
Es passiert selten, dass wir einen echten Blick hinter den Vorhang der Spieleentwicklung werfen dürfen. Noch seltener ist es, wenn dieser Blick auf ein Spiel fällt, das offiziell nie existiert hat – zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Doch genau das geschieht nun mit Project Draconis, dem einst vielversprechenden PS5-Koop-Projekt von Deviation Games, das nach der Studioschließung 2024 sang- und klanglos verschwand.
Ein Leak aus der Vergangenheit
Leaker Dusk Golem, in der Branche kein Unbekannter, hat neues Material veröffentlicht, das direkt aus den frühen Entwicklungsmonaten von Project Draconis stammt. Ganze 60 Minuten Rohmaterial liegen ihm vor, doch nur zehn Minuten landeten nun im Netz. Der Grund klingt fast schon rührend: Die Entwickler – inzwischen unter dem neuen Studio Dark Outlaw aktiv – sollten nicht durch ältere Projekte oder unfertige Ideen in ihrer kreativen Zukunft behindert werden.
Sein Kommentar: „Das Material ist, was hätte sein können.“
Und genau das trifft es: ein Fenster in ein Spiel, das möglicherweise einmal Sonys nächste große Koop-Marke hätte werden können.
Vom „Ooze“-Gerücht zur harten Realität
Intern lief Project Draconis lange unter dem Arbeitstitel „Ooze“ – eine Anspielung auf die schleimig-organischen Kreaturen, die in den geleakten Szenen zu sehen sind. Das Gameplay zeigt eine Spielfigur in futuristischer Rüstung, die durch Umgebungen navigiert, die aussehen, als wären sie halb Architektur, halb lebender Organismus.
Die Unreal Engine 5 sorgt dabei für beeindruckendes Material, selbst in diesem unfertigen Zustand: pulsierende Wände, fremdartige Wachstumsstrukturen, aggressive Kreaturen, die irgendwo zwischen Alien und Biotech-Albtraum schweben. Schon jetzt wird klar: Visuell hatte das Projekt enormes Potenzial.
Was Project Draconis werden sollte
Nach allem, was bisher bekannt war, sollte das Spiel ein storygetriebenes Koop-Action-Abenteuer für PS5 und PC werden – finanziert von Sony und als Prestigeprojekt eines Studios gedacht, das zuvor bereits Top-Talente aus der Shooter- und Actionbranche angezogen hatte.
Die gezeigten Szenen deuten auf:
- Third-Person-Kämpfe mit Fokus auf Mobilität
- Teamplay-Mechaniken für Koop-Missionen
- Alienhafte Gegnertypen mit reaktiver KI
- Leveldesign, das stark auf vertikale Bewegung setzt
Doch trotz Sony-Geld und kreativer Ambition folgte im Jahr 2024 die Schließung von Deviation Games – und mit ihr das Ende von Project Draconis.
Ein Blick auf die harte Seiten der Branche
Für Spieler ist der Leak eine faszinierende Momentaufnahme eines Spiels, das nie erscheinen durfte. Für Entwickler dagegen ist es ein Mahnmal dafür, wie fragil selbst gut finanzierte Projekte sein können.
Project Draconis zeigt:
Innovation, Talent und Ambition garantieren nichts – ein Studio kann trotzdem an Managementproblemen, Umstrukturierungen oder wirtschaftlichen Realitäten scheitern.
Solche Leaks erinnern uns daran, wie viele spannende Konzepte vermutlich niemals ans Tageslicht gelangen – und wie viele potenzielle Fanlieblinge in frühen Phasen wieder eingestampft werden.
Wann sehen wir etwas davon wieder?
Ob Elemente von Project Draconis eines Tages den Weg in neue Spiele von Dark Outlaw schaffen, bleibt unklar. Dusk Golem selbst stellt klar: Das geleakte Material hat nichts mit aktuellen Projekten des Teams zu tun.
Doch wer aufmerksam hinschaut, erkennt in den Szenen Designentscheidungen, Ideenfragmente und technische Experimente, die vielleicht irgendwann – in anderer Form – wieder auftauchen könnten.
Bis dahin bleibt Project Draconis vor allem eines:
Ein spannendes „Was wäre wenn?“ in der PlayStation-Geschichte – und ein kurzer Blick in ein Spiel, das niemals sein durfte.
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