RAD im Test – Farbenfrohes Rogue-like im 80er Jahre Stil

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“RAD” von Bandai Namco Entertainment und Double Fine Productions ist ein 3D-Action-Roguelike-Rollenspiel, welches euch in eine Post-Post-Apokalyptische Welt der 80er Jahre entführt. Die Welt ist nicht nur einmal, sondern gleich zweimal untergegangen, bereits hier merkt man dem Titel den typischen Humor der Double Fine Studios an, die mit Titeln wie “Psychonauts”, “Brütal Legend” oder auch “Broken Age” große Erfolge feiern konnten. Wir durften das neuste Werk vom legendären Tim Schafer (“Monkey Island”-Reihe, “Grim Fandango”, “Day of the Tentacle”) und seiner Crew testen und verraten euch, wie der Titel sich im Vergleich zu anderen Rogue-likes spielt.

Wie bereits erwähnt, wurde die Menschheit von “RAD” nicht nur einmal, sondern zweimal von der absoluten Vernichtung heimgesucht. Der Spieler schlüpft in die Haut eines mutigen Teenagers, der sich ins Brachland traut, um das Überleben der Gemeinschaft zu sichern. Das Brachland ist ein sich ständig veränderndes Ödland, welches vor fiesen und unbeschreibbaren Kreaturen nur so wimmelt. Hier soll es eine Lösung für die Rettung der Welt geben, doch das Brachland birgt große Gefahr. Um die Menschheit zu retten, benötigt es ein großes persönliches Opfer. Je tiefer man ins Ödland vordringt, desto stärker wirken sich die Toxine auf den fragilen menschlichen Körper aus. Das Schicksal der Welt ruht auf deinen Schultern, mit der zuverlässigen Keule in deiner Hand und was auch immer aus dir werden sollte, bist du die letzte Hoffnung der Menschheit. Das Ödland wird dich zu einem neuen Wesen mutieren lassen, wodurch du auf jeden Fall weniger Mensch sein wirst – aber dafür ungleich mächtiger. Also, nichts wie ran an die Keule und auf zur Rettung der Welt … oder was noch davon noch übrig ist.

Wie ein Twin-Stick-Shooter

“RAD” steuert sich wie ein Twin-Stick-Shooter. Mit dem linken Analog-Stick bewegen wir die Figur und mit dem rechten Analog-Stick wird anvisiert. Zu Beginn unseres Abenteuers steht uns nur der gute alte Baseball-Schläger zur Seite, doch mit der Zeit im Ödland schalten wir neue Fähigkeiten und somit Waffen frei. Die Spielwelt ist stark von den 80er Jahren inspiriert, was sich im knallbunten Look und der Musik wiederspiegelt. Wir dürfen uns zunächst für einen von drei Teenagern entscheiden, weitere 5 Figuren sind vorerst gesperrt und müssen erspielt werden. Leider bieten die unterschiedlichen Figuren keinen spielerischen Mehrwert, sondern repräsentieren nur das Aussehen eures Charakters. Habt ihr euch für einen Teenager entschieden startet ihr in der Siedlung der Überlebenden, doch großartig viel zu entdecken gibt es dort nicht. Hier findet ihr einen kleinen Laden, der nur eine Floppy Disk zum Verkauf anbietet, einen Geldautomaten, der euch im späteren Verlauf sehr nützlich werden wird und einen Gärtner, der euch um neues Saatgut bittet. Floppy Disks dienen euch als Schlüssel für diverse Sachen im Spiel, so könnt ihr Bunker, Truhen oder auch Höhlen mit den Floppy Disks aufschließen. Passend zum Stil der 80er Jahre wurde als Währung die Kompaktkassette auserkoren, die ihr in der Spielwelt verstreut von Gegnern, Truhen oder zerstörbaren Objekten findet. Der Laden in der Siedlung lässt sich weiter ausbauen, indem ihr fleißig Items dort einkauft. Zudem finden sich auch im Ödland einige Verkäufer.

Wie in jedem Rogue-like Spiel ist es auch in “RAD” zwar durchaus möglich bereits im ersten Versuch das Ende zu erreichen, jedoch ist dieses Unterfangen sehr schwierig. Das Brachland besteht aus insgesamt drei Gebieten mit jeweils zwei Abschnitten. Dementsprechend müsst ihr euch durch insgesamt sechs Level kämpfen, was nach relativ wenig Inhalt klingt, bedeutet in der Praxis knapp zwei Stunden Spielzeit für einen Durchgang. Segnet ihr das Zeitliche oder schafft es bis zum Ende, dann werden eure gesammelten Erfahrungspunkte eurem Profil gutgeschrieben und ihr schaltet neue Mutationen, Items, Skins sowie Waffen frei. Dank den zufällig generierten Level ist kein Durchgang wie der vorige, zumal sich auch die Mutationen zufällig entwickeln. Mit jedem besiegten Feind wird eurer Körper mehr und mehr von Toxinen durchdrungen und sobald sich die Toxin-Leiste am oberen Bildschirmrand einmal gefüllt hat entscheidet das Zufallsprinzip welche Mutation eurer Körper durchläuft. Ob ihr nun einen Kobra-Kopf erhaltet, wodurch ihr Feinde beißen und vergiften könnt, ihr einen Feuerarm bekommt, wodurch ihr Feuerbälle verschießen könnt oder aber einen verkrümmten Arm erhaltet, der sich wie ein Bumerang auf feinde werfen lässt entscheidet der Zufall. So spielt sich jeder Durchgang unterschiedlich und ihr müsst euren Spielstil an die jeweilige Mutation anpassen. Insgesamt könnt ihr drei Fähigkeiten gleichzeitig erlangen, die mit jedem weiteren Levelaufstieg verbessert werden.

Besonders schön ist das Backtracking-Feature: überall wo ihr lang lauft wächst eine kleine Grasfläche, so könnt ihr euch zum einen nicht verlaufen und zum anderen werdet ihr schneller, sobald ihr auf der Grasfläche zurücklauft. Etwas ärgerlich ist der Verzicht eines Tutorials, zwar ist es deutlich spannender, die Welt mitsamt den Wunderlichkeiten selbst zu entdecken und die Geheimnisse der Maschinen zu lüften, doch wenigstens hätten die Entwickler auf die unterschiedlichen Angriffsmöglichkeiten aufmerksam machen können. So sind solche Tipps lediglich im Ladebildschirm zu entdecken und erst nach mehreren Spielstunden fand ich heraus, dass man auch einen Satzangriff ausführen kann. Durch gleichzeitiges Drücken der X- und Viereck-Taste springt eurer Charakter nach vorne und führt einen mächtigen schlag aus, für einen Rundumschlag müsst ihr lediglich die Viereck-Taste gedrückt halten und loslassen sobald die Figur aufblinkt und einen Bodenstampfer führt ihr mit der Sprung-Taste und der Dreieck-Taste aus. Darüber hinaus lassen sich die Mutations-Fähigkeiten jederzeit neu belegen indem ihr auf dem Steuerkreuz nach links drückt.

Und täglich grüßt die Routine

In jedem Level-Abschnitt müsst ihr Artefakte finden und aktivieren, um einen Durchgang zum Boss freizuschalten. Dieses Prinzip wird leider ganz schnell langweilig, da hilft es auch nicht besonders, dass in den weiteren Gebieten die Artefakt-Aktivierung etwas anders gestaltet wurde. Reicht es im ersten gebiet bereits aus die Artefakte auf der Karte zu finden und zu aktivieren, müsst ihr im zweiten Gebiet zunächst drei Schalter betätigen, die einen Durchgang zu einer Ruine freigeben, wo ihr dann das Artefakt zur Aktivierung findet. Im letzten Gebiet sind die Artefakte wieder auf der Karte zu finden, jedoch sind die einzelnen Landmassen dermaßen verstreut, dass ihr durch Sprungplattformen von einer kleinen schwebenden Insel zur nächsten springen müsst. Das ist in dem Sinne nervig, da ihr nicht wisst wohin euch die Sprungplattform befördert, es kann vorkommen, dass eine Sprungform euch von einem Ende zum anderen Ende der Karte katapultiert. Zum Glück markiert auf der Mini-Map eine bunte Linie den Weg der Plattform, ansonsten wäre man sehr schnell verloren. Habt ihr das Artefakt endlich erreicht, dann wird eine Art Arena aufgebaut und ihr müsst unter einer Kuppel zunächst alle Gegner vernichten, um das Artefakt aktivieren zu können. Dabei sind die einzelnen Abschnitte ebenfalls gleich aufgebaut. Im ersten Abschnitt müsst ihr zwei Artefakte finden, um zum Boss zu kommen und im zweiten Abschnitt müssen es drei sein.

Etwas Gutes hat die Suche nach den Artefakten jedoch, denn auf diese Weise seid ihr gezwungen die Karte komplett abzusuchen und levelt dementsprechend schnell auf. Zudem gibt es weitere hilfreiche Objekte und Maschinen zu entdecken. So findet ihr auf der Map zahlreiche Verbrauchsobjekte, die euch heilen können, eure Mutation voranbringen oder einen Gefährten auf den Plan rufen. Auch findet ihr uralte Maschinen, die euch weiter mutieren lassen und passive Fähigkeiten aktivieren. Unter anderem werdet ihr widerstandsfähig gegen giftige Pfützen, Feuer oder Blitze. Doch Achtung, auch negative passive Skills könnten euch ereilen, die euren Spieldurchlauf deutlich erschweren können. Auch die aktiven Fähigkeiten sind nicht davor bewahrt zu verkümmern, so kann es euch in letzten Gebiet passieren, dass eine Fähigkeit zu etwas Unbrauchbaren mutiert. Dieser Umstand macht den Durchlauf durchgehend spannend, könnte jedoch auch für den ein oder anderen Frustmoment sorgen. Zudem verliert ihr im Falle des Todes alle gesammelten Kassetten und Floppy-Disks, was ebenfalls für Frust sorgen könnte und die Motivation in den Keller reißt. Eure Kassetten lassen sich nur retten, indem ihr einen Rucksack als Item bekommt oder nach einem besiegten Boss in die Siedlung zurückkehrt und auf die Bank transferiert.

Fazit

“RAD” erfindet das Rad nicht neu, bietet euch aber eine spaßige Erfahrung. Wer auf Rogue-like Titel steht, der sollte sich dieses Spiel nicht entgehen lassen, alle anderen die es frustriert nach jedem Charakter Tod komplett von neu beginnen zu müssen, sollten lieber Abstand halten. Zwar schaltet ihr nach jedem Ableben neue Spielelemente wie Mutationen, Waffen und Items frei, die euch jeden weiteren Durchgang deutlich erleichtern sollten, dennoch kann es ganz schön frustrierend sein immer wieder von neu zu beginnen. Somit ist das Spiel nicht gerade für jedermann geeignet. Man sollte “RAD” als eine kleine Mahlzeit zwischendurch ansehen, wo ihr kurze Spiel-Sessions von höchstens zwei Stunden vollzieht. Dank den unzähligen Mutationen, dem knallbunten Look und der Synthwave Musik der 80er hatte ich eine Menge Spaß mit dem Spiel und auch nach etlichen Spielstunden wollte ich immer wieder ins Ödland aufbrechen, um neue abgedrehte Mutationen kennen zu lernen.

Aus diesem Grund lautet unsere Wertung:

7 von 10 Punkte

 

 

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