Hitman 3 im Test – Ein krönender Abschluss?

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Seit nun mehr als 20 Jahren begleitet uns der glatzköpfige Barcode-Nacken namens Agent 47 durch die Videospielgeschichte und begeistert Spielerinnen und Spieler seit jeher mit zahlreichen kreativen Methoden Zielpersonen ins digitale Jenseits schicken zu können. Mit jedem neuen Teil stieg die Palette an Tötungsarten an und gipfelt nun in dem jüngst veröffentlichten Hitman 3. Zwar ist der aktuellste Teil schon der achte Ableger der Reihe, doch im Jahr 2016 starteten IO Interactive und der damalige Publisher Square Enix einen Softreboot der Serie. Mit Hitman wurde die sogenannte „World of Assassination“-Trilogie gestartet, die nun mit Hitman 3 ihren krönenden Abschluss findet. Bereits jetzt haben die Entwickler bekannt gegeben, dass dies nicht die letzten Missionen von Agent 47 sein werden, doch was hat Hitman 3 zu bieten? Wir schauen uns in unserem Test den Meister seines Fachs an und verraten euch was ihr vom neuen Abenteuer erwarten könnt. 

Die Handlung von Hitman 3 setzt direkt an die Ereignisse des Vorgängers an. Agent 47 hat sich von seinen Auftraggebern der ICA abgekapselt und will diese nun zu Fall bringen. Bei seinem Vorhaben unterstützen ihn sein Freund Lucas Grey und seine langjährige Vertraute Diana Burnwood. Sie beginnen ihre Jagd auf die Partner von Providence, welche sie zunächst nach Dubai, anschließend nach England, Berlin, Argentinien und weitere Schauplätze führt. Auch wenn die Story des Titels nicht unbedingt zu den Stärken gezählt werden kann, wird diese im neusten Teil etwas filmreicher inszeniert. Diesen Umstand werden jedoch nur Veteranen bemerken, während Neulinge vermutlich die Szenen gelangweilt überspringen dürften, da nicht viel auf dem Bildschirm passiert. Actionreiche Sequenzen sind eine Rarität. Es ist etwas schade, dass erneut auf eine deutsche Synchronisation verzichtet wurde, lediglich Untertitel können zugeschaltet werden, doch die englischen Sprecher machen einen grandiosen Job, sodass die Stimmung und Atmosphäre perfekt übertragen wird. 

Die Schwachpunkte der fast perfekten Formel

Was den kreativen Köpfen der Hitman Reihe an der Inszenierung sowie Ausarbeitung der Story fehlt, machen sie allemal mit dem grandiosen Gameplay schnell wieder wett. Mit den sechs neuen und abwechslungsreichen Schauplätzen demonstrieren die Entwickler von IO Interactive, was sie in den letzten Jahren alles gelernt haben und setzen es gekonnt in Hitman 3 um. Es existiert aktuell kein besseres Stealth Game auf dem Markt, welches Hitman den Rang ablaufen könnte. Trotz dieser Lobeshymne ist leider nicht alles perfekt. Vor allem der Technik merkt man den Zahn der Zeit an und die mittlerweile fünf Jahre alte Grafik-Engine schafft es nicht mit aktuellen Titeln zu konkurrieren.

Während die Schauplätze dank Lichteffekten und Raytracing grandios aussehen und für die passende Atmosphäre sorgen, hinkt die starre Animation der Bewegungen sowie Mimik der Charaktere stark aktuellen Titeln hinterher. Auch die Steuerung ist alles andere als flüssig, zumindest bei mir hinterlässt sie einen starren Eindruck. Wer die Vorgänger kennt, wird vermutlich direkt wissen, was ich damit meine, denn jede Aktion wird mit einer festen Animation quittiert. Sei es nun das deponieren von Gegnern in Schränken, das überwinden von Hindernissen oder die Einleitung in den Nahkampf. Besonders schade ist, dass sich diese Animationen seit Hitman aus dem Jahr 2016 in keiner Form verändert haben.

Auch an der KI der NPCs wurde scheinbar nicht mehr geschraubt, denn diese ist schlichtweg unterirdisch. Wenn euch unbeteiligte beim Eindringen in gesperrte Bereiche beobachten oder sogar bei einer Straftat, dann rennen sie zur nächsten Wache und geben dies weiter. So weit so gut, doch ab da wird es sich zu leicht gemacht. Die Wache überprüft natürlich meistens im Alleingang eure Aktion und läuft euch blindlings in die Arme, seid ihr darauf gefasst, lässt sich die Wache ohne Probleme ausschalten, werdet ihr auch von der Wache erwischt, dann müsst ihr euch auf einen ungelenken Schusswechsel gefasst machen. Und im Feuergefecht kommt die dümmliche KI zum Vorschein.

Gegner laufen blindlings durch offene Türen, flankieren oder andere taktische Manöver kommen nicht zum Einsatz. So könnt ihr jedes Feuergefecht ganz leicht in der Ecke kauernd und mit dem Fadenkreuz zur Tür gerichtet locker aussitzen. Alle Gegner in Hörweite laufen stur rein. Schade, dass hier niemand auf die Idee kommt die Polizei zu rufen oder schwere Einheiten, die euch das Leben schwer gemacht hätten. Dementsprechend ist jedes Level ziemlich simpel mit der nötigen Feuerkraft lösbar, doch diese Art das Level zu lösen wird nicht belohnt und das ist auch gut so, denn der wahre Spaß des Spiels liegt in den Möglichkeiten. 

 Ein perfekter Killer

Abseits der oben aufgeführten Schwächen, überzeugt Hitman 3 auf ganzer Linie und lässt euch jeden seiner Schwächen direkt vergessen. Während Neulinge mit dem Einstieg vermutlich überfordert sein werden, da die Freiheit wohl grenzenlos scheint, werden Veteranen schnell ans Werk gehen können. Wir empfehlen jedem Neuling zunächst das Tutorial zu meistern, auch hier ist schade, dass es sich dabei um denselben Einstieg wie schon im Hitman aus dem Jahr 2016 handelt. Jedes Level ist ein verwinkelter Spielplatz indem sich die Spieler wie Raubtiere in der Haut von Agent 47 an die Zielpersonen heranpirschen und dessen Wege sowie Handlungen studieren, um sie so unauffällig wie nur möglich oder auch stylisch um die Ecke bringen zu können. Hierfür wird selbstverständlich viel Geduld abverlangt, die mit einer hohen Punktzahl am Ende der Mission belohnt wird.

Obwohl der Missionsablauf immer gleich ist und darin besteht die Zielperson(en) ausfindig zu machen und auszuschalten, haben es die Entwickler geschafft für ausreichend Abwechslung zu sorgen. Zum einen streuen sie in den einzelnen Missionen zusätzliche Missionen – teilweise auch optionale – ein und zum anderen hat jeder Auftrag einen individuellen Twist. Das Spiel entwickelt schnell einen Sog, dem man sich als Spieler kaum entziehen kann und wenn die Kampagne nach knapp sechs bis acht Stunden schon vorbei ist, dann will man natürlich mehr und beginnt die Missionen mit großer Freude vom Neuen. Jetzt weiß man wie der Hase läuft und man macht sich dran die gestellten Herausforderungen der Missionen zu meistern. Zudem nimmt euch jede Mission ein wenig an die Hand und offenbart euch einen oder gleich mehrere interessante Möglichkeiten an die Zielperson heranzukommen. So können wir uns als Detektiv ausgeben und vorgeben einen Mordfall lösen zu wollen oder wir geben uns als Obdachloser aus und lassen fragwürdige Experimente an uns durchführen. Es bleibt immer euch überlassen, wie ihr die Missionen angeht. 

Veteranen werden leider feststellen müssen, dass sich im Vergleich zum Vorgänger kaum etwas verändert hat. Somit ist Hitman 3 eher als eine Erweiterung des Spielerlebnisses zu betrachten, denn als ein komplett neuer Teil, der die Serie voranbringt. Neben einem neuen Gadget, einer kleinen Kamera, die es erlaubt Dokumente wie Bilder zu Scannen für zusätzliche Informationen oder Geräte zu hacken, kann man noch die Neuerung der Abkürzungen erwähnen. Erstmals in der Geschichte der Hitman Reihe ist es nun möglich Abkürzungen zu entdecken, die wunderbar das Spielerlebnis ergänzen und in neuen Durchläufen direkt erhalten bleiben. Alle Level sind offensichtlich so designt, dass ihr ermutigt werdet mehrere Durchläufe erleben zu wollen, denn ihr werdet niemals alle gestellten Herausforderungen auf Anhieb meistern können. Zudem stellt sich die Frage gar nicht ob ihr eure Zielperson töten könnt, sondern vielmehr auf welche Art und Weise ihr es schafft. Jeder Anlauf macht direkt spaß und schnell testet ihr euer gesammeltes Wissen aus. Schafft ihr das Level ohne einen Alarm auszulösen? Ohne sich ein einziges Mal zu verkleiden? Oder gar komplett ohne Waffen? Auf diesem Spielplatz seid ihr der Boss und ihr entscheidet über den Werdegang der Missionen. Dank diesem hohen Wiederspielwert kann die Spielzeit locker auf 20 bis 30 Stunden eingeschätzt werden. 

Online-Zwang und schlechte Menüführung

Ok, ich gebe zu, dass es vielleicht ein wenig übertrieben ist von einem “Online-Zwang” zu sprechen, denn ihr könnt Hitman 3 auch ohne eine Internet-Verbindung zocken, doch der Offline-Modus hat einen faden Beigeschmack. Spielt ihr Hitman 3 nämlich Offline, dann erhaltet ihr keine Punkte und euer Fortschritt wird nicht quittiert, somit könnt ihr keine zusätzliche Waffen und Gadgets freischalten. Das ist ein wenig ärgerlich, vor allem, wenn gerade keine Verbindung zu den Spiel-Servern hergestellt werden kann. So ist es mir zumindest während des Tests passiert.

Zudem könnt ihr nicht auf die “Elusive Targets” zugreifen. Dabei handelt es sich um besondere Zielpersonen, für die ihr nur einen Versuch erhaltet. Und auch selbsterstellte Missionen der Community werdet ihr im Offline-Modus leider nicht erleben können. Besonders der nicht zugesprochene Fortschritt im Offline-Modus schmerzt besonders, vielleicht kann dieser Umstand per Patch gelöst werden, aber im aktuellen Zustand solltet ihr unbedingt auf eine Online-Verbindung achten. 

Auch die Menüführung ist alles andere als Übersichtlich. Selbst nach mehreren Spielstunden wuselte ich mich durch die Menüs, um einen schnellen Einstieg in die nächste Mission zu finden. Stattdessen stehen euch nach der ersten Mission direkt alle Missionen zur Verfügung, sodass ihr selbst entscheiden könnt wie ihr die Kampagne durchspielt. Ob chronologisch oder nicht ist euch überlassen, aber da auch die Zwischensequenzen in diesem Menü verpackt sind, wirkt es ziemlich chaotisch und unaufgeräumt. 

Fazit

Um meine Frage im Titel zu beantworten: Ja, Hitman 3 ist ein krönender Abschluss der „World of Assassination“-Trilogie geworden. Zwar hat sich die Spielreihe seit dem Auftakt im Jahr 2016 nur in kleinen Schritten weiterentwickelt, aber trotz dessen kann man den Spielen die extreme Sogwirkung nicht absprechen. In Hitman 3 setzen die Entwickler von IO Interactive ihre eigene Stealth-Formel gekonnt ein und zeigen dass die aufgezählten Schwächen im Hinblick auf den Spielspaß absolut nicht ins Gewicht fallen. Sie haben es geschafft das bisher beste Stealth-Game zu erschaffen. Hitman 3 ist jetzt schon ein Game of the Year-Kandidat, dabei hat das Jahr erst begonnen. 

Dennoch darf sich IO Interactive nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen und muss mit dem nächsten Ableger nicht nur das Gameplay mit Neuerungen vorantreiben, sondern auch die Schwächen beseitigen. Die KI ist in diesem Zustand keine Herausforderung, die Steuerung etwas hakelig, die Animationen zu steif und die Story zu lasch inszeniert. An diese Eckpunkte sollten die Entwickler im nächsten Teil herangehen, um die Serie weiter voranbringen zu können. Ich vergebe:

8 von 10 Punkten