Call of Duty: Vanguard im Test – Das schlechteste Call of Duty aller Zeiten?

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Jedes Jahr aufs Neue beschert uns Activision einen neuen Ableger der “Call of Duty”-Reihe. Natürlich versucht man mit jedem neuen Teil die Messlatte etwas höher zu legen, doch manchmal gelingt es nicht so recht und man macht eher einen Rückschritt statt einem Schritt nach Vorne. Wie sieht es mit dem neusten Ableger “Call of Duty: Vanguard” aus? Mit Vanguard kehrt man zu den Wurzeln der Reihe zurück und entführt die Spieler erneut in die Ereignisse des 2. Weltkrieges. Da das Thema bereits recht häufig in Videospielen umgesetzt wurde, war ich gespannt darauf zu sehen, was man sich diesmal ausgedacht hatte, um die Spieler zu begeistern. Nun, wie sich herausstellte hat man sich eigentlich gar nichts dabei gedacht. Was ich damit meine, erfahrt ihr im folgenden Test. 

Da das Spiel über drei Spielmodi verfügt (Kampagne, Mehrspieler und Zombiemodus) gehe ich in meinem Review einzeln auf die Bereiche ein. Jeder Spielmodus spricht dabei eine andere Art von Gamer an. Bei der Kampagne erhofft man sich die Einzelspieler zu ködern, mit dem Mehrspieler-Part die kompetitiven Spieler und mit dem Zombiemodus die Koop-Gamer. Alles in allem bekommt man ein recht üppiges Gesamtpaket geschnürt, welches viele Gamer gleichzeitig ansprechen sollte, doch wie schlagen sich die einzelnen Modi? Beginnen wir mit dem Story-Modus. 

Die Kampagne: Plump und Klischeehaft

Die Geschichte beginnt gegen Ende des Krieges mit der ersten und letzten Mission eines ungewöhnlichen Einsatzteams von sechs Mann. Diese bunt zusammengewürfelte Truppe von alliierten Helden wurde auserkoren, das Geheimnis um Projekt “Phoenix” zu lüften, welches die Wende des Deutschen Reiches für den Krieg bedeuten könnte. So schlagen Sie sich zunächst in Hamburg über fahrende Züge zu einem U-Boot Hangar durch, bis sie schließlich in die Gefangenschaft der Deutschen geraten. Hier wird auch direkt der fiese Nazi-Bösewicht Friesinger vorgestellt, der selbstverständlich auf klassische Musik steht und seine sadistische Ader unter Beweis stellt, indem er einen Kameraden kaltblütig mit einem Stuhl ermordet. 

In Gefangenschaft erleben wir dann in Rückblenden die Origin-Story von vier der Helden. Da wäre der scharfsinnige Anführer Arthur Kingsley, der scheinbar alles genauso geplant hatte, die kaltblütige Sniper-Lady Polina Petrova, das draufgängerische Fliegerass Wade Jackson und der rebellische Sprengstoffexperte Lucas Riggs. Klingt als hätte man alles schon mal gehört, oder? Naja zumindest hatte ich so ein Gefühl alles schon mal woanders gesehen zu haben. 

Die Verantwortlichen von Slegdehammer Games machten nie einen Hehl daraus, dass man sich zwar an historischen Ereignissen orientieren würde, doch drumherum eine fiktive Story erzählen werde und so muss man das schlicht sehen und akzeptieren. Dementsprechend sollte man nicht mit zu großen Erwartungen an die Kampagne herantreten und historischer Korrektheit schon gar nicht. Es gilt die Devise: Kopf aus und losballern. Auch wenn die Story plump und klischeehaft ist, kann sie durchaus unterhaltsam sein. Die Inszenierung der Action ist Hollywoodreif und in dieser Art und Weise kaum in anderen Shootern zu finden. Zudem sind die Rendersequenzen erstklassig umgesetzt und könnten einen eigenständigen Animationsfilm darstellen. 

 

Wie Plump die Geschichte erzählt wird, kann ich euch am besten an Petrovas Mission vorführen. Zunächst lernen wir Petrovas Vater und Bruder bei einer Tasse Tee kennen. Hier appelliert der Vater noch an seine Tochter nicht zu sehr auf den Kampf erpicht zu sein, da er nur noch sie und ihren Bruder hat. Doch nur wenige Spielminuten später wird Stalingrad von den Deutschen angegriffen und wer steht am Wohnzimmerfenster und schreit, dass er alle Deutschen töten werde? Natürlich Polinas Vater. Als würde Sledgehammer Games versuchen euch mit dem Vorschlaghammer die Emotionen einzuprügeln. Vielleicht haben sie ja daher ihren Namen. 

Sei es drum. Wie bereits erwähnt ist die Inszenierung durchaus gelungen und die verschiedenen Origin-Storys sorgen für viel visueller Abwechslung, da wir an unterschiedliche Schauplätze (Normandie, Afrika, Pazifik, Deutschland und Russland) geführt werden. Spielerisch stellt die Kampagne einen deutlichen Rückschritt in der Serie dar. Während wir im letzten Ableger “Black Ops Cold War” zum Beispiel noch Entscheidungen treffen und so zu unterschiedlichen Enden kommen konnten, was den Wiederspielwert der recht kurzen Kampagne deutlich erhöhte, spielen wir bei “Vanguard” eine komplett lineare Story ohne Abweichungen. Auch gibt es keine Sammelgegenstände mehr wie geheime Dossiers zu finden. Zudem ist der angepriesene Zerstörungsgrad der Level ziemlich minimal, bis gar nicht erwähnenswert. Es lassen sich lediglich bestimmte Holzbretter und Türen beschädigen, während Holztische weiterhin stabile Deckungen bleiben.

Der Mehrspieler: Schnell, bunt und spaßig

Im Multiplayer wagt man keine Experimente und serviert schnelle, actionlastige Arcade-Shooter Kost. Durch eine sehr niedrige Time to Kill wird das Spieltempo ordentlich in die Höhe reguliert. Hierdurch unterscheiden sich die Core-Varianten der Spielmodi Team Deathmatch, Herrschaft, Stellung und co. von ihren Hardcore-Pendants nur noch im Detail. Theoretisch sollten die drei neuen Voreinstellungen “Taktik”, “Angriff” sowie “Blitz” die Zeitspanne, in der wir auf Gegner treffen, regulieren, doch das aktuelle Respawn-System macht diesem Feature einen Strich durch die Rechnung.

Während sich die Matches in der “Taktik”-Einstellung gewohnt flott spielen und einigermaßen übersichtlich bleiben, geht es sowohl bei “Angriff” als auch “Blitz” ziemlich chaotisch zu. Die Chance ist sehr hoch nach dem virtuellen Ableben im Rücken des Feindes zu landen oder gar eine Gegnertraube zu überraschen, da man mittendrin spawnt. Hier beherrscht nur noch Willkür das Spielgeschehen und es kann oft vorkommen, dass man direkt nach dem Spawn erneut ins Gras beißt. Das ist eigentlich schade, da die 16 verfügbaren Maps für die Standard-Modi durchaus gelungen gestaltet sind und ein deutlich taktischeres Vorgehen ermöglichen würden. 

Mit “Patrouille” und “Champion Hill” fügt man zwei neue Spielmodi hinzu. In “Patrouille” gilt es einen Bereich zu sichern, der sich über die Map bewegt, um so die meisten Punkte zu erzielen. In “Champion Hill” agieren wir in Zweier- oder Dreier-Teams und duellieren uns abwechselnd gegen andere Trupps. Für diesen Modus stehen weitere vier Maps zur Verfügung, die recht klein ausfallen und für schnelle Partien ausgelegt sind. Jeder Trupp besitzt genau 12 Respawns, sind diese aufgebracht, fliegt das Team raus. 

Zu Beginn und nach jeweils drei Runden kann man sich Ausrüstung, Perks oder Waffen kaufen. Zudem lassen sich die Waffen mitten im Match jederzeit aufwerten. Da das Spiel hier die Aufsätze automatisch zuweist, sind die Matches relativ ausgeglichen. Das nötige Kleingeld hierfür erhält man aus Abschüssen. Zusätzlich sind auf den Maps kleine Geldpakete sowie Leben verstreut. Etwas ärgerlich ist der Wechsel von Scorestreaks zu Killstreaks da hierdurch einige Spieler zum Campen verleitet werden, um besonders starke Boni wie die Kampfhunde auf die Gegner loslassen zu können. 

Der Zombie-Modus: Simpel und eintönig

Der Zombie-Modus war schon immer eine nette Dreingabe, doch mauserte er sich in den letzten Ablegern zu etwas Besonderem heran. Viele Fans liebten die knackige Herausforderung, die Rätsel der Karten zu lösen und die liebevollen Easter Eggs zu entdecken. Leider pfeift “Vanguard” auf diese Finnesse und präsentiert einen abgespeckten Zombie-Modus, der viel zu Wünschen übrig lässt. Der Modus hat genauso viel Fleisch auf den Rippen wie die modrigen Nazi-Leichen.

Die einzige Karte “der Anfang” bietet aktuell lediglich einen Überlebensmodus, indem wir einen möglichst hohen Highscore erzielen sollen. Wir beginnen in einem relativ kleinem Bereich der Karte und müssen uns durch Portale begeben, um eine von drei Missionen zu absolvieren. In “Blitz” müssen wir lediglich für ein paar Minuten den Zombie Ansturm überleben, in “Ernten” müssen wir Zombies erschießen, um Runen zu erhalten, die wir in einen Obelisken stecken und in “Übertragung” müssen wir einem schwebenden Zombie-Kopf folgen. Diese drei Missionen wiederholen sich immer wieder. Abwechslung sieht anders aus.

Haben wir ein Portal geschafft, dann öffnet sich die Karte und wir können neue Gebiete erreichen, doch leider gibt es da nichts zu entdecken außer ein paar Zombies. Nach fünf Runden kann man sich evakuieren lassen oder eben weiterkämpfen. Zudem gibt es jetzt eine Art Verschnaufpause, denn außerhalb der Portale spawnt nur eine bestimmte Anzahl an Zombies. Sind diese erledigt, kommen keine mehr nach. Erst nachdem wir ein neues Portal erledigt haben. 

Easter Eggs sind komplett abgeschafft worden. Es gibt keine Wunderwaffen mehr. Die Upgrades durch die Pack-a-Punch-Maschine verstärken zwar die Waffe, aber das Aussehen bleibt identisch. Es existiert kein Splitscreen-Modus mehr. Auch die Fähigkeitsbäume für Waffen und Munition wurden abgeschafft. Es existieren nur drei unterschiedliche Zombies. Das Ping-System wurde abgeschafft und man kann das Spiel auch im Einzelspieler-Modus nicht mehr pausieren. Die Liste der gestrichenen Features ist noch länger und zeigt deutlich, dass hier definitiv eingespart wurde. Neu ist lediglich ein Brunnen, an dem wir Pakte abschließen können, die uns zusätzliche Boni verleihen; wie höherer Schaden, wenn wir stillstehen. Erste Updates sollen Ende des Jahres bzw. Anfang 2022 folgen, doch um welche Inhalte der Modus erweitert wird, ist noch nicht bekannt.  Das ist mit Abstand der schwächste Zombie-Modus seit Jahren in einem “Call of Duty”-Ableger und dementsprechend kann dieser im aktuellen Zustand nur enttäuschen. 

Fazit

“Call of Duty: Vanguard” ist ein deutlicher Rückschritt in der Seriengeschichte. Weder mit der plumpen und klischeehaften Kampagne, noch mit dem knochigen “Zombie-Modus” wird man die Spieler begeistern können. Lediglich der Mehrspieler konnte über einen längeren Zeitraum unterhalten. Dennoch sind auch hier noch starke defizite zu verzeichen. Das Respawn-System ist noch zu willkürlich und kann öfter zu Frust führen als nötig. Zudem ist das Spieltempo in den Einstellungen “Angriff” und “Blitz” viel zu hoch, sodass hier oft pures Chaos statt Taktik entsteht. Dank einer relativ kurzen Time to Kill kommt man aber schnell in den Mehrspieler rein und kann slebst mit den Anfangswaffen punkten. Mit 16 Maps wird defintiv schon viel Abwechslung geboten und wäre das Spieltempo etwas langsamer, dann könnte man sogar auf taktische Finesse setzen. Zudem fördert der Wechsel von Score- zu Killstreaks das Campen, was verdammt schade ist. Mit zukünftigen Updates möchte man sowohl den Mehrspieler- als auch den Zombie-Modus ausbauen. Ob ihnen das gelingen wird, bleibt abzuwarten. In diesem Zustand vergebe ich:

6 von 10 Punkten

 

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