No Place for Bravery im Test – Gebt mir Pixelblut!

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Mit No Place for Bravery von Entwickler Glitch Factory und Publisher Ysbryd Games versuchen die Verantwortlichen die intensive Action eines Sekiros mit einer emotionalen Geschichte zu verknüpfen. In diesem Top-Down 2D Action-RPG sollen die Spieler eine atemberaubende Pixel-Grafik, einen unvergesslichen Soundtrack und intensive Kämpfe erleben. Man verspricht “eine beeindruckende Mischung aus einem Low-Fantasy-Setting, hochdetaillierter Pixel Art, und wunderschönen, handgezeichneten Texturen, die diese atemberaubende Welt zum Leben erwecken.” Zudem soll euch die immersive Atmosphäre des Titels überwältigen. Wir sind in diese vielversprechende Pixel-Welt abgetaucht und verraten euch in unserem Test, ob die Entwickler ihre Versprechen halten konnten oder ob es sich dabei um ein aufgeblasenes PR-Gequatsche handelt. 

Eine Reise voller Verlust

In “No Place for Bravery” übernehmt ihr die Kontrolle über Thorne, einem alten Krieger im Ruhestand. Vor 10 Jahren unterlag er einem Feind, der daraufhin seine Tochter entführte. Thorne suchte viele Jahre nach ihr, doch es gelang ihm nicht, sie zu finden. Mit seiner Frau und seinem Stiefsohn Phid, den er eines Tages ausgesetzt auf der Straße vorfand, lebt er ein friedliches Leben als Barmann.

Trotz des größtenteils ruhigen Lebens wird er weiterhin von grauenvollen Alpträumen geplagt. Eines Tages stolpert er unerwartet über die Chance, seine Rache doch noch einlösen zu können, als er Hinweise auf seine lang verlorene Tochter findet. Als Spieler entscheidest du, wie weit Thorn, begleitet von seinem Adoptivsohn Phid, gehen wird – sei es bei der Suche nach seiner Tochter, oder dabei, seine eigenen Ambitionen zu verfolgen. Jede Entscheidung zählt.

Ganz schön viel Pixelblut

Wir steuern Thorne aus der Top-Down-Ansicht, das heißt schräg von oben, wie zum Beispiel bei Diablo. Das Kampfsystem ist relativ simpel, Thorne kämpft zunächst mit Schwert und Schild. Später kommen mit Hammer und Armbrust zwei weitere Waffentypen hinzu. Mit einer Taste führen wir Angriffsserien aus und mit einer anderen parieren oder blocken wir feindliche Angriffe. Zudem kann er mit einem Dash feindlichen Angriffen ausweichen. Das war es im Grunde auch schon.

Ein kleines bisschen hat man sich zudem an Soulslike orientiert und Thorne eine Ausdauerleiste verpasst. Somit müsst ihr durchaus etwas taktischer vorgehen und könnt nicht unaufhörlich in die Tasten hämmern. Etwas überraschend war für mich der durchaus brutale Grafikstil. Thorne massakriert seine Feinde regelrecht und es fließt eine Menge Pixelblut. Darüber hinaus gibt es für jeden Feindtyp eine individuell animierte Tötungssequenz. 

Anders als vermutet, ist No Place for Bravery jedoch kein typisches Rollenspiel. Für getötete Feinde regnet es nicht Erfahrungspunkte, sondern Geld. Mit diesem könnt ihr euch dann bei Händlern neue Items wie Heilgegenstände, Wurfmesser oder Bomben kaufen. An Feuerstellen, die genauso wie in Dark Souls funktionieren, also Gegner respawnen, eure Heilflaschen werden wieder aufgefüllt und der Spielstand gespeichert, könnt ihr zudem das Geld in neue Fähigkeiten investieren, wenn ihr denn auch den passenden Gegenstand bereits gefunden habt.

Es ist nämlich so, dass man das Freischalten von neuen Fähigkeiten an Herausforderungen in der Spielwelt geknüpft hat. So müsst ihr zum Beispiel einen rot markierten Ort auf der Karte aufsuchen, dort ein Schalter-Rätsel oder einen kleinen Boss besiegen und erhaltet als Belohnung Blaupausen oder Skizzen, die es euch erlauben eine neue Fähigkeit in Verbindung mit genug Gold zu erwerben. Diese Art von Fortschritt ist ein zweischneidiges Schwert. Während einige von euch möglicherweise Freude an den Herausforderungen haben werden, fand ich sie persönlich öde. Zudem ist viel Backtracking enthalten, wenn man wirklich alle Herausforderungen meistern möchte, da einige erst mit dem vollen Waffenarsenal absolviert werden können.

Die 11 verfügbaren Fähigkeiten bestehen aus passiven sowie aktiven Skills. So kann man für jeden Waffentyp mindestens eine Spezialattacke freischalten, die über die Schultertasten aktiviert wird. Alle anderen verbessern zum Beispiel den Ausweichschritt oder die Nachladegeschwindigkeit der Armbrust. Insgesamt empfand ich den Fortschritt sehr ermüdend. Backtracking ist ein veraltetes Konzept, um die Spielzeit in die Länge zu ziehen und davon macht man hier nicht nur für den Skillfortschritt gebrauch, sondern auch noch in der Hauptstory. 

Schön und klangvoll, aber nicht Fehlerfrei

Die Spielwelt bietet eine durchaus ansehnliche Pixel-Optik, die außerordentlich vielfältig ausfällt. Im Verlauf der Geschichte durchstreifen wir belebte Dörfer, verlassene Ruinen, Höhlen, Wälder, Sümpfe, schneebedeckte Berge und noch vieles mehr. Somit hat man sich viel Mühe bei der Gestaltung der Spielwelt gegeben und auch der melancholische Soundtrack gefällt auf Anhieb.  Auf technischer Seite sieht es zumindest auf der Switch nicht besonders gut aus.

Die zahlreichen Bereiche der Spielwelt sind durch viele Ladezeiten voneinander getrennt und diese dauern auf der Switch eine gefühlte Ewigkeit. Darüber hinaus kommt es vor allem in Kampfsituationen oft zu starken Frame-Einbrüchen, sodass man nicht mehr ordentlich parieren, angreifen oder ausweichen kann. Obwohl man sich unverkennbar an Soulslikes orientiert hat, fällt der Schwierigkeitsgrad deutlich geringer aus. Dank verschiedener Schwierigkeitsstufen, aber vor allem der Möglichkeit diese noch individuell seinem Spielstil anzupassen, machen das Spiel jedem Spieler zugänglich. Wem die Geschichte gefällt, aber die Kämpfe zu schwer sind, kann sich beinahe unbesiegbar machen und andersherum natürlich genauso. Wer kein Wert auf die Story legt, kann jede Zwischensequenz überspringen und sich voll auf die Kämpfe konzentrieren. 

Fazit

No Place for Bravery ist ein spaßiger Zeitvertreib auf der Switch, der eine anspruchsvolle Geschichte erzählt und deren Ausgang ihr sogar selbst bestimmen könnt. Man merkt dem Spiel die Inspiration aus Soulslikes an jeder Ecke an, auch wenn die Zugänglichkeit deutlich angenehmer ausfällt. Die Spielwelt ist abwechslungsreich gestaltet. Immer wieder wechseln sich wunderschöne, helle Orte mit düsteren ab. Die Animationen sind durchweg gelungen und die Atmosphäre verströmt, dank dem melancholisch orchestralen Soundtrack, einen Vikings-Charme. 

Leider ist die Portierung auf die Switch nicht besonders gelungen. Immer wieder kommt es zu Frame-Einbrüchen und die vielen Ladezeiten, die gefühlt eine Ewigkeit dauern, nagen am Spielspaß. Möglicherweise wird dieses Problem mit einem Day One Patch behoben. Zudem wird der Fortschritt durch gezwungene Herausforderungen komplett ausgebremst. Wer keine Herausforderungen machen möchte, wird keine Skills freischalten können. Das ist zwar ein Ärgernis, aber nicht weitaus dramatisch, da die 11 freischaltbaren Skills deutlich zu wenig sind. So kommt kaum Abwechslung ins Kampfgeschehen und man neigt dazu, diese größtenteils zu ignorieren. Auch das Backtracking nagt am Spielspaß und man fragt sich, warum dieses Konzept nicht längst ausgestorben ist, vor allem wenn man an die vielen Ladezeiten des Titels denkt. Somit vergebe ich:

7 von 10 Punkten

 

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