Ad Infinitum Nightmare Edition enthuellt

Ad Infinitum (PS5) im Test – Gänsehaut garantiert!

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Der Horror ist ein interessantes Genre, welches nicht so leicht erfasst werden kann. Jeder empfindet dabei anders und während für den einen bereits billige Jumpscares ausreichen, muss es für den anderen schon weitaus mehr sein. Dabei kann auch ein exzessiver Gebrauch von Gewalt schon als Horror angesehen werden, wobei auch hier unterschieden werden muss. Die überspitzte und mit Absicht ins absurde getriebene Gewalt eines Mortal Kombat, wird mit Sicherheit keiner zum Horror-Genre zählen. Je näher die Gewaltdarstellung jedoch an der Realität liegt, desto schrecklicher ist dessen Anblick. Am interessantesten ist jedoch der psychologische Horror, der die unterschiedlichsten psychischen Krankheiten verarbeitet und auf eine verstörende Art widerspiegelt. 

Bei “Ad Infinitum” versuchen sich die deutschen Entwickler von Hekate genau an diesem Aspekt des psychologischem Horrors und versetzen den Spieler in die Zeit des ersten Weltkrieges zurück. Wir schlüpfen in die Rolle eines jungen Mannes, der nicht nur mit den Schrecken des Krieges, sondern auch mit einer zerrütteten Familiengeschichte zurecht kommen muss. Posttraumatische Panikattacken und Angstzustände sollen die Spieler vor allem durch eine hochmoderne audiovisuelle Präsentation, eine dichte Atmosphäre, ein fesselndes Gameplay und eine fesselnde Erzählung erleben dürfen. Für diesen Test kämpfte ich mich durch Gräben, ein verlassen erscheinendes Herrenhaus und weit schrecklichere Schauplätze hindurch. Was ihr zu erwarten habt, verrate ich euch gern. 

Die Leiden des Krieges

“Ad Infinitum” wirft uns ohne große umschweife in den ersten Weltkrieg. Aus der Ego-Perspektive beobachten wir einen Mann an einem Schreibtisch sitzend. Er zeichnet Tauben in ein Notizbuch, um die Zeit zu überbrücken. Plötzlich ertönt der Telegraph und sendet den Marschbefehl. Panisch und aufgeregt erhebt sich der Mann vom Schreibtisch und wir übernehmen ab da die Kontrolle über ihn. Wir suchen uns den weg aus dem Bunker in die Schützengräben, heben eine Waffe auf und laufen blindlings aufs Schlachtfeld zu. Um uns herum schreien Soldaten, entweder vor Schmerz oder um sich Mut zuzusprechen. Schüsse sausen uns um die Ohren, laute Explosionen ertönen und plötzlich erwischt es uns. Eine Explosion reist uns von den Beinen, schleudert uns ins Stacheldraht und bevor wir das Bewusstsein verlieren, erblicken wir eine Person in der Ferne, die auf uns zukommt. Mit dem verstümmelten Arm strecken wir uns nach der Person und alles wird dunkel. 

 

Danach erwachen wir in einem Raum, der seit der Jugend des Mannes unverändert geblieben ist, jedoch in einem heruntergekommenen und verlassenen Herrenhaus. War das alles bloß ein schrecklicher Alptraum? Plötzlich und auf unerklärliche Weise finden wir uns in den Schützengräben wieder, wo die Grauen des Krieges von abscheulichen und noch schrecklicheren Kreaturen überschattet werden. Gefangen zwischen Realität und Albtraum, kämpfen wir darum, die Kontrolle über die Geschichte unseren Lebens zurückzugewinnen.

 

Atmosphäre pur!

Also eines muss ich direkt vorne weg hervorheben: Ad Infinitum liefert einen unglaublich atmosphärischen Sound. Egal ob es das laute stapfen der Schuhe auf den Holzdielen ist, die melancholische Musik oder die grässlichen Laute der unterschiedlichen Kreaturen. Besonders mit Kopfhörern hat mir das Spiel in jedem neuen Abschnitt eine Gänsehaut eingejagt. Doch auch die Synchronsprecher machen einen tollen Job und schaffen es in jeder Situation den richtigen Ton zu treffen. Man kauft ihnen die gespielten Emotionen voll ab.

Dabei spielt es keine Rolle, ob sie nur einen Brief, ein Dokument oder aus dem Off Erinnerungen widergeben, es klingt alles fantastisch. Leider sind nicht alle Schriftstücke vertont, sodass genug zum selber Lesen übrig bleibt, denn wie so oft in diesem Genre wird die Geschichte durch Audiologs oder Schriftstücke erzählt. So erspart man sich zwar viel Inszenierungsarbeit, doch interessant wirkt die Geschichte dadurch bei bestem Willen nicht. Vor allem gehen einige Interessante Details völlig unter, wenn man nicht alle Dokumente entdeckt. 

 Gruseln auf zwei Ebenen

In Ad Infinitum bewegen wir uns überwiegend in zwei immer wieder abwechselnden Schauplätzen hin und her. Zum einen das scheinbar verlassene Herrenhaus der Familie und zum anderen die Schützengräben des Weltkrieges. Während das Herrenhaus sich kaum bis gar nicht verändert, erleben wir in den Gräben weitaus mehr Abwechslung. So stapfen wir durch einen blutdurchtränkten Morast, überwinden Gas durchflutete Bunker oder schleichen durch ein verwahrlostes Lazarett. Im Haus erfahren wir mehr über die Familienverhältnisse und wie sich der Krieg auf diese ausgewirkt hat.

In den Schützengräben wiederum werden uns die Schrecken des Krieges auf oftmals abstrakte und abscheuliche Weise vor Augen geführt. Grässliche Kreaturen streifen dort umher und versuchen euch den Gar aus zu machen. Einige werden von euren Geräuschen angelockt und andere reagieren empfindlich auf Licht. Dabei weist jede Kreatur auf eine andere psychische Instabilität des Soldaten hin, was die Spieler nicht nur zum Gruseln, sondern auch zum Nachdenken anregen soll. 

Design- und Technikschwächen

Spielerisch unterscheiden sich die Schauplätze nur wenig von einander. Alles ist sehr linear aufgebaut, sodass sowohl im Herrenhaus, als auch in den Gräben Wege versperrt bleiben und wir meistens nur einem vordefinierten Weg folgen müssen. Zwar ist der Weg gesäumt von Rätseln, doch diese sind nicht sonderlich schwer. Sie sind schnell nachzuvollziehen, da sie nicht abstrakt oder unlogisch aufgebaut sind.

Zudem werden wichtige Hinweise, die zur Lösung dienen, praktischerweise aufgehoben und können jederzeit im Inventar eingesehen werden. Nach jedem abgeschlossenen Kapitel verschwinden die Hinweise, wodurch das Inventar immer aufgeräumt erscheint. Ich empfand diesen Umstand als höchst angenehm, da für mich der Horror-Aspekt im Vordergrund stehen sollte und nicht irgendwelche Rätsel, die meistens dazu genutzt werden die relativ kurze Spielzeit zu strecken. Hierfür gibt es ja noch die Sammelgegnstände. In Ad Infinitum lassen sich Erkennungsmarken gefallener Soldaten sammeln. Insgesamt lassen sich 56 dieser Marken entdecken, die trotz des linearen Aufbaus nicht so leicht zu entdecken sind.  

In den Gräben müssen wir zusätzliche Hilfsmittel wie eine Spitzhake, eine Gasmaske und einen Bolzenschneider nutzen, um uns durch einige Bereiche zu kämpfen. Dies sorgt zwar für etwas Abwechslung, jedoch nicht genug, um das Gameplay lobend hervorzuheben. Es fühlt sich streckenweise schon fast nach einem Horror Walking Simulator an. Mich persönlich hat dieser Umstand nicht gestört, da mich die bedrückende Atmosphäre voll in ihren Bann hatte. 

Nichtsdestotrotz wird dies nicht jeder als angenehm erachten und vor allem der lineare Aufbau der Level wird mit Sicherheit dem ein oder anderen sauer aufstoßen, da der Raum für Erkundung relativ klein ausfällt. Darüber hinaus gibt es auch noch technische Mängel, die die Erfahrung trüben können. So waren einige Textpassagen auf englisch und der Sound von einem Boss setzte komplett aus. Daneben sind mir noch zwei Bugs aufgefallen, die ein weiterkommen im Spiel verhinderten. Einmal blieb ein Boss regungslos vor mir stehen und ich konnte nicht vorbei und ein weiteres Mal war eine Leiter plötzlich nicht mehr nutzbar. Nur ein Neuladen des Checkpoints konnte an diesen Stellen weiterhelfen.

Ein kurzes vergnügen?

Für meinen ersten Spieldurchlauf habe ich knapp fünf Stunden gebraucht. Dies klingt nach einem ziemlich kurzen Horrortrip, wenn man den Preis von 39,99 Euro im Hinterkopf hat, doch das Spiel weist euch an einigen Stellen im Spiel auf unterschiedliche Konsequenzen hin. Je nachdem wie ihr euch entscheidet und auf welcher Art und Weise ihr die Rätsel löst, werden unterschiedliche Enden generiert. Insgesamt lassen sich drei unterschiedliche Enden für die Geschichte freischalten. Wen also die Geschichte fesselt, so wie mich, der wird mit Sicherheit auch noch einen zweiten Durchgang in Angriff nehmen. 

Fazit

Ad Infinitum verwebt eine tief bewegende Geschichte über Trauma, Verlust, Angst und Selbstfindung in ein Horrorspiel, das einem das Gruseln lehrt. Das Sounddesign ist herausragend und schafft zahlreiche spannungsgeladene Momente. Allerdings kämpft das Debüt des deutschen Studios Hekate mit einigen Gameplay-Schwächen und unbeholfenen Animationen. Wenn man jedoch bereit ist, sich auf die Geschichte einzulassen und über diese Mängel hinwegzusehen, entdeckt man in Ad Infinitum ein hervorragendes Horrorspiel mit Tiefe.

Ich vergebe 

8 von 10 Punkte