierbar sind, sorgen für Frust. Besonders ärgerlich ist, dass die Erkundung nur selten belohnt wird. Statt nützlicher Gegenstände wie Lebenstränke findet man meist Log-Einträge, die für Spieler, die von der komplexen Story nicht gefesselt sind, wenig Anreiz bieten, da sie sich oft nicht die Mühe machen, diese zu lesen.

Die Integration von Pac-Man-Elementen ist ein Highlight: In PUCK verwandelt, navigieren Spieler auf „D-Lines“ – violetten Stromwegen, die an klassische Pac-Man-Labyrinthe erinnern, aber mit modernen Mechaniken wie Zielen und Springen. Diese Abschnitte sind nostalgisch, doch die Steuerung ist nicht immer präzise, was den Spielspaß mindert. Die Kämpfe starten eintönig, gewinnen aber durch neue Angriffe und die Transformation in den immunen Mech GAIA an Abwechslung. Die Bosskämpfe, wie der von Pac-Mans Geist Blinky inspirierte „Ultra Instinct“-Boss, sind herausfordernd, aber durch knifflige Hitboxen und den hohen Schwierigkeitsgrad oft frustrierend.

Abseits der düsteren Metroidvania-Welt bietet Shadow Labyrinth nostalgische Rückblicke auf die klassischen Pac-Man-Labyrinthe. In speziellen Levelabschnitten schlüpft der Spieler in die Rolle von PUCK, der sich durch Labyrinthe bewegt, um Geister zu fressen und innerhalb eines Zeitlimits von fünf Minuten so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Diese Abschnitte erinnern an die Arcade-Klassiker und bringen den klassischen Spielspaß zurück.

Die Labyrinthe sind mehrstufig aufgebaut, wobei PUCK oft mehrere Ebenen überwinden muss, um am Ende einen Bossgeist zu besiegen. Diese Bosskämpfe sind herausfordernd und erfordern präzises Timing und strategisches Vorgehen. Ein Beispiel ist der „Ultra Instinct“-Boss, inspiriert von Pac-Mans Geist Blinky, der besonders anspruchsvoll ist und die Fähigkeiten des Spielers auf die Probe stellt.

Für besonders geschickte Spieler, die hohe Punktzahlen erzielen, schaltet das Spiel verschiedene Extras frei, die das Abenteuer erleichtern können. Dazu gehören unter anderem:

  • ESP-Sword Level 1: Ein verbessertes Schwert, das stärkere Angriffe ermöglicht und die Kämpfe effizienter gestaltet.
  • Zusätzliche Heiltränke: Erhöhen die Überlebensfähigkeit, indem sie mehr Heilung bieten.

Diese Belohnungen motivieren nicht nur zur Wiederholung der Labyrinth-Level, sondern bieten auch strategische Vorteile für die Erkundung der düsteren Welt von Shadow Labyrinth.

Die langen Wege, Sackgassen und der anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad machen die Erkundung der Welt stellenweise zermürbend, was den Spielspaß erheblich beeinträchtigt – ein Punkt, der besonders für Metroidvania-Fans enttäuschend ist, die auf lohnende Erkundung angewiesen sind.

Wenn Schatten zur Last werden – visuelle Enttäuschung und technische Stolpersteine

Die Atmosphäre von Shadow Labyrinth bricht radikal mit der bunten Pac-Man-Tradition und präsentiert eine düstere, gotische Sci-Fi-Welt voller Kriegsschauplätze. Leider bleibt die Präsentation hinter den Erwartungen zurück. Der handgezeichnete Grafikstil wirkt, als wäre das Spiel in einer Konzeptphase steckengeblieben: Hintergründe und Sprites sehen aus wie grobe Skizzen, ohne die Detailtiefe oder Lebendigkeit moderner Metroidvanias. Im Vergleich zu Titeln wie dem neuesten Prince of Persia, das mit beeindruckenden Effekten und Inszenierung glänzt, wirkt Shadow Labyrinth veraltet und uninspiriert.

Die Animationen sind steif und unsauber, was besonders bei Bewegungen von Schwertkämpfer Nummer 8 auffällt. Obwohl die Steuerung grundsätzlich präzise ist, gibt es Probleme beim Festhalten an Kanten oder beim Klettern an Wänden, selbst an Stellen, wo es möglich sein sollte. Diese technischen Mängel wirken, als wären sie unsauber programmiert, und verstärken den Frust, besonders in Kombination mit dem anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad. Ein Tag-Nacht-Zyklus sorgt für etwas Abwechslung, und das Spiel läuft technisch stabil, auch auf älteren PCs, doch die visuelle Präsentation bleibt ein Schwachpunkt.

Stille in der Dunkelheit – Sound, der nicht ganz zündet

Der Soundtrack ist unauffällig und bleibt im Hintergrund. Angesichts der düsteren Atmosphäre hätte ein markanterer Score, wie etwa bei Super Metroid, die Immersion deutlich steigern können. Die klassischen Pac-Man-Soundeffekte, die als Vorbesteller-Bonus verfügbar sind, sorgen für Nostalgie, können aber das Fehlen eines mitreißenden Soundtracks nicht ausgleichen.

Herausforderung pur – für wen das Labyrinth wirklich ist

Shadow Labyrinth ist kein leichtes Spiel. Die Bosskämpfe und Plattform-Passagen erfordern Präzision und Geduld, und kleinste Fehler werden hart bestraft. Speicherpunkte sind fair verteilt, verhindern aber nicht, dass das Spiel für Gelegenheitsspieler frustrierend sein kann. Genre-Puristen werden die Herausforderung schätzen, während Neulinge sich überfordert fühlen könnten.

Fazit

Shadow Labyrinth ist ein mutiges Experiment, das Pac-Man erfolgreich in ein düsteres Metroidvania-Abenteuer verwandelt. Die Integration von Pac-Man-Elementen ist clever, und die Geschichte gewinnt mit der Zeit an Tiefe. Dennoch bleibt das Spiel in seiner Präsentation etwas steril, und der hohe Schwierigkeitsgrad sowie der langsame Einstieg könnten Gelegenheitsspieler abschrecken. Für Fans von Metroidvanias und Pac-Man-Enthusiasten ist es dennoch eine lohnende Erfahrung, die zeigt, wie viel Potenzial in einem ungewöhnlichen Crossover steckt.

Pro:

  • Mutiger und gelungener Genrewechsel mit Metroidvania-Elementen
  • Nostalgische Pac-Man-Labyrinthe als spaßiges Bonusfeature
  • Herausfordernde Bosskämpfe mit abwechslungsreichen Gegnern
  • Tiefgründige, komplexe Story mit Verknüpfung zur Amazon-Prime-Serie
  • Belohnungssystem motiviert zur Wiederholung und verbessert Gameplay
  • Technisch stabil und läuft auch auf älteren Systemen

Kontra:

  • Überambitioniertes Leveldesign mit vielen Sackgassen und langen Wegen
  • Oft frustrierende Erkundung ohne lohnende Belohnungen
  • Veraltete und grobe Grafik mit steifen Animationen
  • Steuerungsprobleme bei Klettern und Plattforming
  • Uninspirierter, zurückhaltender Soundtrack
  • Hoher Schwierigkeitsgrad schreckt Gelegenheitsspieler ab
  • Story und Spielmechanik wirken stellenweise zu komplex und undurchsichtig

Gesamtwertung: 6/10

⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆☆

Über Egor Sommer 1596 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
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