Vierzig Jahre. So lange jongliere ich nun schon mit Cartridges, CDs, DVDs und Blu-rays quer über alle Plattformen hinweg. Egal ob Nintendo, PlayStation oder Xbox – für mich zählte immer nur das Spiel, nicht die Box unterm Fernseher. Aber wenn ich mich heute in meinem Wohnzimmer umsehe, blicke ich auf über 2.000 physische Spiele. Eine gewaltige, wundervolle Platzverschwendung. Jetzt wirft Microsoft uns Retail-Sammlern einen ziemlich interessanten Knochen hin: Die angekündigte Funktion, physische Xbox-Spiele zu digitalisieren.
Klingt im ersten Moment nach dem absoluten Traum-Feature, oder?

Machen wir uns nichts vor. Die „All-Digital“-Zukunft klopft nicht mehr an die Tür, sie hat das Wohnzimmer bereits belagert. Und ja, ich gebe es offen zu: Das hat verdammt viele Vorteile. Die ständige Verfügbarkeit ist ein Segen. Kein nerviges Disc-Wechseln mehr, völlige Hardware-Unabhängigkeit und endlich wieder Luft in den Regalen, die unter dem Gewicht meiner Sammlung ohnehin schon ächzen. Die neue Xbox-Funktion greift genau das auf. Du legst dein physisches Spiel ein, sicherst dir die digitale Lizenz und zack – die Disc kann im Schrank bleiben. Selbst der gebrauchtverkauf ist kein Problem, die digitale Lizenz wandert einfach mit.
Aber – und das ist ein massives Aber – für mich persönlich ist diese Funktion am Ende des Tages nur ein gut gemeintes Trostpflaster. Auch wenn wir zusätzlich die Möglichkeit bekommen unsere Spiele auf PC und X-Box zu nutzen, was ehrlich gesagt schon irgendwie ein cooles Upgrade ist, bleibt ein großer Wehrmutstropfen.
Warum? Weil die digitale Utopie einen heftigen Preis hat. Wörtlich gemeint. Werft mal einen Blick auf die aktuellen Preise für SSDs und Festplatten. Wenn ich auch nur einen Bruchteil meiner 2.000 Spiele digital vorhalten will, brauche ich Terabyte-Gräber, die aktuell ein tiefes unmögliches Loch ins Portemonnaie reißen würden. Speicherplatz ist das neue Gold der Gaming-Industrie.
Dazu kommt der absolute Endgegner jeder digitalen Bibliothek: Server Downtimes. Was nützt mir die schönste, hardwareunabhängige Spielesammlung, wenn Xbox Live oder das PSN mal wieder in die Knie gehen? Richtig, absolut gar nichts. Du besitzt dein Spiel nicht mehr, du mietest lediglich das Recht, es spielen zu dürfen – vorausgesetzt, dein Provider spielt mit und die Server-Götter sind dir wohlgesonnen. Genau dieses Problem hatten wir mit den PSN Lizenzservern im Test zu Sword Art Online: Echoes of Aincrad mehrfach. Wir sind mitten aus stundenlangen Grind Mission rausgeflogen weil die PSN Lizenz nicht überprüft werden konnte.

Ich begrüße den Schritt von Xbox durchaus. Es ist ein nettes Feature, das den unausweichlichen Übergang für uns alteingesessene Sammler etwas sanfter gestaltet. Es schlägt eine Brücke zwischen der physischen Vergangenheit und der rein digitalen Realität. Aber solange Speichererweiterungen fast so viel kosten wie eine Konsole und ein wackeliger Login mich von meinen Spielen aussperren kann, bleibe ich extrem skeptisch. Nur weil das am PC funktioniert (siehe Steam) funktioniert das bei Konsolenspielen noch lange nicht zwangsweise genauso. Zusätzlich stellt sich natürlich die berechtigte Frage wie Käufer einer neuen X-Box ohne Laufwerk ältere Spiele digitalisieren sollen!?
Wie seht ihr das? Freut ihr euch auf die Digitalisierungs-Funktion oder haltet ihr eure Discs fest, bis das Laufwerk raucht? Schreibt es mir in die Kommentare!
Euer Frank
… Bilder im Artikel wurden zur Illustration teilweise mit KI (Google Gemini) erstellt!
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