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Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok im Test (PS5): Zurück in die Wolken, aber mit Anlaufschwierigkeiten

Als Granblue Fantasy: Relink Anfang 2024 über den Bildschirm flimmerte, hat es mich direkt gepackt. Das rasant-bunte Anime-Action-Feuerwerk war genau das, was mein Spielerherz brauchte. Jetzt legt Cygames mit der Erweiterung Endless Ragnarok nach, und ich habe mich für euch noch einmal in den Cockpit-Sessel der Grandcypher geworfen. Die Frage ist nur: Lohnt sich der Wiedereinstieg, oder kämpft man sich hier nur durch den alten Grind?

Titel: Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok Release: 8. Juli 2026 Plattformen: PC, PlayStation 5, PlayStation 4, Nintendo Switch 2 Entwickler: Cygames Genre: Action-RPG Publisher: Cygames

Der Kater nach der langen Party

Eines vorweg: Wer wie ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einsteigt, muss erst einmal schlucken. Ich fühlte mich anfangs komplett orientierungslos, und wer das Endgame nicht damals bis zum Erbrechen gesuchtet hat, wird erst mal gnadenlos ausgebremst. Über zwei Stunden lang habe ich mich durch unzählige Missionen am Questschalter gekloppt, nur um überhaupt den ersten Story-Fetzen von Endless Ragnarok zu Gesicht zu bekommen. Wie so oft, bei Erweiterungen, die fast zwei Jahre oder länger auf sich warten lassen, kann der Wiedereinstieg hart und nervenaufreibend sein, doch wenn man bereits das Hauptspiel mochte, dann weiß man, dass sich der Zeitaufwand lohnen kann. Natürlich trifft dieser Umstand nur auf Fans zu, die bereits das Hauptspiel gespielt haben. Neulinge, die erst mit der Erweiterung einsteigen, erhalten hier von Anfang an das Komplettpaket.

Und genau hier wünsche ich mir von Cygames ein bisschen mehr Rücksicht auf Spieler, die einfach nur wissen wollen, wie es mit der Crew weitergeht. Wer Endless Ragnarok als Fortsetzung der Geschichte erleben will, braucht vor allem eines: Geduld.

Wenn die Klingen wieder singen

Aber – und das muss man den Entwicklern lassen – sobald der erste Kampf losgeht, ist der Frust über den Grind vergessen. Das Effektgewitter, die präzisen Linkangriffe, das taktische Zusammenspiel: Das Ding macht einfach Spaß, und genau dieses Gefühl war es, das mich schon 2024 nicht mehr losgelassen hat.

Am meisten überzeugt haben mich dabei die neuen Beschwörungen. Der Kaiju-Moment, wenn man eine mächtige Bestie herbeiruft, ist nicht nur optisch ein Highlight, sondern auch taktisch Gold wert – während der Beschwörung seid ihr kurzzeitig vor fiesen Angriffen geschützt, und genau dieses kleine Zeitfenster hat mir in einigen Kämpfen mehr als einmal den Hintern gerettet.

Für das leidige Material-Problem aus dem Hauptspiel gibt es mit dem Konflux endlich eine echte Lösung. Ihr hüpft durch zufällig generierte Ebenen, sammelt Buffs ein und farmt Ressourcen, ohne euch durch die immer gleichen Quests quälen zu müssen. Ärgerlich bleibt allerdings, dass der Modus reiner Solo-Content ist – wer lieber mit Freunden unterwegs ist, schaut hier komplett in die Röhre.

Wer seine Lieblingscharaktere über Stufe 100 hinaus pushen will, findet im neuen Meister-System sein Spielzeug. Ein nettes Gimmick für Optimierer, für mich persönlich war es aber vor allem Mittel zum Zweck, um überhaupt eine Chance gegen die neuen Chaos-Herausforderungen zu haben.

Löffel langgezogen: Die neue Härte

Wer das Hauptspiel schon fordernd fand, bekommt mit den neuen Schwierigkeitsgraden Chaos, Chaos+ und Chaos++ nun so richtig die Löffel langgezogen. Die neuen Ragnarion-Gegner sind keine Lappen – sie sind schnell, aggressiv und verzeihen kaum Fehler. Das motiviert ungemein, auch wenn ich mir ab und zu statt der bloßen Upgrades bekannter Monster das ein oder andere komplett neue Gegner-Design gewünscht hätte.

Trotz guter Absichten bleibt für mich dabei das altbekannte Grindgefühl erhalten. Zwar wird man ständig mit neuen Quests versorgt, doch die entpuppen sich schnell als Abfolge ähnlicher oder schlicht wiederholter Bosskämpfe, die ihre höhere Herausforderung fast ausschließlich aus hochgeschraubten Gegnerwerten ziehen. Man reiht also im Kern immer wieder dieselben Aufgaben aneinander, nur mit stärkeren Gegnerwellen und Bossen. Auf Dauer ermüdet das, und der Spielspaß leidet spürbar – zumindest bei mir. Ich muss dabei aber auch ehrlich zugeben: Ich bin kein sonderlich grindfreudiger Spieler. Sobald die Story vorbei ist und das Gameplay nur noch darin besteht, irgendwelche Werte in die Höhe zu treiben, lässt bei mir meistens auch der Eifer nach, am Ball zu bleiben. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass der DLC ausdrücklich als Story-Erweiterung beworben wurde – dass die Geschichte in meinem Fall trotzdem nicht gezündet hat, ist entsprechend bitter.

Dennoch bleibt das actionlastige Gameplay mit seinen unzähligen Charakteren ein absolutes Highlight und zog mich sofort in seinen Bann – auch wenn dieser Bann bei mir leider nicht lange genug anhielt, um über einen längeren Zeitraum Spaß zu empfinden. Vor allem spielen sich die Heldinnen und Helden allesamt spürbar unterschiedlich, was durchaus motiviert, drabzubleiben, sie freizuschalten und auszuprobieren.

Technisch bleibt Relink auf der Konsole stabil, auch wenn es bei vier Spielern im Koop visuell völlig eskaliert. Wer von PC oder PS5 kommt, wird über die gelockten 30 FPS stolpern – ein Performance-Modus wäre hier wirklich mal an der Zeit gewesen. Der Soundtrack von Nobuo Uematsu und Tsutomu Narita hingegen ist wieder mal ein Brett und rettet jede noch so zähe Grind-Session.

Neue Gesichter, altbekannte Bühne

Die Story bleibt auch in Endless Ragnarok reines Beiwerk und schafft es bei mir zu keinem Zeitpunkt, richtig zu zünden. Ein großer Teil der Schuld daran trägt die Inszenierung: Die meisten Gespräche laufen in einer Art Comicstil ab, bei dem die Charaktere nacheinander eingeblendet werden, während der Text durchläuft. Nur selten werden dazwischen echte Zwischensequenzen gestreut, die man als wirkliche Highlights bezeichnen könnte. Wer die Granblue-Welt mag, wird sich damit arrangieren, wer hier tiefgründige Lore-Momente erwartet, dürfte enttäuscht werden.

Deutlich mehr Freude bereiten mir die neuen Charaktere. Beatrix, Fraux und Fediel fügen sich nahtlos ins Team ein und bringen durch ihre unterschiedlichen Spielstile frischen Wind in die Kämpfe – gerade Fraux mit ihren wuchtigen Kung-Fu-Kicks ist für mich eine echte Bereicherung und wandert bei mir sofort ins Stammteam.

Fazit

Auch Neueinsteiger könnten mit dem Komplettpaket ihre Freude haben, bietet doch schon die Hauptstory einige echte Highlights wie den riesigen Bossgegner in der Wüste oder die Drachenkämpfe. Bis man den grindlastigen Abschnitt von Endless Ragnarok überhaupt erreicht, vergehen je nach Spielstil rund 25 bis 30 Spielstunden – und wer auf grindlastige Endgame-Inhalte steht, bekommt hier ein Actionrollenspiel, das sich sogar im Koop bis ins Endgame spielen lässt und zum echten Inhaltsmonster von bis zu 100 Spielstunden wird. Ich hatte sowohl mit dem Hauptspiel als auch mit dem DLC meinen Spaß, und wer ein paar Abstriche machen kann, allen voran bei einer eher drögen Story, wird hier definitiv seinen Spaß finden.

Wertung: 7.5 / 10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆

Pro & Kontra

Pro:

  • Beschwörungen als taktisches Highlight: Nicht nur spektakulär inszeniert, sondern auch spielerisch wertvoll.
  • Konflux löst das Grind-Problem teilweise: Ressourcen farmen ohne ewige Quest-Wiederholung.
  • Starke, vielseitige Charaktere: Beatrix, Fraux und Fediel bereichern das Team spürbar, jede und jeder spielt sich merklich anders.
  • Enormer Umfang: Bis zu 100 Spielstunden für Endgame- und Koop-Fans.
  • Gewohnt starker Soundtrack: Uematsu und Narita liefern erneut ab.

Kontra:

  • Zäher Einstieg: Über zwei Stunden Grind, bevor die eigentliche neue Story beginnt.
  • Story zündet nicht: Comicstil-Dialoge statt echter Zwischensequenzen, dazu dünne Erzählung.
  • Repetitives Endgame: Quests entpuppen sich schnell als hochskalierte Wiederholung bekannter Bosskämpfe.
  • Konflux ohne Koop: Der neue Modus ist reiner Solo-Content.
  • Keine 60-FPS-Option auf Konsole: Ein Performance-Modus fehlt weiterhin.
Über Egor Sommer 1964 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
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