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Forgive me Father 2 im Test (PS5)

Release: 23. September 2025 Plattformen: PlayStation 5, Xbox Series X|S (Nintendo Switch folgt später) Entwickler: Byte Barrel Publisher: Fulqrum Publishing Genre: Retro-FPS / Boomer Shooter

Als Kind der 90er-Jahre habe ich unzählige Stunden in den pixellastigen, rasanten Welten von Doom, Duke Nukem und Quake verbracht. Diese Ära der kompromisslosen Ego-Shooter hat meinen Spielgeschmack nachhaltig geprägt. Als ich die Chance bekam, Forgive Me Father 2 auf der PlayStation 5 zu testen, war ich sofort von der Aussicht begeistert, diesen Geist auf der modernen Konsole wiederzufinden. Und ich kann vorwegnehmen: Das Spiel von Byte Barrel und Fulqrum Publishing hat meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern in vielerlei Hinsicht übertroffen. Es ist ein actiongeladenes, groteskes und vor allem ehrliches Spiel, das sich bewusst von den heutigen AAA-Produktionen abhebt und den Spieler mit einem explosiven Cocktail aus Wahnsinn und Nostalgie verwöhnt.

Ein kompromissloser Ansatz

Das Spiel macht von der ersten Sekunde an klar, wohin die Reise geht: Es gibt keine langwierigen Tutorials, keine sanften Einführungen und keine unüberwindbaren Hürden. Man wird direkt in die Horden von Lovecraft’schen Monstern geworfen, mit der festen Anweisung: „Lauf und schieß!“. Das Gameplay ist extrem schnell und flüssig, die Bewegungsfreiheit ist enorm, und das Spiel belohnt aggressives Vorwärtsstürmen statt vorsichtigem Ducken hinter Deckungen. Dieser kompromisslose Ansatz ist das Herzstück von Forgive Me Father 2 und fühlt sich auf der PS5-Konsole erstaunlich gut an. Die Steuerung ist präzise, und die rasante Action macht sofort Spaß.

Die Level sind so konzipiert, dass sie den Spielfluss unterstützen, mit vielen offenen Arealen, die als blutgetränkte Arenen dienen, in denen Sie Dutzende von Feinden gleichzeitig ausschalten. Es gibt keine Karte und keine Questmarker, was die Erkundung und das Finden von Geheimnissen zu einem zentralen Bestandteil des Erlebnisses macht. Das Spiel vertraut darauf, dass Sie sich in den verwinkelten, aber logisch aufgebauten Umgebungen zurechtfinden, was erfrischend ist und an die Labyrinthe der Old-School-Shooter erinnert.

Das Arsenal des Schreckens

Was wäre ein guter Shooter ohne eine eindrucksvolle Waffensammlung? Forgive Me Father 2 enttäuscht hier keineswegs. Die Waffenvielfalt ist riesig und jede Knarre hat ihren ganz eigenen Charme und Zweck. Vom zuverlässigen Revolver über die bleihaltige Schrotflinte bis hin zu exotischen Waffen, die dem Wahnsinn entspringen – das Spiel bietet für jede Situation das passende Werkzeug. Die Waffen fühlen sich kraftvoll an, jede Kugel und jedes Schrotkorn hat Gewicht. Es ist ein wahres Fest, sich durch die Gegnerhorden zu ballern und zu sehen, wie sie in blutige Stücke zerrissen werden.

Was mir jedoch persönlich gefehlt hat, ist die Wuchtigkeit der Waffen. Während die visuellen Effekte und die blutigen Konsequenzen beeindruckend sind, fehlt es manchen Knarren an spürbarem Gewicht. Der DualSense-Controller der PS5 wird hier leider kaum ausgenutzt. Die Features wie haptisches Feedback und adaptive Trigger kommen kaum zur Geltung, was sehr schade ist, da sie das Gefühl der Immersion deutlich verstärken könnten.

Ein Waffen-Upgrade-System der anderen Art

Das Spiel punktet dafür mit einem ausgeklügelten System, das die Waffen in Kategorien einteilt. Man „upgraded“ die Waffen nicht im klassischen Sinne, sondern schaltet in jeder Kategorie (z. B. Pistole, Schrotflinte, Maschinengewehr) neue, völlig abstrakte und wahnsinnige Waffenarten frei. So finden sich in der Kategorie Pistole nicht nur der wuchtige Revolver und eine Pistole mit höherer Schussfrequenz, sondern auch eine Schrotpistole, die wie eine Mischung aus einem Herzen und einem Tintenfisch aussieht. Eine weitere Pistole feuert wie eine Uzi aus einer Kreatur an einer Schnur, was ein unvergesslicher Anblick ist. Diese Waffen sind so einzigartig, dass sie mit nichts zu vergleichen sind, was man aus anderen Shootern kennt. Vor jedem Level können Sie aus jedem Waffentyp eine Waffe wählen und so Ihren ganz eigenen Spielstil bestimmen.

Zudem gibt es noch zusätzliche Buffs und Skills. Sie können einen aktiven und zwei passive Skills ausrüsten, die durch das Abschließen kleiner Herausforderungen freigeschaltet werden (z. B. „Töte 200 Gegner mit der Pistole“). Die Schwierigkeit dieser Herausforderungen lässt sich zudem anpassen. Der aktive Skill taucht die Szenerie in eine Schwarz-Weiß-Kulisse, wo nur das Blut rot dargestellt wird. Das sieht nicht nur extrem stylisch aus, sondern kann Ihnen auch einen entscheidenden Vorteil verschaffen, indem Sie beispielsweise ausrüsten, dass Feinde Sie kaum noch treffen oder Sie deutlich mehr Schaden einstecken können. Passive Skills hingegen verbessern Ihre Heilung, Rüstung oder Munitionskapazität.

Eine Welt in Wahnsinn

Der vielleicht größte Pluspunkt von Forgive Me Father 2 ist seine unverwechselbare visuelle Identität. Das Spiel kombiniert ein 3D-Leveldesign mit einem handgezeichneten, an Comics erinnernden 2D-Art-Style für Charaktere, Feinde und Effekte. Das Ergebnis ist eine einzigartige und atemberaubende Ästhetik, die aussieht, als wäre sie direkt aus einer blutigen Graphic Novel entsprungen. Die Lovecraft’sche Welt ist erfüllt von einem Gefühl des kosmischen Horrors und des drohenden Wahnsinns. Die Umgebung ist düster und trostlos, aber immer wieder findet man Anzeichen von Schrecken und Wahnsinn.

Dieses Gefühl des Wahnsinns spiegelt sich auch im Gameplay wider. Die „Madness“-Mechanik, bekannt aus dem Vorgänger, ist zurück und lässt das Bild verrutschen und die Welt sich verzerrt darstellen, wenn der Wahnsinnslevel zu hoch ansteigt. Das ist nicht nur ein netter visueller Effekt, sondern hat auch Einfluss auf das Gameplay, denn durch den Wahnsinn lassen sich besondere Fähigkeiten wie Heilung oder erhöhte Rüstung freischalten. Sie werden also dazu ermutigt, sich mit dem Wahnsinn zu arrangieren, denn in vielen Momenten verschafft er Ihnen einen taktischen Vorteil.

Auch die Gegner sind dem Cthulhu-Mythos entlehnt und könnten direkt aus den kranken Hirnen eines H. P. Lovecraft entsprungen sein. Es ist faszinierend, die verschiedenen Kreaturen zu sehen und zu bekämpfen, von den einfachen Kultisten bis zu den monströsen, mehrarmigen Wesen mit Tentakeln und Scheren. Der Soundtrack mit seinen treibenden Metal-Riffs und dem harten Sound von E-Gitarren ist der perfekte Begleiter für die blutige Action. Er unterstreicht die gnadenlose Atmosphäre und sorgt dafür, dass Ihr Adrenalinspiegel konstant hoch bleibt.

Anpassbarer Schwierigkeitsgrad und Geheimnisse

Das Spiel bietet fünf Schwierigkeitsgrade. Ich habe auf „Normal“ eine angenehme Herausforderung wahrgenommen, die nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht war. Nur an einigen Stellen wurde es extrem knifflig, wenn ich keine Heilung gefunden habe und der Checkpoint genau an einem Punkt speicherte, an dem ich kaum noch Leben hatte. Dieses Problem lässt sich jedoch durch die Schnellspeicher-Funktion umgehen. Zudem bietet das Menü zahlreiche anpassbare Optionen, mit denen Sie die Herausforderung ganz nach Ihren Wünschen einstellen können. Einige dieser Optionen, wie unendliche Munition oder Unverwundbarkeit, können sogar als Cheats betrachtet werden und erleichtern das Spielerlebnis erheblich.

Wer die Welt auf eigene Faust erkundet, wird mit vielen Geheimnissen und versteckten Bereichen belohnt, was die Erkundung der Level sehr lohnenswert macht. Das Spiel bietet zudem einen New Game+-Modus, sodass Sie die Kampagne mit Ihren freigeschalteten Fähigkeiten und Waffen erneut durchspielen können, um alle Geheimnisse zu finden.

Fazit

Forgive Me Father 2 ist eine absolute Empfehlung für alle, die eine Schwäche für klassische Ego-Shooter haben. Es ist ein Spiel, das Sie nicht an die Hand nimmt, sondern Sie in eine düstere, verrückte Welt wirft und Ihnen das Vertrauen schenkt, Ihren eigenen Weg zu finden. Das kompromisslose Gameplay, das riesige Waffenarsenal, der einzigartige Comic-Art-Stil und die verrückte Welt sind die größten Stärken des Spiels. Auch wenn der DualSense-Controller kaum genutzt wird und die Waffen an Wuchtigkeit vermissen lassen, sind die positiven Aspekte so dominant, dass sie diese problemlos in den Schatten stellen.

Es ist eine liebevolle Hommage an eine vergangene Ära des Gamings, ohne dabei altbacken zu wirken. Für mich persönlich war es ein absolutes Highlight. Wer auf der Suche nach einem schnellen, blutigen und stilvollen Shooter ist, der sich nicht scheut, den Spieler herauszufordern, wird mit Forgive Me Father 2 eine fantastische Zeit haben.

Pro:

  • Extrem schnelles und flüssiges Gameplay
  • Riesiges und befriedigendes Waffenarsenal
  • Einzigartiger und atemberaubender Comic-Art-Stil
  • Packende Lovecraft’sche Atmosphäre
  • Angenehm fordernd und frei von modernen Hilfestellungen
  • Grandioser Soundtrack

Kontra:

  • Geringe Vielfalt an Gegnertypen
  • Kann für Neulinge frustrierend sein (Leveldesign, Quests etc.)
  • Leichte Kameraprobleme in hektischen Momenten

Gesamtwertung: 8/10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆

Über Egor Sommer 1610 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
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