Amnesia Rebirth im Test – Hoffnungsschimmer oder Totgeburt?

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Mit Penumbra fing alles an. Die schwedischen Spieleentwickler von Frictional Games entdeckten das Horror-Genre für sich und wagten im Jahr 2007 ihre ersten Schritte im Halbschatten. Während sich jedoch kaum noch jemand an den guten ersten Versuch Penumbra erinnert, sieht es bei dem Nachfolgewerk namens “Amnesia: The Dark Descent” von 2010 vollkommen anders aus. Schon die Erwähnung des Titels jagt mir Angst ein, Gänsehaut und Schweißperlen inbegriffen und dabei habe ich den Titel selbst nie gespielt. Doch aus der Spielerfahrung anderer und den unzähligen Gameplay Trailern, weiß heutzutage jeder Spieler, dass “Amnesia: The Dark Descent” nichts für schwache Nerven ist.

Anders sieht es da bei “Amnesia: A Machine for Pigs” aus. Der Nachfolger, der nicht mehr bei Frictional Games entstand, sondern bei dem britischen Entwicklerstudio The Chinese Room, reichte nicht annähernd an den Schrecken des Vorgängers heran und kratzte ein wenig an dem Ruf der “Amnesia”-Marke. Für das neuste Werk “Amnesia: Rebirth” zeigen sich erneut die Horror-Experten von Frictional Games verantwortlich, doch können sie der Marke zu neuem Ruhm und Glanz verhelfen oder ist das vergebliche Mühe? Laut Thomas Grip, dem Creative Director bei Frictional Games habe man sich von den ganz großen Meistern des Horror-Genres wie Edgar Allan Poe, Bram Stoker und H.P. Lovecraft inspirieren lassen. In deren Geschichten werden meist verletzliche Protagonisten porträtiert, die beunruhigende Umgebungen erkunden und sich mit ganz verschiedenen, äußerst verstörenden Dingen auseinandersetzen müssen. Und genau so eine Erfahrung versucht man nun zu simulieren.

Ich habe meine PlayStation 4 Pro angeworfen und mich gewagt “Amnesia: Rebirth” sogar im Dunkeln zu spielen. In diesem Test verrate ich euch, ob es den Entwicklern gelingt ein wunderbares Horror-Erlebnis zu simulieren oder aber jede x-beliebige Kirmes-Geisterbahn gruseliger ist.

In “Amnesia: Rebirth” schlüpfen wir in die Rolle von Tasi Trianon, die als Zeichentechnikerin an einer Expedition teilnimmt. Die Handlung ist im Jahr 1937 angesiedelt und startet mit einem tragischen Unfall. Eine plötzliche Triebwerksstörung führt dazu, dass das Flugzeug der Forscher in der Wüste Algeriens abstürzt und viele Besatzungsmitglieder, einschließlich Salim – Tasis Ehemann – verletzt werden. Tasi kommt wie durch ein Wunder völlig unverletzt im Wrack zu sich und stellt erschrocken fest, dass bereits einige Tage vergangen sind, doch leider fehlt ihr die Erinnerung an die Ereignisse nach dem Absturz. Nach und nach muss der Spieler die fehlenden Puzzle-Stücke aus hinterlassenen Botschaften, Tagebucheinträgen sowie Rückblenden zusammensetzen ohne dabei den Verstand zu verlieren.

Umarme die Dunkelheit

Für ein Horror-Adventure muss selbstverständlich die Atmosphäre sowie Lichtstimmung passend sein und das beherrschen die Entwickler von Frictional Games allemal. Beginnt das Abenteuer noch in der brennenden Sonne Algeriens, finden wir recht schnell eine dunkle Höhle, in der zuvor die Überlebenden Schutz gesucht hatten. Von da an ist die Dunkelheit unser ständiger Begleiter. Mit Streichhölzern und einer Öllampe können wir die Dunkelheit zwar erhellen, doch immer nur für einen kurzen Augenblick. Streichhölzer können durch einen Windhauch schnell erlöschen und auch das Öl der Lampe ist schnell verbraucht. Dementsprechend müssen wir unsere Umgebung stets nach diesen beiden Ressourcen absuchen, um nicht komplett im Dunkeln zu tappen. Zudem lassen sich Kerzen, Fackeln oder kleinere Ölschalen mit dem Streichholz entzünden, um ein wenig mehr Licht zu haben, doch mitnehmen könnt ihr diese Gegenstände nicht.

Was sich zunächst einmal sehr lästig anhört, ist eines der spannendsten Spielelemente von “Amnesia: Rebirth”. So wird die Dunkelheit selbst als psychologischer Antrieb zur Streuung der Angst genutzt. Zunächst einmal muss ich aufklären, dass wir in der Dunkelheit nicht völlig blind sind. Verweilen wir ein paar Sekunden in völliger Finsternis, dann gewöhnen sich Tasis Augen daran und die Umgebung wird in ein bläuliches Licht getaucht. Sie hat aber keine Katzenaugen und dementsprechend bleiben wir dennoch auf eine Lichtquelle angewiesen, doch zumindest können wir uns auf diese Weise etwas besser orientieren.

In der Dunkelheit wird Tasi immer unruhiger, was sich auch auf den Spieler überträgt. Je länger wir ohne Licht umher wandern desto schneller schlägt Tasis Herz, sie hört plötzlich ein leises Flüstern und andere Geräusche wie bröckelnde Steine, oder Metall, was auf den Boden knallt. Ob die gesamte Geräuschkulisse eingebildet oder echt ist, kann man als Spieler nie wirklich ausmachen, denn meistens lauert kein Monster hinter jeder Ecke. Nur an bestimmten Stellen müssen wir die Beine in die Hand nehmen und vor Monstern fliehen oder uns verstecken. Eine Waffe zum Wehren besitzt Tasi nicht. Dies führt nicht nur bei der Spielfigur zu steigender Panik.

Bleibt Tasi zu lange im Dunkeln, dann verliert sie die Kontrolle über sich und bekommt eine Panikattacke, diese lässt sich nur bedingt Kontrollieren. Das ist der erste Indikator dafür, dass wir schleunigst zurück ins Licht müssen, ansonsten verfällt Tasi dem Wahnsinn. Das einzige was sie in solchen Situationen noch beruhigen kann, sind entweder Medikamente oder aber ihre Schwangerschaft. Tasi erinnert sich im Laufe des Abenteuers an ihr Schwangerschaft und kann sich beruhigen, indem man per Knopfdruck den Bauch streicheln lässt und sie dazu bringt dem ungeborenen sowie sich selbst Mut zuzusprechen.

Interaktionsmöglichkeiten und viel Lesestoff

Die Geschichte von “Amnesia: Rebirth” ist sehr gut geschrieben und weiß zu motivieren, dennoch erfahren wir aus Rückblenden und Tasis Selbstgesprächen recht wenig über die Welt. Wer wirklich alles erfahren möchte, muss sich durch unzählige Tagebucheinträge, Aktenauszügen, Schnipsel und weiteren Schriftstücken wühlen, die man in der Welt entdecken kann. Schön ist aber, dass sich auch Neulinge schnell zurechtfinden werden, da die Story nicht am Vorgänger anknüpft. Dennoch werden “Amnesia”-Veteranen genug Anspielungen auf Figuren sowie Ortschaften der Reihe finden können.

Darüber hinaus kann “Amnesia: Rebirth” in Punkto gruseliger Soundkulisse, dichter Atmosphäre, tollen Synchronsprechern und Umgebungsrätseln glänzen. Weniger grandios ist die angestaubte Optik und dem ein oder anderen Spieler wird möglicherweise der konventionelle Game Over Bildschirm fehlen. Ihr könnt nämlich nicht sterben. Ich für meinen Teil, fand es großartig, dass Fehltritte nicht gleich das Ende bedeutet haben, am Grusel Faktor hat dieser Umstand keineswegs gerüttelt.

Ein weiteres Highlight sind die vielen Interaktionsmöglichkeiten im Spiel. Beinahe jedes Objekt kann aufgehoben, geworfen oder näher begutachtet werden. Hierdurch ergeben sich spielerische Freiräume, die so in anderen Spielen undenkbar wären. Hindern zum Beispiel einige Objekte euch daran eine Tür zu öffnen, dann müsst ihr nur diese beiseite räumen und könnt durch die Tür. Wo in anderen Spielen eine Sackgasse steckt, kann in “Amnesia: Rebirth” der richtige Weg oder ein Raum mit wichtigen Ressourcen entdeckt werden. Leider wird daraus viel zu wenig gemacht. Relativ schnell entdeckt ihr, welche Objekte wichtig sind (Streichhölzer und Öl) und welche nicht (alles andere), wodurch ihr alles unwichtige links liegen lassen werdet.

Fazit

“Amnesia: Rebirth” ist vielleicht nicht die erhoffte Schocker-Offenbarung geworden, doch von einem Reinfall ist man ebenfalls weit entfernt. Dank einer spannenden Geschichte, gruseliger Soundkulisse, dichter Atmosphäre sowie tollen Synchronsprechern hebt man sich von einer mittelmäßigen Spielerfahrung ab und liefert ein durchaus empfehlenswertes Spiel ab. Der Verzicht auf ein typisches Game Over, ermöglicht es jedem Spieler das Ende der Geschichte zu erreichen, wenn man denn die Nerven dazu aufbringen kann. Schade, dass die meisten Informationen zur Welt und Figuren sich in Schriftstücken wiederfinden und dass die unzähligen Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielwelt nur kleine Spielereien bleiben. Und trotz drei unterschiedlichen Enden bietet der Titel kaum einen Wiederspielwert, da die Begegnungen mit den monströsen Gestalten doch nur gescriptete Ereignisse sind. Aus diesem Grund vergebe ich:

7 von 10 Punkten

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