
Titel: Simon the Sorcerer: Origins Plattformen: PlayStation 5, PlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox Series X/S, PC, Mac, Linux Entwickler: Smallthing Studios Genre: Point-and-Click-Adventure Publisher: ININ Games
Point-&-Click-Abenteuer feiern eine erfreuliche Rückkehr. Nach den Widerbelebungen altbekannter Klassiker wie Monkey Island, Leisure Suit Larry oder Baphomets Fluch, feiert ein weiterer Star der 90er sein Comeback: Simon the Sorcerer! Mit Simon the Sorcerer Origins kehrt die Reihe nach 16 Jahren Pause zurück und erzählt die Vorgeschichte des jungen Zauberers Simon mit der vorlauten Klappe. Ich bin für euch in die Robe geschlüpft und habe mich in ein neues Abenteuer gewagt, doch hat es sich auch gelohnt? Das erfahrt ihr in diesem ausführlichen Test.
Der Eintritt in eine magische Welt
Simon the Sorcerer: Origins ist das offizielle Prequel zum gefeierten Point-and-Click-Klassiker. Die Handlung spielt im April 1993 , einige Wochen vor dem ersten Teil der Reihe , und soll die bis dahin unbeantworteten Fragen klären, wie der Teenager Simon überhaupt in die mysteriöse Fantasy-Welt gelangte.

Simon lebt in einer schwierigen Lebensphase, geprägt von familiären Problemen, nachdem er von der Schule verwiesen wurde und seine Eltern gezwungen sind, in ein neues Zuhause umzuziehen. Als er durch eine alte Prophezeiung in eine fremde, magische Welt voller Zauberer, Monster und schräger Gestalten gerät, beginnt sein unfreiwilliges Abenteuer. Zeitgleich vertieft der schattenhafte Professor Sordid seine Forschungen über den Ersten Zauberer in der Nähe einer uralten Krypta.

In dieser Welt muss Simon lernen, mit Magie umzugehen, Zaubersprüche zu meistern und Rätsel zu lösen, um seinen Weg nach Hause zu finden – und dabei entdeckt er nach und nach sein wahres Potenzial. Das Spiel verbindet humorvolle, sarkastische Dialoge im Stil klassischer britischer Adventures mit einer emotionalen Coming-of-Age-Geschichte über Verantwortung, Familie und Selbstfindung.

Die Entwickler, die Smallthing Studios aus Italien, versprechen eine Spielzeit von 10 bis 12 Stunden für Hardcore-Spieler bzw. 14 bis 16 Stunden für Casual Gamer. Insgesamt umfasst das Spiel 12 Kapitel.

Grafik, die begeistert oder abschreckt?
Der Grafikstil von Simon the Sorcerer: Origins soll an die handgezeichneten Cartoon-Produktionen der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre erinnern. Die Entwickler selbst gaben an, dass sie sich dabei von den Zeichentrickfilmen dieser Ära inspirieren ließen. Tatsächlich wirkten die über 50 komplett handgezeichneten Hintergründe und der Stil auf mich eher an moderne Disney-Serien wie das DuckTales-Remake von 2017 oder Willkommen im Haus der Eulen (2020) erinnert, deren flacher, kantiger und von Retro-Comics inspirierter Stil deutlich stärker an zeitgenössische Cartoon-Ästhetik als an die detailreichen, realistischeren Disney-Filme der 1990er erinnert.

Somit wird der gewählte Grafikstil bereits den ein oder anderen Spieler abschrecken oder begeistern. Etwas schade ist, dass die Animationen steif und hölzern wirken und keinen flüssigen Übergang aufweisen, obwohl die Entwickler über 15.000 handgezeichnete Frames mit einer 90er-Bildrate verwendet haben. Lediglich die animierten Zwischensequenzen, die von einem Teil des Teams hinter dem OSCAR-nominierten Klaus (Netflix) realisiert wurden, zeigen flüssige Animationen, wie wir sie von animierten Zeichentrickfilmen seit jeher gewohnt sind. Erst vor kurzem hat Bye Sweet Carole eindrucksvoll bewiesen, wie flüssige Animationen angelehnt an die Ästhetik 90er Jahre Disney Animationsfilme in einem Videospiel funktionieren können.

Ein großes Lob verdienen die Entwickler für die Rückkehr der Originalstimmen: In der deutschen Fassung ist dies der beliebte Sprecher Erik Borner, der Simon bereits in den 90ern vertonte , und im Englischen der berühmte Chris Barrie. Hinzu kommt die musikalische Überraschung mit der Lizenz für Rick Astleys 90er-Hit „Together Forever“, der im Intro und an anderen Stellen zum Einsatz kommt.

Konsequent Genretypisch
Simon the Sorcerer: Origins ist ein konsequentes Point & Click-Abenteuer, welches keine Experimente wagt oder moderne Ansätze von Hilfestellungen verfolgt. Bevor ich jedoch weiter darauf eingehe, möchte ich die Steuerung loben.

Die Entwickler haben einen tollen Job gemacht, die eigentlich für die Maus konzipierte Spielsteuerung auf einen Controller zu übertragen, auch wenn diese nicht perfekt ist. Wer die moderne direkte Steuerung nicht favorisiert und lieber wie früher mit einem Mauszeiger agieren möchte, kann diese Option ebenfalls unter den Einstellungen finden. So holt man gleichermaßen ein jüngeres als auch ein älteres Publikum ab.

Mit der modernen Steuerung können wir Simon mit dem linken Analog-Stick durch die Welt bewegen. Nähern wir uns einem interessanten Interaktionspunkt, kann Simon diesen näher untersuchen. Hervorgehoben wird dies durch eine Lupe, die plötzlich erscheint. Mit den Schultertasten L1 und R1 können wir die interessanten Objekte durchschalten, denn es kommt des Öfteren vor, dass sich mehrere Interaktionsobjekte nebeneinander befinden. Wenn ein Objekt aufgehoben werden kann, dann erscheint statt der Lupe eine Hand. Mit der R2-Taste lassen sich zudem alle Interaktionsmöglichkeiten in einem Areal anzeigen, damit man nichts übersieht. Die Objekte steckt Simon dann in seinen magischen Hut, der wie ein Fass ohne Boden funktioniert.

Zudem kann man mit Simon selbst auch noch interagieren. So kann man Items aus dem Inventar an ihm anwenden oder gar Zauber ausprobieren, wobei die Zauber noch eine wichtige Rolle einnehmen. Simon lernt als angehender Magier natürlich auch Zaubersprüche wie Feuer, Wind und Eis. Die Elementarzauber lassen sich, wie andere Gegenstände aus dem Inventar, mit Objekten in der Umgebung nutzen, um Rätsel zu lösen. Werden die Zauber zusätzlich noch folgerichtig mit Simon kombiniert, dann verwandelt sich Simons Hut in eine magische Version, wodurch sich auch einige Gegenstände nochmal verändern und dadurch zur Lösung einiger Rätsel genutzt werden müssen.

Mehr Frust als Lust
Ich muss zugeben, dass mich Simon the Sorcerer: Origins weniger in den Bann ziehen konnte, als zunächst erhofft. Es war viel mehr der Ehrgeiz das nächste Rätsel knacken zu wollen, als Spielspaß, der mich bei Laune hielt. Doch auch mein Ehrgeiz hat seine Grenzen.

Die Geschichte ist weder spannend noch originell. Ein Junge wird in eine magische Welt gezogen, aus der er einen Ausweg sucht und zudem noch zu einer Art Prophezeiung gehört. So oder so ähnlich haben wir es bereits dutzend mal gesehen. Zudem ist sie nicht sonderlich spannend erzählt oder inszeniert, da man hier auf bereits bekannten und gewohnten Pfaden des Genres wandelt. Wer jedoch The Drifter aus diesem Jahr gespielt hat, weiß, dass das Genre durchaus auch Aktion und Spannung bieten könnte, doch das gibt die Geschichte auch gar nicht her. Der Grafikstil hat mir jedoch gefallen, auch wenn die Welt sehr starr daherkommt und sich kaum verändert.

Mein größtes Problem mit Simon the Sorcerer: Origins liegt in den knackigen Rätseln, deren Lösungsansätze mich manchmal zur Weißglut brachten. Es ist äußerst schade, dass die Entwickler gar keine Hilfestellungen leisten oder Optionen anbieten, die einem dabei helfen auf die Lösung eines Rätsels zu kommen. Im Return to Monkey Island zum Beispiel, haben die Entwickler extra einen leichten und einen schweren Modus eingebaut. Beim bereits erwähnten The Drifter sind die Interaktionsmöglichkeiten auf ein Minimum beschränkt und die Rätsel logisch aufgebaut, sodass die Lösung meist nicht weit weg ist.

Bei Simon the Sorcerer: Origins hatte ich jedoch oft das Gefühl, dass man absichtlich die Spielzeit durch unterschiedliche Mechaniken zu strecken versuchte. Zum einen gibt es meiner Meinung nach viel zu viele Interaktionspunkte zum Untersuchen, die jedoch für das Spiel oder die Lösungsfindung eines Rätsels völlig belanglos sind. Nehmen wir zum Beispiel Calypsos Haus, allein hier sind 12 Interaktionsmöglichkeiten inkl. Simon zu entdecken. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass man teilweise bis zu 18+ Items im Inventar gleichzeitig inne hat, die man theoretisch mit allen Objekten kombinieren könnte, in der Hoffnung eine Lösung für ein Problem zu finden, dann ergeben sich viel zu viele Kombinationsmöglichkeiten und Fehlschläge. Wer also gerade nicht weiter weiß und wahllos jedes Item mit jedem Interaktionspunkt kombiniert, der wird viele Stunden damit verbringen ein und denselben Satz aus Simons Mund ertönen zu hören: „Da stimmt etwas nicht.“

Dieses Problem hätte man jedoch leicht lösen können, indem man unwichtige Objekte, die man bereits untersucht hat und bei einem erneuten Untersuchen Simon eh nur den gleichen Satz wiederholt, ausblendet. Oder man bietet einen leichteren Schwierigkeitsgrad an, oder versorgt den Spieler zumindest nach einer gewissen Zeit mit Tipps und Hinweisen. So existiert zwar ein Tagebuch, welches die aktuellen Aufgaben eines Kapitels stichpunktartig wiedergibt, doch meistens sind nicht die Aufgaben das Problem, sondern der Weg zur Lösung. Es wäre definitiv besser, hätte man das Tagebuch auch als einen kleinen Tippgeber nutzen können.

Fazit
Simon the Sorcerer: Origins ist eine Liebeserklärung an das Adventure-Genre und den sarkastischen Zauberlehrling. Die Smallthing Studios liefern ein Point-and-Click-Erlebnis der alten Schule, das Fans des Originals durch die Rückkehr von Erik Borner als Simons deutscher Stimme, den skurrilen Humor und die handgezeichnete Welt anspricht. Die hervorragende Konsolensteuerung mit der optionalen Maussteuerung ist vorbildlich und holt sowohl Neulinge als auch Veteranen ab.
Leider hält sich das Spiel zu sehr an den frustrierenden Tugenden des Genres fest. Die teils unlogischen und durch überbordende Interaktionspunkte verkomplizierten Rätsel bremsen den Spielfluss massiv aus. Die schwache Inszenierung und die unoriginelle Hauptgeschichte können das Pacing-Problem nicht kaschieren. Wer frustresistente Rätsel liebt und sich am Simon-Humor erfreut, bekommt ein solides, wenn auch technisch unsauberes, Point-and-Click-Prequel. Alle anderen sollten sich auf eine Geduldsprobe einstellen.
Pro
- Vorbildliche Steuerung (Controller und klassischer Mauszeiger wählbar)
- Rückkehr der deutschen Originalstimme (Erik Borner)
- Gelungener handgezeichneter Cartoon-Stil (inspiriert von 90er/00er-Disney)
- Interessante neue Zauber- und Hut-Mechanik (Elementarzauber & Magische Hüte)
- Enthält den klassischen, sarkastischen Humor
Kontra
- Teilweise unlogische Rätsel mit überbordender Kombinationsvielfalt
- Fehlende Hilfestellungen oder optionaler leichter Modus (kein Tippgeber im Tagebuch)
- Hölzerne, steife Charakter-Animationen (trotz 15.000 handgezeichneten Frames)
- Unoriginelle und spannungsarme Hauptgeschichte (bekannte Genre-Pfade)
- Belanglose Interaktionspunkte strecken die Spielzeit unnötig
- Aufwand beim Rätsellösen kann zu Frust statt Lust führen
Wertung: 7/10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆☆
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