
Plattformen: Steam, PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC (Epic Games Store, GOG.com) Entwickler: Dual Effect Genre: Survival-Horror, Action-Adventure Publisher: PQube
Spiele wie Tormented Souls 2 sind wie Felsen in der Brandung. Standhaft halten sie an Formeln fest, welche die Großen längst abgelegt haben, da diese als veraltet oder gar unbeliebt betrachtet werden. Während Silent Hill oder Resident Evil sich über die Jahrzehnte weiterentwickelten und von einer festen Kameraperspektive zur Third- oder Ego-Perspektive wechselten, bringen uns die Entwickler von Dual Effect genau die Old-School Survival-Horror-Erfahrung zurück, die der ein oder andere von uns vermissen mag. Mit ihrem Erstlingswerk Tormented Souls konnten die Entwickler durchaus für Begeisterung sorgen, doch nicht ganz ohne Frust, wie die Wertung auf Metacritic zeigen (72/100). Nun wagen sie sich an einen zweiten Versuch, aber ist dieser gelungen? Wir verraten es euch in diesem Test.
Was geht denn jetzt ab?
„Das ist jetzt aber schnell eskaliert.“, heißt es so schön in einem bekannten Meme und genau das habe ich mir bei Tormented Souls 2 gedacht. Ich muss an dieser Stelle vielleicht gestehen, dass ich den ersten Teil nur angespielt habe und mich nicht mehr an die Handlung erinnern kann, deswegen kann ich euch nur so viel verraten: Ihr schlüpft erneut in die Rolle der Protagonistin Caroline Walker, die mit ihrer kleinen Schwester Anna etwas Erholung sucht. In einem Kloster weit weg von zu Hause soll ein unvergessliches Wellness-Wochenende erlebt werden – und unvergesslich wird es allemal.

Kaum im Kloster angekommen, fallen beide in einen tiefen Schlaf, woraufhin Anna spurlos verschwindet. Auf der Suche nach ihrer kleinen Schwester stößt Caroline auf einen verrückten Kult, muss unzählige Gefahren überwinden und zudem in unbekannte Welten treten, um ihre Schwester wieder sehen zu können. Mit einer Kampagne von 15 bis 20 Spielstunden und zwei unterschiedlichen Enden bietet Tormented Souls 2 verdammt viel Inhalt für gerade einmal 29,99 Euro.

Aus alt mach neu
Tormented Souls 2 ist ein Third-Person-Survival-Horror-Abenteuer der alten Schule, welcher konsequent versucht, die Magie der ursprünglichen Ableger der Resident Evil und Silent Hill-Spiele einzufangen. Was ihm auch fantastisch gelingt, sowohl auf der positiven, wie auch auf der negativen Seite. Die feste Kameraperspektive ist selbstverständlich für ein solches Unterfangen ein Muss, doch diese weckt nicht nur nostalgische Gefühle in mir, sondern erinnert auch, warum Capcom und Konami mittlerweile auf diese Perspektive verzichten.

Auf der einen Seite nährt diese Perspektive den Gruseleffekt und die Angst, wenn die Kamera in einer Ecke eines Korridors sitzt und uns nur einen Teil des Weges aufzeigt, während wir bereits den herannahenden Feind hören oder nur glauben, etwas vor uns zu hören. An anderen Stellen folgt uns die Kamera langsam, während wir einen dunklen Korridor entlanglaufen, aber so tief, dass wir dennoch kaum erkennen, was vor uns liegt. Sie dreht sich, verzerrt den Raum und ein klaustrophobisches Gefühl setzt ein. Es ist großartig, dieses Erlebnis erneut zu verspüren, und diese Perspektive, in Verbindung mit dem grandiosen Sounddesign, jagt mir persönlich mehr Gänsehaut ein, als zuletzt Cronos: The New Dawn.

Doch leider bringt diese Perspektive auch negative Aspekte mit. So verdeckt sie uns die Sicht und wir sehen herannahende Feinde erst viel zu spät, sodass ein Ausweichen kaum noch möglich wird. Zudem ist die Steuerung nicht gerade optimal gelöst. Oftmals muss ich bei einem Raumwechsel die Laufrichtung neu justieren, da diese sich verändert. Das Problem könnte möglicherweise gelöst werden, wenn man auf die altbekannte Panzersteuerung zurückgreift, die in den Einstellungen auswählbar ist, doch das fühlte sich für mich dann doch etwas zu hölzern an.

Apropos Hölzern, das ist nebenbei auch leider die Technik des Spiels. Tormented Souls 2 wird euch weder grafisch noch technisch umhauen. Während mir die Umgebungen und deren künstlerische Ausarbeitung im Hinblick auf die Details durchaus gefallen haben, wirken gerade die Charaktere wie aus der Zeit gefallen. Die Animationen sind steif und die Mimik unsauber. Auch Bugs waren in meinem Spieldurchlauf leider keine Seltenheit, angefangen bei kleinen und eher vernachlässigbaren wie Clipping-Fehler (Leichen verschwinden zur Hälfte in Treppenstufen) oder unschönen Beleuchtungsfehlern (Caroles Kopf schien durch die Haare) bis hin zu schwerwiegenden.

So konnte ich zum Beispiel während eines Bosskampfes nicht mehr das Menü aufrufen, um mich zu heilen oder die Umgebung untersuchen, die gerade bei den Bosskämpfen nochmal besonders wichtig wird. Das war schon nervig, doch der schlimmste Bug hinderte mich nach knapp sieben Spielstunden am Fortsetzen meines Abenteuers. Auf dem Friedhof ließ sich ein Rätsel trotz richtigem Lösungsweg nicht lösen und so stecke ich vorerst fest, bis die Entwickler einen passenden Patch bereitgestellt haben.

UPDATE: Mit dem Day One Patch, der das Spiel auf die Version 1.03 auf der PS5 hebt, konnte der Bug auf dem Friedhof behoben werden. Die Wertung wurde angepasst. Somit steht der Fortsetzung meines Abenteuers nichts mehr im Wege.
Der Kern der Nostalgie
Aber abseits der technischen Unzulänglichkeiten habe ich Tormented Souls 2 sehr genossen. Auch wenn die Geschichte mich bisher nicht fesseln konnte, so hat mir der Mix aus Resident Evil, Silent Hill, Alone in the Dark und besonders der Kniff mit den Rätseln sehr gut gefallen. Die Rätsel haben mich sogar, dank ihrer Spielmechanik, indem man den Cursor zur richtigen Stelle bewegt und die Items durch genaues Untersuchen kombiniert oder löst, an alte Point-n-Klick-Abenteuer erinnert, die ich seinerzeit und auch jetzt noch sehr gerne spiele. Zudem sind die meisten Rätsel durch logisches Denken schnell gelöst und nur bei wenigen muss man etwas um die Ecke denken.

Großartig fand ich auch, dass man bei einigen Rätseln seine Waffen einsetzen muss, um weiterzukommen; so kann man zum Beispiel alte Schlösser mit dem Hammer frei schlagen. Einige Rätsel müssen sogar in Kombination von der realen und einer grotesken Zwischenwelt gelöst werden, die mit aufgespannten Häuten oder verstümmelten Köpfen an den Wänden stark an die Zwischenwelt aus Silent Hill erinnert. Großartig ist auch das bereits erwähnte Sounddesign, wenn man zum Beispiel die Gruft erreicht und man ein ständiges Flüstern hört, was aus den Wänden zu kommen scheint oder entfernte Schreie, Klopfgeräusche und vieles mehr.

Etwas enttäuschend fallen jedoch die Kämpfe aus, da die meisten Gegner zu viel aushalten. Man kann die Waffen zwar im Laufe des Spiels verbessern, dennoch bleibt dieser Kritikpunkt bis zuletzt erhalten. Auch bewegen sich die Gegner viel zu schnell, sodass man ihren Angriffen kaum ausweichen kann. Zum Glück gibt es in einigen Bereichen Fallen, die so langsam ausgelöst werden, dass ihr Feinde reinlocken und so Munition sparen könnt. Munition könnte schnell knapp werden, wenn man sich jeder Bedrohung stellt. Ein weiterer Aspekt, der im Kampf eine zentrale Rolle einnimmt, ist das Licht. In der Dunkelheit kann Caroline sich nicht wehren und verweilt man zu lange im Dunkeln, dann ist der Tod gewiss.

Die Dunkelheit kann man mit dem Feuerzeug vertreiben, aber dann kann man keine Waffe ausrüsten und so müssen wir immer erst eine Lichtquelle finden, um die Feinde zu besiegen. Das kann in hektischen Situationen nerven, aber hebt deutlich den Nervenkitzel. Ich fand die Mechanik super. Zudem hat mir auch das Gegnerdesign gefallen. Nicht nur die Bosse sind alle einzigartig designt und müssen durch einen individuellen Kniff besiegt werden, auch die unterschiedlichen Feinde in den abwechslungsreichen Arealen passen optisch und thematisch zum Ambiente.

Zur fantastischen Atmosphäre passt auch die explizite Gewaltdarstellung und die unzähligen verstümmelten Leichen, die unseren Weg säumen. Leider hat man hier noch die Chance verpasst, den Gegnermodellen einen ähnlich drastischen Gewaltgrad zu verpassen, denn diese sind nicht zerstörbar und sie bleiben in ihrer grotesken Darstellung intakt, bis sie sich einfach auflösen.

Fazit
Tormented Souls 2 ist eine Liebeserklärung an das Survival-Horror-Genre der späten 90er Jahre. Es fängt die klaustrophobische Stimmung und den Nervenkitzel der festen Kameraperspektive perfekt ein und paart sie mit einem herausragenden Sounddesign, das einem konstant das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Kernkompetenz des Spiels liegt eindeutig in seinen Rätseln: Sie sind logisch, fordern das Untersuchen von Objekten im Stil von Point-and-Click-Klassikern und nutzen die Dualitäten der Spielwelt intelligent aus. Wer genau diese Resident Evil– und Silent Hill-Nostalgie sucht, wird hier auf atmosphärischer Ebene voll bedient.
Leider wird diese Hommage durch gravierende technische Mängel und unzeitgemäßes Gameplay ausgebremst. Die steifen Charaktermodelle und Animationen lassen den Titel wie ein Spiel aus einer vergangenen Konsolengeneration wirken. Noch schwerer wiegen die zahlreichen Bugs, von denen einer das Spielgeschehen nach sieben Stunden komplett zum Erliegen bringen konnte. Hinzu kommen die träge Steuerung, die ständigen Neujustierungen der Laufrichtung und ein ineffizientes Kampfsystem, bei dem die Gegner zu viel einstecken und zu schnell angreifen. Tormented Souls 2 hat das Herz am rechten Fleck und bietet einen großartigen Inhalt für den Preis. Sobald die Entwickler die technischen Probleme und die hölzerne Steuerung per Patch in den Griff bekommen, wird aus diesem ambitionierten Retro-Titel ein Geheimtipp. Im aktuellen Zustand ist er nur eingeschränkt empfehlenswert.
Pro
- Klaustrophobische Atmosphäre durch feste Kamera und Sounddesign
- Herausragende Rätselmechaniken (logisch, Point-and-Click-Feeling)
- Gelungener Mix aus realer Welt und grotesker Zwischenwelt (Silent Hill-Feeling)
- Licht-Mechanik sorgt für intensiven Nervenkitzel
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (15-20 Std. Spielzeit)
- Thematisch passendes Gegner- und Bossdesign
Kontra
- Spielbrechende Bugs (Rätsel unlösbar/Menü-Bug im Bosskampf)
- Steife Animationen und veraltete Charaktermodelle
- Unzuverlässige Steuerung und unpräzise Kamerawechsel
- Kampf unbefriedigend (Gegner zu schnell/zu viel Ausdauer)
- Story ist durch Unübersichtlichkeit und Gameplay-Hänger gestört
- Gegner sind nicht zerstörbar (fehlt die Konsistenz zur Gewaltdarstellung)
Wertung: 8.0/10 ⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐⭐☆☆
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