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Battlefield 6 im Test (PS5) – Zurück zur DNA, aber mit Macken

Plattform: PS5, Xbox Series X/S, PC Entwickler: DICE Publisher: Electronic Arts Release: 10. Oktober 2025

Zum Zeitpunkt meines Tests wisst ihr es schon: Battlefield 6 ist ein echtes Brett geworden. Nach dem Desaster von Battlefield 2042 – dem größten Fehltritt der Serie, der die Kern-DNA wie Chaos, Zerstörung und epische Schlachten fast komplett vermissen ließ – sorgt der neueste Teil endlich wieder für Begeisterung. EA und DICE sind zurück in der Spur, mit Multiplayer-Matches, die wie alte Battlefield-Träume wirken: 128 Spieler, fliegende Festungen, zerbröckelnde Städte. Doch trotz der Hymnen müssen wir die Stolpersteine besprechen – von der enttäuschenden Kampagne bis zu Server-Problemen und noch mehr. Was hält Battlefield 6 also? Unser Test verrät’s.

Eine Kampagne zum Vergessen

Fangen wir am besten mit dem wohl größten Schnitzer von Battlefield 6 an: der Story-Kampagne. Ich kann verstehen, dass man bei Electronic Arts so viele Käufer wie nur möglich anlocken wollte, doch diese Kampagne wird wohl niemanden begeistern können. In einer nahen Zukunft, in der die NATO zerfällt und die private Militärorganisation Pax Armata die Weltherrschaft an sich reißen will, kämpft man als Mitglied der Spezialeinheit Dagger 13 durch verschiedene Krisengebiete, um den globalen Zusammenbruch zu verhindern – eine Handlung, die man so oder so ähnlich schon unzählige Male gesehen hat. Wer sich also überlegt, Battlefield 6 nur wegen der Kampagne anzuschaffen, ist hiermit gewarnt: Jeder Call of Duty-Teil, ja selbst die schlechten, weiß mehr zu begeistern als dieses nach Schema F konstruierte Werk.

Vor allem die KI-Kollegen sind ein völliger Reinfall. Immer wieder laufen sie wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend, rennen einem ständig vor die Flinte und scheinen mitten in feindlichen Reihen völlig unangreifbar zu sein. Das zerstört nicht nur die Immersion, sondern auch den Spielspaß. Besonders deutlich wird das in einer Mission, die ganz offensichtlich versucht, die legendäre „Clean House“-Mission aus Call of Duty: Modern Warfare nachzuahmen – ein Versuch, der genauso scheitert wie der Rest der Kampagne. Statt Spannung und Präzision herrscht hier Chaos: Die eigenen Kameraden stürmen planlos in Räume, während das eigentlich gefeierte Schadensmodell völlig deplatziert wirkt. Schon ein paar Schüsse aus einem simplen Karabinergewehr lassen ganze Wände einstürzen, ohne realistische Einschusslöcher oder schrittweise Zerstörung zu zeigen. Wo man auf ein System à la Rainbow Six Siege gehofft hätte, bekommt man stattdessen bröckelnde Kulissen und eine billige Inszenierung, die sich leider wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel zieht.

Der Multiplayer: Das Herzstück und Retter

Während Battlefield 6 also im Singleplayer Modus auf ganzer Linie versagt, kann es im Multiplayer wieder ordentlich punkten. Statt dem Call of Duty Trend hinter her zu laufen, wie bei Battlefield 2042 wandelt Battlefield 6 wieder auf eignen Pfaden, naja fast. Immerhin versuchen EA und Dice immer noch den Schaden, der mit dem Vorgänger verursacht wurde wieder vergessen zu machen, doch dafür muss man so viele Spieler abholen wie nur möglich und so erinnert das Gameplay mich persönlich eher wie eine Mischung aus Call of Duty und Battlefield. Und es hat geklappt, denn nach nur drei Tagen hat sich Battlefield 6 mehr als 7 Millionen mal verkaufen können. Das ist ein neuer Rekord für die Franchise. Dieser Erfolg ist in meinen Augen mehr als Verdient, denn der Multiplayer rockt!

Das Sounddesign ist der Wahnsinn. Es rumst und knallt gewaltig in Battlefield. So stellt man sich einen Krieg vor. Die Waffen fühlen sich großartig an. Das Trefferfeedback ist audiovisuell fantastisch. Es gibt doch nichts befriedigenderes, wenn ein Kopftreffer mit einem dumpfen Ton quittiert wird oder wenn wir aus der Hüfte einen herannahenden Feind mit einer Salve durchsieben und fast jeder Treffer eine Reaktion aufzeigt. Dank unzähliger Aufsätze lassen sich viele Mankos, wie ein starker Rückstoß ausbügeln.

Endlich sind auch die Klassen zurück, die zwar auf alle Waffen zurückgreifen können, aber unterschiedliche Gadgets und Aufgaben erfüllen. Als Sturmsoldat kann ich mir eine zweite Waffe ausrüsten, um auf unterschiedliche Situationen zu reagieren oder aber ich rüste ein zweites Gagdet aus und habe dafür mehr Munition am Start, dann ist man nicht mehr so stark auf einen Versorger angewiesen, denn nur die Versorger können Munitionstaschen, die euch nicht nur mit Munition sondern auch Heilung versorgen. Zudem kann der Versorger schneller Teamkameraden wiederbeleben. Als Pionier ist es meine Aufgabe die Panzer instand zu halten oder gegnerische Panzer auszuschalten und als Aufklärer enthülle ich mit meiner mächtigen Drohne die Stellung der Feinde und Snipe mich durch die Areale. Zudem bieten die Klassen auch noch besondere Vorteile auf unterschiedliche Waffentypen.

Das macht eigentlich alles Bock, wäre da nicht das unglaublich grindlastige Fortschrittssystem, die ignorante Community und das noch etwas unfertig wirkende Spielgefühl. Nach mehr als 30 Spielstunden, habe ich keinen einzigen Skin für eine Waffe freigeschaltet geschweige denn eine Waffe zum Endlevel gemeistert, obwohl ich überwiegend nur die M4 Karabiner gespielt habe, stehe ich da aktuell bei Level 30 von 50. Das ist mehr als enttäuschend. Der Fortschritt fühlt sich quälend langsam an. Scheinbar bin ich jedoch nicht allein mit diesem Problem, denn Dice hat vor kurzem ein Update versprochen, in welchem der Fortschritt flotter vonstatten gehen soll. Da ich jedoch nur die Ist-Zustand bewerten kann und nicht den versprochenen Soll-Zustand, muss ich dies als Kritikpunkt aufführen.

Dann wäre da die Community, die scheinbar durch das jahrelange Call of Duty suchten verlernt hat Teambasierte Spiele zu spielen. Anders kann ich mir meine Multiplayer-Erlebnisse nicht erklären. Statt auf Teamkameraden zu achten und gemeinsame Ziele zu verfolgen, sind die meisten gefühlt nur auf Kills aus. Vergebens liegt man da sekundenlang im Sterben und hofft darauf, dass nahende Versorger einen wieder auf die Beine helfen, stattdessen laufen die meisten an einem vorbei. In den seltensten Partien habe ich erlebt, dass die Spieler tatsächlich ihrer gewählten Klasse gerecht werden. Dafür kann natürlich Battlefield 6 nichts, aber es trübt dennoch massiv den Spielspaß, wenn Versorger einen ignorieren oder wenn man selbst als Versorger unterwegs ist und die Mitspieler sich direkt ins Nirvana schicken, anstatt auf einen Kollegen zu warten, der einem hochhelfen könnte. Immerhin werden so strategisch wichtige Lebenstickets vergeudet. Es wird vermutlich noch etwas dauern, bis ein jeder versteht, dass Battlefield kein Call of Duty ist und sein sollte.

Dann wäre da noch das Spielgefühl, dass sich für mich unfertig anfühlt und bei weitem nicht die Qualität erreicht, die ein Call of Duty seit Jahren bietet. Durch zahlreiche Glitches, Clipping-Fehler und andere physikalische Ausrutscher habe ich teilweise das Gefühl ein Indie-Projekt zu spielen, statt ein AAA-Produkt. Ich versuche euch mal einige Beispiele zu nennen. In meinen über 30 Spielstunden habe ich mehrmals erlebt wie Körper meterweit durch die Gegend geschleudert werden und das nicht unbedingt immer durch Explosionen, wenn man sich in eine Ecke legt und dreht, wird man von der Wand gedrängt, als würden sich zwei gleichpolige Magnete treffen und abstoßen. Selbige Abstoß Phänomen erlebte ich auch auf den Leitern, die der Sturmsoldat zum erklimmen oder überqueren von Gräben nutzen kann. Vereinzelt traf ich auf Körper, die in den Wänden oder Böden verschwanden. Ein einstürzenden Gebäude hat mich mal unter sich begraben und ein anderes Mal hatte es gar keinen Effekt. Was mir irgendwie willkürlich erschien. Die Liste könnte ich noch so weiter führen und deswegen ist mein Resümee, dass sich Battlefield 6 nicht so poliert anfühlt, wie es sich eigentlich für ein AAA-Produkt gehört. Also in diese Hinsicht hinkt Battlefield der Konkurrenz noch etwas nach und sollte sich spätestens im nächsten Teil verbessern.

Verbessert gehört auch das Menü, welches ein wenig an Netflix oder Amazon Prime erinnert und mehr als unübersichtlich daherkommt. Man klickt sich wie ein blöder durch Menüs und Untermenüs, bis man endlich seine Ausrüstung verändern oder gar einen bestimmten Spielmodus ausgesucht hat. Ich für meinen Teil brauche zum Beispiel keinen Team Deathmatch Modus in einem Battlefield, denn für mich lebt der Titel von den ganz großen Schlachten. Daher sind die Modi Eroberung, Rush, Durchbruch und der neue Spielmodus Eskalation ideal für mein Spielerlebnis. Das ist jedoch Geschmackssache, wie auch die Karten, die wohl nicht jedem aus der Community schmecken. Mir haben sie persönlich bisher ganz gut gefallen, da sie viel Abwechslung bieten und jeder Karte sein Vor- wie auch Nachteile hat. Zudem verändert sich die perspektive, ob man als Verteidiger oder Angreifer unterwegs ist.

Zudem muss ich noch erwähnen, dass zwar das Schadensmodell und der Grad der Zerstörung endlich wieder Imposant in Erscheinung treten, sie jedoch nicht an einige vorige Teile heran reichen wie zum beispiel Bad Company oder auch Battlefield 4. Vor allem die Levolution Mechanik aus Battlefield 4 vermisse ich schmerzlich. Die hat sich zwar irgendwann abgenutzt, doch diese Mechanik hat dazu beigetragen, dass sich das Schlachtfeld immens mitten im Schlachtgetümmel verändert hat. In Battlefield 6 verändert sich das Schlachtfeld ebenfalls durch den Grad der Zerstörung, doch bei weitem nicht auf dem Niveau, wie es in Battlefield 4 der Fall war.

Zudem lässt sich längst nicht alles in Battlefield 6 zerstören. In New York gibt es zum Beispiel viele tote Räume, die als rein visuelle Kulissen oder Rückzugsorte genutzt werden können. Hier lassen sich weder die Türen zu weiteren Räumen öffnen noch die Wände einreißen. Was ebenfalls ein wenig enttäuscht. Gerade hier hätte es das Potential gegeben sich durch Häuser graben zu können, eine Stellung auf mehreren Ebenen zu erkämpfen und durch das Zerstören solcher Hochhäuser ganze Truppenverbände auf einmal auslöschen können. Stattdessen campen einige auf den nicht zerstörbaren Dächern und freuen sich über jeden Kill, da man einige nicht mal ebenso erklimmen, sondern mit Hubschraubern oder Flugzeugen erreicht.

Fazit

Trotz aller genannten Kritikpunkte in diesem Test bin ich hellauf begeistert von Battlefield 6. EA und DICE sind wieder auf der richtigen Spur. Einige Stolpersteine – insbesondere das Fortschrittssystem, die technische Politur und die grausame Kampagne – müssen meiner Meinung nach noch dringend bereinigt werden. Ich hoffe sehr, dass die Entwickler auf diesem Fundament aufbauen und auf die Community hören, um das nächste Battlefield noch besser zu machen. Zwar ist der neueste Teil nichts für Singleplayer, doch wer auf teambasierte, riesige Schlachten steht, kommt an Battlefield 6 nicht vorbei.

Pro:

  • Epischer Multiplayer: 64-Spieler-Chaos, intuitive Controls
  • Sounddesign: Wuchtiges Feedback, Krieg pur
  • Klassen-System: Taktische Tiefe mit Gadgets und Boni
  • Maps & Modi: Abwechslungsreich, rollenspezifisch
  • Zerstörung: Imposant, verändert Schlachtfelder

Kontra:

  • Schwache Kampagne: Klischee-Plot, dumme KI
  • Grindlastiger Fortschritt: 30 Stunden = Level 30/50
  • Community: Kein Teamplay, Kill-Fokus
  • Unfertig: Glitches, Physik-Fehler, Netflix-Menü
  • Zerstörung: Nicht BF4-Niveau, tote Räume

Gesamtwertung: 7.5/10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆

Vielen Dank an EA für das Testexemplar.

Über Egor Sommer 1502 Artikel
Lange Zeit bei Playstation-Choice.de mitgewirkt und nun als Freelancer bei Gamolution.de tätig. Ich freue mich darauf euch weiterhin mit Tests, Specials und News rund um die Gaming-Welt zu informieren.
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