Horror Titel mit Ekelrate und milder Grafik

Gamescom 2022

Stellt euch vor euer Tag geht schief, so richtig schief, ungefähr so wie bei mir Vorgestern, als ich einen Schnäppchen Laptop gekauft habe, gebrauchtware bekommen habe, mit Bios Passwort und somit um den Schnapper gebracht wurde, meine Hunde nachts aufs Laminat gemacht haben, was jetzt dafür sorgt das ich die komplette Redaktion neu machen kann, weil der Boden hoch kommt, mir über 3000€ durch die Lappen gegangen sind und ich meiner Frau ein Geburtstagsgeschenk geholt habe, genau das Aquarium das sie haben wollte, aber die beigelegte Pumpe war die falsche, was die komplette Suche nach dem Becken unsinnig gemacht hat und gut 6 Stunden Zeitverschwendung nach sich gezogen hat inkl. 180€ Mehrkosten für die richtige Pumpe und Zubehör das schneller her musste als geplant. Ja so in etwa sehen miese Tage aus, Tage an denen man sich nur ein Bier nehmen möchte,  diese hier vielleicht auch 2 davon und mit der Dose irgendwo in einem dunklen Raum weinen möchte… Aber Decarnation geht noch einen Schritt weiter. So weit ungefähr wie in meinem Roman “Nichtraucher” der eigentlich eine Satire war… der aber auch nie veröffentlich wurde, was hier auch rein garnichts zur Sache tut, denn irgendwie fühlt sich schon fast mein halbes Leben an wie dieses Spiel, das ihr bei Steam bereits Wishlisten könnt, so weit sind wir von der Veröffentlichung nämlich nicht entfernt.

Stellt euch vor ihr seid nicht wie ich, ein Kerl dem eigentlich alles egal ist, weil es kaum etwas gibt das mich noch schocken könnte, sondern eine junge empfindsame Frau. Ihr lebt in Frankreich, seid Tänzerin und die Bühne ist euer Leben. Ihr habt gerade für eine Statue, nackt Modell getanden und diese wird bald öffentlich ausgestellt. Doch ihr habt die Chance mit eurer lebensgefährtin vorher schon einmal im Museum nachzuschauen. Begrüßt werdet ihr mit dem bekannten französischen Charme dem eigentlich alles egal ist und trotz der Tatsache das euer Körper das nackte Highlight der kommenden Ausstellung ist, müsst ihr für den Eintritt blechen. Blöde Situation, aber schlimmer wirds erst als ihr eure Statue seht, denn daran macht sich gerade ein Kerl zu schaffen, der sich daran reibt, an den Brüsten der Statue fummelt und sich offensichtlich gerade daran vergeht. Das schlimmste abgewendet und Niemand außer euch hats mitbekommen und dem Sittenstrolch natürlich, erzählt euch euer Intendant ihr sollt euch doch mal damit abfinden nicht mehr auf der Bühne zu stehen und alles was ihr jemals gelernt habt lieber den neuen, jüngeren Mädchen beibringen. Entweder das oder ihr geht ganz… naja um es nicht zu vergessen… eure partnerin trennt sich noch von euch… aber kein Thema, das liegt nicht an euch, sondern an ihr, ihr habt da garkeine Schuld…

Ungefähr so beginnt der schwärzeste Tag im Leben von Gloria einer jungen Variete Tänzerin im Paris im Jahre 1990. Es könnte eigentlich eine wahre Geschichte sein, wenn es nicht zu wahnhaften Szenen kommen würde, die ich nur allzugut nachvollziehen kann. Der Kampf gegen die inneren und äußeren Monster steht hier im Vordergrund und der Weg des Verarbeitens.

Decarnation wurde uns auf der Gamescom in diesem Jahr bei Shiro Games ausführlich vorgestellt. Hier haben wir unter anderem erfahren das die Entwickler sehr viel wert auf Realismus gelegt haben. Paris sollte sich nicht anfühlen wie eine x-beliebige generische Stadt, sondern so realistisch wie möglich und deshalb gibt es zum Beispiel das Café im oberen Bild so auch in der realen Welt. Die Entwickler haben hier ihre eigenen Erfahrungen einfließen lassen und immerhin sitzt der Entwickler auch in Frankreich, weshalb wir ihnen den französischen Charme im Spiel absolut abkaufen können.

Das Spiel kombiniert viele Elemente bekannter Horror Titel mit neueren Elementen und metaphorischen Rätseln und Kämpfen gegen Bossgegner, die thematisch zum gerade verarbeiteten Thema sehr gut passen. Wir wollen an dieser Stelle nicht zuviel vorweg nehmen, aber vieles spielt sich in Glorias Kopf ab und hat damit natürlich auch etwas mit ihrem Dasein, ihren Problemen in der realen Welt und ihren eigenen Gefühlen zu tun.

In Decarnation kommt dann also entsprechend der Kampf mit dem inneren Schweinehund und den eigenen Dämonen immer mehr zum tragen und wird mit einem guten Stück Wahnsinn und Albträumen kombiniert. Optisch ist das Spiel nicht annähernd an der Realität orientiert, sondern eher ein typischer Indietitel wenn man das so nennen mag. Der Stil ist jedenfalls nicht so extrem gewählt, weshalb die gezeigten Bilder eher grotesk wirken, teilweise wie Kunst und wir uns auf die Geschichte konzentrieren können. Hier ist eher die eigentliche Geschichte der Horror Faktor.

Das kann sehr gut funktionieren. Das was wir auf der Gamescom bereits spielen konnten hat einen guten Eindruck gemacht, jedoch muss man natürlich auch dazu sagen das es wichtig ist das Gesamtbild des Spieles zu betrachten. Hier müssen wir wirklich abwarten wie das Gesamtkonzept wird und vor allem wie sich das Spiel entwickelt. Spielerisch soll es auf jeden Fall kein 100 Stunden Titel werden sondern sich locker an einem Wochenende durchziehen lassen. Das macht die Story natürlich zu einem wichtigen Punkt. Das ich mich hier allerdings in einigen Punkten selbst wiedererkannt habe macht das Ganze in meinen Augen durchaus interessant. Ich wurde zwar nie sexuell belästigt, aber die inneren Kämpfe, Ängste und Nöte die man Niemandem zeigt und die man nur mit sich selbst ausmacht kenne ich selbst auch nur zu gut.

Aus diesem Grund denke ich das auch ihr so einiges sicherlich in Decarnation wiederfinden könnt. Euer Zocker, Industriearbeiter und Hobbypsychologe Frank empfiehlt also das Spiel im Auge zu behalten, es könnte wirklich eine interessante Erfahrung werden.

 

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