The Quarry im Test – Endlich wieder gute Unterhaltung

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Mit „Until Dawn“ sind die britischen Entwickler von Supermassive Games quasi über Nacht zu Experten für atmosphärische Horror-Adventures bekannt geworden. Kritiker und Spieler zeigten sich gleichermaßen von dem PlayStation 4 exklusiven Titel begeistert und lobten vor allem die Story, die überragende Grafik sowie den Gewaltgrad. Obwohl es sich bei Until Dawn nicht bei dem letzten Titel seiner Art aus dem Hause Supermassive Games handelte, konnte man nicht an den Erfolg von damals anknüpfen. Doch nun soll „The Quarry“ zu altem Glanz verhelfen. Diesmal unter der Flagge von 2K Games präsentiert man uns ein Teeny-Horror-Abenteuer, welches sich in der Klischee-Grabbelkiste der 80er Jahre Trash-Horror-Movies bedient und zumindest bei mir großartige nostalgische Gefühle auslöst. Schon der stimmige Trailer weckte in mir Erinnerungen an „Nightmare on Elm Street“, “Freitag der 13.” oder auch “Halloween”. Doch ein Trailer kann über viele Schwächen hinwegtäuschen, wie sieht es mit dem Gesamtkonzept von “The Quarry” aus? Kann der Titel über mehrere Stunden unterhalten? Wir haben uns für euch ins Sommercamp des Grauens gewagt und verraten euch in diesem Test alles, was ihr über “The Quarry” wissen solltet.

Im Grunde nichts Neues

Die Geschichte von “The Quarry” klingt bekannt. Es ist Spätsommer in den abgelegenen Wäldern von Upstate New York und die Teen-Betreuer von Hackett’s Quarry werden durch ein unvorhergesehenes Ereignis gezwungen eine Nacht länger im Camp zu verbleiben. Keine Kinder, keine Erwachsenen, keine Regeln und so beschließt die Gruppe eine Abschiedsparty zu veranstalten, obwohl ihnen der Besitzer des Camps geraten hat, die Nacht mucksmäuschenstill im Haupthaus zu verbringen. Aber wann haben Teenager je auf irgendwelche Ratschläge gehört? So beginnt eine spannende Erzählung, wo die Spieler über das Schicksal der neun Camp-Betreuer bestimmen, während ihre Partypläne sich in eine unvorhersehbare Nacht des Horrors verwandeln. An jeder Weggabel geht es um Leben und Tod und jede Entscheidung bestimmt, wie sich die Geschichte entwickelt.

Laut Will Byles, dem Regisseur von The Quarry, gibt es 186 „einzigartige Endungen“ zu entdecken, was für einen hohen Wiederspielwert spricht. Leider haben wir es nicht geschafft zu überprüfen, ob es wirklich so viele Endungen gibt, dennoch fühlte sich jede Entscheidung gewichtig an. Zudem war es spannend zu erleben, wie scheinbar unwichtige Entscheidungen zum plötzlichen Tod einer Figur führen konnten. Mehrmals habe ich im Durchgang die ein oder andere Entscheidung bereut oder mich über ein verpatztes Quick-Time-Event geärgert und hätte am liebsten zurückgespult, um dies zu ändern. Somit hat mich das Spiel auf jeden Fall dazu gebracht es erneut durchspielen zu wollen, um meine Wahl zu verändern und besonders die Auswirkungen darauf zu erleben.

Horror für jedermann

Dank des simplen Gameplays, eignet sich “The Quarry” sowohl für Gelegenheitsspieler, als auch für Hardcore Gamer, denn im Fokus steht natürlich die Story. Diese ist sehr filmisch umgesetzt, was so viel bedeutet, dass ihr euch die meiste Zeit Zwischensequenzen anseht und immer wieder zwischendrin Entscheidungen trefft oder Quick-Time-Events (QTE) absolviert. Darüber hinaus bekommt ihr immer wieder die Gelegenheit euch in Hackett’s Quarry näher umzusehen und die Umgebung nach sammelbaren Objekten wie Bilder, Schriftstücken oder auch Tarotkarten abzusuchen. Während Bilder oder Briefe euch mehr zum Hintergrund der Spielwelt verraten, dienen euch die Tarotkarten als eine Art Vorsehung. Am Ende eines Kapitels kommentiert eine alte Wahrsagerin euren Fortschritt und habt ihr eine Tarotkarte gefunden, so lässt sie euch einen Blick auf ein mögliches Schicksal im nächsten Kapitel werfen.

Die Areale sind sehr abwechslungsreich gestaltet und nicht überwiegend groß, sodass ihr nicht befürchten müsst euch zu verlaufen. Auch die QTEs sind recht einfach gehalten und beschränken sich auf zwei unterschiedliche Eingaben. Während kurze Ereignisse wie ein Sprung oder das Ausweichen mit dem linken Analog-Stick in die angezeigte Richtung gemeistert werden, erfordern mühevolle Aufgaben wie ein längeres Festhalten oder das Schieben eines schweren Gegenstands ein schnelles mehrmaliges Drücken der X-Taste. Somit dürften auch ungeübte Spieler ihre Freude am Titel haben und sich voll und ganz auf die Geschichte konzentrieren, ohne vorher die Tasten des jeweiligen Controllers auswendig zu kennen.

Wer jedoch gar keine Lust auf Gameplay hat, der kann den sogenannten Filmmodus anschmeißen, den Controller zur Seite legen und die Geschichte wie einen Film genießen. Hierdurch verzichtet man jedoch auf die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen. So bietet der Filmmodus zusätzliche Ausgänge. Die Spieler können entscheiden, ob alle Charaktere überleben oder alle sterben sollen und wer sich für die Deluxe Edition entscheidet, erhält noch den sogenannten „Blutbad-Filmmodus“ zur Auswahl. Dieser soll das blutigste Erlebnis bieten. Einen besonderen Kniff hält der „Regiestuhl-Filmmodus“ bereit. In diesem könnt ihr über vier unterschiedliche Charaktereigenschaften der Figuren bestimmen und so immer wieder einen anderen Ablauf der Story erleben. Wie verhält sich die Figur unter Druck, in Gesprächen, in Kampfsituationen oder bei der Erkundung der Welt? Ist sie mitfühlend, unbeholfen, gefasst und wachsam? Jeder Faktor kann den Verlauf der Geschichte massiv verändern.

Unterhaltsamer Grusel

Wer einen knallharten psychologischen Horror-Schocker à la “Outlast” oder “Visage” erwartet, wird definitiv enttäuscht. “The Quarry” richtet sich eher an ein Publikum, welches seichte Grusel-Unterhaltung sucht und würzt das ganze mit einer Prise Splatter. Wirkliche Angst beim Spielen verspürt man nie, dafür nicht sich jedoch das Spiel auch nie zu ernst. Dennoch erschreckt man sich gelegentlich bei dem ein oder anderen Jump-Scare. Auch die Atmosphäre stimmt und dank fester Kameraperspektive schafft man es sogar ein etwas beklemmendes Gefühl zu erzeugen, da man stets nicht weiß in welches Verderben man gerade die Charaktere steuert.

Zudem ist auch der Soundtrack großartig gewählt und passt hervorragend zur filmischen Inszenierung der Geschichte. Leider ist die deutsche Synchro wieder nur Mittelmaß und schwankt zwischen akzeptabel und grottenschlecht. Zum Glück wirkt sich dieses Manko jedoch nicht so schwer auf den Gesamteindruck aus und man kann darüber hinwegsehen, da die Gesamtinszenierung einfach stimmig ist. Zudem nimmt man sich viel Zeit, die Charaktere vorzustellen, sodass sie einem schnell ans Herz wachsen. Etwas störender empfand ich kleinere Aussetzer in der Technik. So kommt es gelegentlich vor, dass die Charaktere ungewollt in die Leere starren und auch die Mimik spielt nicht immer mit, wie es eigentlich sollte. Manchmal bewegt sich der Mund unnatürlich oder unpassend zur Synchro.

Fazit

Mit “The Quarry” liefert Supermassive Games genau das, was man sich nach “Until Dawn” erhofft hatte: einfach mehr davon! Nach der eher mittelmäßigen “The Dark Pictures Anthology”, findet das Entwicklerstudio endlich wieder zur alten Stärke und präsentiert ein unterhaltsames Teeny-Horror-Abenteuer. Die Charaktere sind sympathisch geschrieben, die Story weist wieder weniger Logiklücken auf und die Inszenierung samt Soundtrack weis zu gefallen. Leider fällt die deutsche Synchro nur mittelmäßig aus und auch die Technik spielt nicht immer einwandfrei mit. Größere Bugs habe ich zwar in meinen Durchläufen nicht erlebt, aber die Mimik und die Augen passen nicht immer zur aktuellen Szene. Ich hatte definitiv meinen Spaß und bereute die ein oder andere Entscheidung in meinem ersten zehnstündigen Durchlauf. Somit kann ich das Spiel jedem empfehlen, der auf unterhaltsamen Grusel im Stile der 80er Jahre Trash Horror Movies steht.

Dennoch hoffe ich sehr, dass Supermassive Games sich etwas Neues einfallen lassen, ansonsten befürchte ich, dass es ihnen ähnlich ergehen könnte wie den Entwicklern von Telltale Games. Jahrelang begeisterten auch sie mit grandiosen Geschichten zu “Borderlands”, “The Walking Dead” oder auch “Game of Thrones”, doch am Ende mangelte es an Innovation und das Studio ging pleite. Für “The Quarry” vergebe ich:

8 von 10 Punkten

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