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Death Stranding 2 im Test (PS5): Auf vertrauten Pfaden zu beeindruckender Technik

Hideo Kojima hat es wieder getan. Mit Death Stranding 2: On the Beach kehrt der exzentrische Visionär zurück – und erneut spaltet er die Gaming-Welt. Schon der erste Teil war ein polarisierendes Erlebnis: Für die einen ein emotionales Meisterwerk über Einsamkeit, Verbindung und Verantwortung – für die anderen nicht mehr als ein glorifizierter Paketdienst in postapokalyptischer Kulisse.

Doch genau darin liegt Kojimas Faszination: Er bewegt sich bewusst abseits gängiger Genre-Konventionen, nimmt Risiken in Kauf und lässt sich nur ungern erklären. Manche feiern ihn als brillanten Erzähler und Innovator, andere halten ihn für maßlos überschätzt.

Doch ob Genie oder Größenwahnsinniger – eines bleibt unbestritten: Kojima weiß, wie man Spiele inszeniert. Mit einer Wucht, einem Stilbewusstsein und einer erzählerischen Ambition, die man so in der Branche nur selten findet.

Death Stranding 2 knüpft dort an, wo der erste Teil aufgehört hat – erzählerisch, spielerisch und emotional. Und stellt erneut die Frage: Wohin führt uns diese Reise eigentlich?

Was zur Hölle ist hier los?

Death Stranding 2 setzt elf Monate nach dem Ende des ersten Teils an – und macht sofort klar: Wer die Vorgeschichte nicht kennt, wird sich schwertun. Zwar bietet das Menü eine kurze Zusammenfassung, doch Kojimas vielschichtige Sci-Fi-Welt bleibt ohne eigenes Vorwissen schwer greifbar.

Sam Porter Bridges hat sich mit seiner Adoptivtochter Lou in den Süden der UCA zurückgezogen – bis Fragile plötzlich auftaucht. Sie will das chirale Netzwerk nach Mexiko erweitern und bittet Sam um Hilfe. Der willigt ein, unter einer Bedingung: Er und Lou sollen begnadigt werden. Außerdem führt der Weg an einem Labor seines alten Freundes Deadman vorbei.

Dort macht Sam eine beunruhigende Entdeckung: In Südmexiko existiert ein mysteriöses „Plattentor“ – ein Portal nach Australien. Und noch schlimmer: Lou war nie offiziell im System der BBs registriert. Deadman verabschiedet sich – sein Leben neigt sich dem Ende zu.

Zurück in seinem Heim trifft Sam der nächste Schlag. Sein Bunker wird von unbekannten Angreifern Überfallen, bei dem Lou ums Leben kommt.

Einen Monat später taucht Fragile wieder auf. Sie bietet Sam eine neue Mission an – und eine Flucht vor dem Schmerz. An Bord des Hochseeschiffs DHV Magellan soll Sam nach Australien reisen, um dort das Netzwerk weiter auszubauen. Doch kaum beginnt die Reise, kehrt Lou auf mysteriöse Weise zurück – als BT in Sams BB-Kapsel.

Was folgt, ist eine neue, noch rätselhaftere Odyssee durch ein fremdes Land voller Gefahren, übernatürlicher Phänomene und alter Feinde. Und Sam muss sich der Frage stellen: Was bedeutet es wirklich, verbunden zu sein?

Ein Schritt nach vorn – aber keiner zur Seite

Death Stranding 2: On the Beach knüpft spielerisch nahtlos an den Vorgänger an – und genau das ist Chance und Schwäche zugleich. Denn während die Story mutiger, emotionaler und noch abgedrehter daherkommt, bleibt das Gameplay im Kern weitgehend unverändert. Wer also gehofft hat, Kojima würde mit der Fortsetzung spielerisches Neuland betreten, dürfte enttäuscht sein.

Stattdessen fühlt sich der zweite Teil oft eher wie ein umfangreicher, erzählerisch aufgestockter DLC an – mit Detailverbesserungen, aber ohne echte Revolution. Sam Porter Bridges steuert sich jetzt zwar etwas geschmeidiger, stolpert seltener über Geröll und kommt selbst mit schwerer Last besser klar. Doch diese Veränderungen wirken eher wie überfällige Optimierungen denn wie tiefgreifende Neuerungen.

Auch das Missionsdesign bleibt vertraut: Pakete zustellen, Hindernisse überwinden, Ausrüstung verbessern, Wege freischalten. Wer damit schon im ersten Teil nichts anfangen konnte, wird auch diesmal keinen Gefallen daran finden. Die Grundformel wurde nicht angetastet – sie wurde nur etwas entstaubt.

Kleine Schrauben, große Wirkung?

Trotz des weitgehend bekannten Spielprinzips hat Kojima Productions an einigen Stellschrauben gedreht – und das mit spürbarem Effekt. Neue Ausrüstung wie Teleporter oder das Schiff DHV Magellan machen das Vorankommen deutlich komfortabler. Schon früh stehen auch Fahrzeuge zur Verfügung, die den Spielfluss beschleunigen. Das bedeutet: weniger Frust, mehr Tempo.

Die Umgebung zeigt sich dynamischer. Naturereignisse wie Schneelawinen, Erdbeben oder Überschwemmungen beeinflussen Routen und zwingen zu spontanen Anpassungen. Auch der neue Tag- und Nachtwechsel bringt mehr Atmosphäre und verändert gelegentlich das Verhalten der Gegner. Aber: Trotz dieser Effekte bleibt das Kern-Gameplay unberührt. Die Spielmechanik bleibt gleich, das Erlebnis wird dadurch nur punktuell aufgefrischt.

Positiv hervorzuheben ist aber, dass die Zugänglichkeit spürbar verbessert wurde. Neue Spielerinnen und Spieler kommen leichter rein, ohne gleich über steile Lernkurven zu stolpern. Gleichzeitig bietet das Spiel über umfangreiche Schwierigkeitsoptionen weiterhin genug Herausforderung für Veteranen. Wer möchte, kann das Spiel sogar komplett offline spielen – und sich somit der asynchronen Hilfe durch andere Spieler entziehen. Das sorgt für eine deutlich intensivere Solo-Erfahrung.

Der freundlichste Multiplayer der Welt?

Wie schon im Erstling überzeugt der Multiplayer auf eine ganz eigene Art – ohne PvP, ohne klassische Coop-Missionen. Stattdessen baut Death Stranding 2 erneut auf asynchrone Interaktion: Spielende helfen sich gegenseitig, ohne sich je begegnen zu müssen. Ist ein Gebiet erst einmal mit dem chiralen Netzwerk verbunden, erscheinen Straßen, Unterstände, Brücken oder Generatoren, die von anderen errichtet wurden – und erleichtern die eigene Reise enorm.

Auch in On the Beach motiviert das System dazu, selbst aktiv zu werden. Wer etwas zur Welt beiträgt – sei es durch neue Infrastruktur oder hilfreiche Hinweise –, wird mit Likes belohnt. Es entsteht ein subtiler Gemeinschaftsgedanke: eine Welt, die nur durch Zusammenarbeit funktioniert. Und selten war es schöner, Teil einer solchen Community zu sein.

Mit neuen Bauprojekten wie Monorail-Systemen, verbesserten Fahrzeugen und noch mehr nutzbaren Bauobjekten wird das System sinnvoll erweitert, ohne seine Grundidee zu verwässern. Für viele dürfte das wieder der heimliche Star des Spiels sein.

Technischer Geniestreich

Was Death Stranding 2: On the Beach an innovativen Spielmechaniken vermissen lässt, macht es mit seiner technischen Umsetzung mehr als wett. Kojima Productions präsentiert ein wahres Next-Gen-Fest, das Spieler immer wieder staunen lässt.

Die Ladezeiten sind nahezu nicht existent. Besonders beeindruckend ist der nahezu nahtlose Übergang vom Hauptmenü ins Spielgeschehen – ein kurzer Moment, und man befindet sich mitten im Abenteuer. Andere Ladezeiten werden geschickt durch Zwischensequenzen kaschiert, die sich im Verlauf der 30–40-stündigen Kampagne zwar wiederholen, aber jederzeit überspringbar sind.

Visuell ist der Titel eine Augenweide. Kein anderes PlayStation-5-Spiel hat bisher solch realitätsnahe Kulissen auf den Bildschirm gezaubert. Auch die Charaktermodelle in den Zwischensequenzen sehen bis ins kleinste Detail identisch zu ihren realen Pendants aus. Dank der Decima-Engine profitieren die Umgebungen von dynamischen Wettereinflüssen, einem ausgereiften Tag-Nacht-Zyklus und feineren Details in Landschaften und Materialien. Die Charakterdarstellung überzeugt mit fotorealistischer Modellierung und feinster Animation.

Technisch liefert Kojima Productions ein sauberes Spielerlebnis ab. In meinem Spieldurchlauf begegnete mir kein einziger Bug; alles lief einwandfrei. Der Soundtrack kann sich ebenfalls hören lassen. Dank des neuen Musik-Player-Features können Spieler auf ihren Reisen nun ihre Lieblingstracks auswählen und anhören – allerdings nur innerhalb des chiralen Netzwerks. Außerhalb gibt es entweder Stille oder einen ausgewählten Musiktrack, der die Atmosphäre perfekt einfängt.

Insgesamt zeigt Death Stranding 2 eindrucksvoll, wie technische Exzellenz und künstlerische Vision miteinander verschmelzen können. Es setzt neue Maßstäbe für die PlayStation-5-Generation und lässt Spieler tief in eine lebendige, glaubwürdige Welt eintauchen.

Technische Analyse: Death Stranding 2 auf PS5 und PS5 Pro

„Death Stranding 2: On the Beach“ setzt neue Maßstäbe in Sachen Grafik und Performance auf der PlayStation 5. Während die Standard-PS5 bereits beeindruckende Leistungen zeigt, entfaltet die PS5 Pro ihr volles Potenzial und bietet ein noch flüssigeres Spielerlebnis mit verbesserten visuellen Details.

Grafikmodi im Vergleich

KonsoleModusAuflösung (dynamisch)BildrateBesonderheiten
PS5Qualitätsmodus2160p (4K)30 FPSCheckerboard-Rendering, stabile Leistung
Leistungsmodus1440p (hochskaliert)60 FPSVerbesserte Bildrate für flüssigeres Gameplay
PS5 ProQualitätsmodus2160p (4K)30 FPSHöhere Detailtreue und verbesserte Reflexionen
Leistungsmodus1440p (hochskaliert)60 FPSVerbesserte Schatten, Reflexionen und Sichtweite

Beide Konsolen bieten einen stabilen 60-FPS-Modus im Leistungsmodus. Die PS5 Pro zeichnet sich jedoch durch feinere Details, verbesserte Reflexionen und eine höhere Sichtweite aus, insbesondere im Leistungsmodus. Insgesamt sind die visuellen Unterschiede zwischen den beiden Konsolen minimal, aber die PS5 Pro bietet ein insgesamt flüssigeres und detaillierteres Spielerlebnis.

Technische Highlights

  • Ladezeiten: Beide Konsolen bieten nahezu sofortige Ladezeiten, die durch die SSD-Technologie ermöglicht werden. Im Offline-Modus sind die Ladezeiten sogar noch kürzer.
  • Grafikdetails: Die PS5 Pro bietet verbesserte Texturen, feinere Details und eine höhere Sichtweite, was zu einer insgesamt realistischeren Darstellung führt.
  • Sounddesign: Der Soundtrack von „Death Stranding 2“ wird von Kritikern als herausragend bezeichnet. Die neue Musik-Player-Funktion ermöglicht es den Spielern, ihre Lieblingssongs während des Spiels auszuwählen und anzuhören.

„Death Stranding 2: On the Beach“ bietet auf beiden Konsolen ein beeindruckendes Spielerlebnis. Die PS5 Pro hebt sich jedoch durch verbesserte Grafiken und eine flüssigere Performance hervor. Für Spieler, die Wert auf höchste visuelle Qualität und Performance legen, ist die PS5 Pro die bevorzugte Wahl. Allerdings bietet auch die Standard-PS5 ein hervorragendes Erlebnis für diejenigen, die bereits die PS5 besitzen.

Fazit

Death Stranding 2: On the Beach liefert genau das, was man von einem Kojima-Sequel erwartet – vor allem erzählerisch eine überzeugende Fortsetzung. Spielerisch bleibt die Fortsetzung eher konservativ, setzt aber auf sinnvolle Verbesserungen und erhöhten Komfort, ohne das bewährte Grundgerüst zu verändern. Fans des ersten Teils werden erneut tief in die melancholisch vernetzte Welt von Sam Porter Bridges eintauchen, während Spieler, die mit dem „Wandern mit Gepäck“-Prinzip hadern, auch diesmal kaum eine Kehrtwende erleben.

Technisch überzeugt Death Stranding 2 auf der PS5 durch nahezu nahtlose Ladezeiten, beeindruckende Grafikdetails und ein rundum stabiles Gameplay ohne nennenswerte Bugs. Die PS5 Pro hebt das Erlebnis mit noch schärferen Texturen, verbesserten Reflexionen und einer flüssigeren Performance auf ein neues Level. Das sorgt für eine besonders immersive Atmosphäre, die Kojimas Vision von Weltgestaltung und Inszenierung perfekt ergänzt.

Unterm Strich zeigt On the Beach, wie man eine einzigartige Spielwelt konsequent weiterentwickelt – und wie kleine, wohlplatzierte Anpassungen großen Einfluss auf das Spielerlebnis haben können, ohne dabei den Kern des Originals aus den Augen zu verlieren. Ein technisches und erzählerisches Meisterwerk, das vor allem eingefleischte Fans begeistert.

Pro

  • Fesselnde und emotionale Story mit tiefgründiger Atmosphäre
  • Beeindruckende, realistische Grafik und hervorragende Charaktermodelle
  • Nahezu nahtlose Ladezeiten auf der PS5
  • Verbesserte Steuerung und mehr Komfort im Gameplay
  • Innovative Online-Features fördern kooperatives Spielen
  • Umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten bei Schwierigkeitsgrad und Spielstil
  • Stabiles, bugfreies Spielerlebnis
  • Technisch optimiert für PS5 und PS5 Pro mit flüssiger Performance

Kontra

  • Erschwerter Einstieg ohne Vorkenntnisse
  • Gameplay bleibt sehr nah am Vorgänger, wenig innovative Neuerungen
  • Zwischensequenzen wiederholen sich teils häufig
  • Für Spieler, die das Grundprinzip des ersten Teils nicht mochten, wenig Anreiz zum Umdenken
  • Naturereignisse und neue Gadgets verändern das Gameplay kaum
  • Spiel wirkt stellenweise eher wie ein umfangreicher DLC als eine echte Fortsetzung

Gesamtwertung: 8/10

⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆

Über Egor Sommer 1662 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
Kontakt: Webseite

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