The Dark Pictures House of Ashes im Test – B-Movie-Flair zum nachspielen

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Mit „House of Ashes“ liefern die Entwickler von Supermassive Games pünktlich zu Halloween die dritte Episode ihrer „The Dark Pictures”-Horror-Reihe ab. Die Vorgänger „Men of Medan“ und „Little Hope“ sorgten zwar für Unterhaltung, konnten aber keinen Horror-Fan vom Hocker reißen. Doch wie sieht es mit der aktuellen Episode aus? Wird man endlich an den Erfolg von „Until Dawn“ anknüpfen können? Wir haben uns für euch durch das neuste Kapitel gekämpft und verraten euch, wie „House of Ashes“ geworden ist. 

Ein verheerender Konflikt

Solltet ihr die „Dark Pictures Anthology“ von Supermassive Games und Bandai Namco Entertainment noch nicht kennen, dann fasse ich es kurz für euch zusammen: Es handelt sich dabei um eine Horrorspiel-Franchise, die bereits aus drei kleinen Episoden besteht. Jede Episode unterhält euch zwischen 6 – 8 Spielstunden und erzählt eine in sich geschlossene Geschichte. Dabei werden immer wieder neue Charaktere, Schauplätze und Bedrohungen vorgestellt. Ähnlich wie in „Until Dawn“ handelt es sich bei der Franchise eher um spielbare Horror-Filme, wo der Spieler Entscheidungen trifft, die tödliche Konsequenzen haben könnten. 

In „House of Ashes“ werden die Spieler in den Irakkrieg des Jahres 2003 entführt. Hier übernehmen wir die Kontrolle über eine amerikanische Spezialeinheit, die sich auf die Suche nach Biowaffen begibt. Am Stützpunkt des angeblichen Biowaffenverstecks wird die Spezialeinheit von der irakischen Armee überrascht. Es kommt zu einem Kampf und ein plötzliches Erdbeben verschüttet die verfeindeten Einheiten in den Tiefen eines längst vergessenen Tempels. Verwirrt und von einander getrennt, suchen sie nach weiteren Überlebenden ihrer Einheit.

Und anstatt auf ein verstecktes Waffenlager in den Ruinen zu stoßen, werden sie plötzlich von blutrünstigen Monstern gejagt, die entfernt an riesige Fledermäuse erinnern. Trotz moderner Waffengewalt sind die Biester nicht leicht Tod zu kriegen, sodass meistens nur die Flucht bleibt. Doch nicht nur die Monster sind eine Gefahr. Auch menschliche Feinde lauern in den dunklen Winkeln. Werden es alle lebend aus den tödlichen Ruinen schaffen oder sterben sie vielleicht alle bei dem Versuch? Das allein liegt nun in der Hand der Spieler. 

Action statt Grusel

Dass sich Soldaten viel actionreicher gegen tödliche Gefahren zur Wehr setzen, als Studenten oder abenteuerlustige Teenager, sollte wohl keinen überraschen. Dementsprechend fällt das neue Horror-Abenteuer weitaus actionreicher aus, als noch „Men of Medan“ und „Little Hope“. Hierdurch wird der Gruselfaktor ganz schön weit in den Hintergrund gerückt, was mich persönlich jedoch nicht gestört hat. Schade ist jedoch, dass bereits im Prolog, welcher in einem sumerischen Tempel viele Jahre vor den Geschehnissen des Spiels stattfindet, die Monster enthüllt werden und somit keine Überraschung mehr darstellen. Dabei hätte man genau diesen Aspekt als kleinen Plot-Twist nutzen können und viel effektiver als Horror-Element einbringen können. 

Aber keine Sorge, Plot-Twists gibt es dennoch zuhauf. Besonders im letzten Drittel des Spiels werden viele offene Fragen beantwortet. Die Geschichte erlebt nochmal eine große Wendung, die leider nicht bis zu Ende gedacht ist und somit leider noch ein paar offene Fragen bestehen bleiben. Da helfen euch leider auch nicht die zahlreichen Sammelgegenstände wie Tagebucheinträge weiter. Zudem sind diese auch noch oft an völlig seltsamen Orten verteilt, sodass sie fehlplatziert wirken. Hierdurch wird der Eindruck vermittelt, dass man einfach nur die Spielzeit strecken wollte. Zum Beispiel ist man in einem Abschnitt in einer hüfthohen Blutlache unterwegs und am Rande liegen vereinzelt auf schwimmenden Brettern lose Buchseiten rum. Das hätte man viel eleganter lösen können.

Film oder Spiel

Die Spiele erinnern mich immer ein wenig an diese interaktiven Filme oder Serien auf Netflix. Es besteht immer die Frage, ob es sich dabei noch um ein Spiel handelt oder einen interaktiven Film. Nun, die Antwort auf diese Frage ist beides. Das Spiel besteht aus vielen Zwischensequenzen, in denen der Spieler durch Quick-Time-Events und Antworten maßgeblich die Handlung verändert. Jeder Charakter kann an verschiedenen Punkten im Spiel sterben, sodass es zahlreiche Todesarten gibt. In „House of Ashes“ sind es insgesamt 60 verschiedene Tode, die ihr auf dem Bildschirm erleben könnt. Nur euer Geschick kann dazu führen, dass alle überleben. Darüber hinaus lässt sich das Abenteuer Online mit einem Freund oder aber mit vier weiteren Freunden an einer Konsole erleben. Dafür benötigt man auch praktischerweise nur einen einzigen Controller, der weitergereicht wird. Sehr cool. 

In einigen Spielabschnitten dürfen wir sogar eine Figur selbst steuern und erkunden kleine Areale, wo es Hinweise und Vorahnungen zu entdecken gibt. Während die Hinweise Storylücken schließen sollen und mögliche Fragen beantworten, zeigen uns die Vorahnungen eine mögliche Zukunft. Hierdurch werden unsere Entscheidungen möglicherweise manipuliert. Sehen wir zum Beispiel in einer Vorahnung, wie sich eine Figur mit einem bestimmten Gegenstand zur Wehr setzt, dann werden wir diesen mit Sicherheit einstecken, sobald wir über ihn stolpern. Vielleicht bekommt ihr aber auch eine tödliche Zukunft präsentiert und somit einen Hinweis darauf, wie ihr diesen tödlichen Ausgang abwenden könnt. Diese Vorahnungen machen einen spannenden Aspekt des Spiels aus und verleiten euch vielleicht sogar zu einer Fehlentscheidung. 

Darüber hinaus begleitet euch der sogenannte Kurator durch die Geschichte. Auf Wunsch wird er euch mit kryptischen Hinweisen versorgen, doch erwartet bloß keine Hilfe von ihm. Er ist und bleibt ein stiller Beobachter, der sogar manches Mal in wichtigen Entscheidungen im Hintergrund entdeckt werden kann. Er zeichnet all eure Schritte auf und gibt euch an einzelnen Wendepunkten der Geschichte seine Einschätzung der Situation wieder. Der Kurator ist eine grandiose Kultfigur der Serie. 

Mehr schlecht als recht

Gerade in einem Spiel, wo die spielerischen Elemente auf ein Minimum reduziert wurden, sollten sie sich wirklich gut spielen lassen, was hier leider so gar nicht der Fall ist. Die Steuerung ist ungelenk und schwerfällig. Einige Interaktionen haben zudem einfach keinen Mehrwert. So kann man sich verschiedene Sachen näher ansehen und mit der R2-Taste heranzoomen oder greifen. Manches Mal wird ein Geheimnis entdeckt oder die Figuren kommentieren das Gesehene und in einigen Fällen kommt dabei gar nichts herum. Das fühlt sich wie eine falsche Fährte an, die ebenfalls dazu genutzt wird die Spielzeit unnötig zu strecken. 

Zudem empfand ich die Quick-Time-Events als recht nervig. Bei mir hat sich eine regelrechte Ermüdungserscheinung eingeschlichen. Besonders, weil es nicht immer ersichtlich war, wann mit diesen Quick-Time-Events zu rechnen war. In einigen Szenen wurde man mit einem kurzen Hinweis darauf aufmerksam gemacht und in anderen poppten sie plötzlich auf. Darüber hinaus fällt die Reaktionszeit für diese Events immer unterschiedlich aus. Manches Mal hat man gefühlt lange Zeit zu reagieren und ein anderes Mal sieht man kaum den Knopf. Dadurch blickt man immer angespannt auf den Bildschirm. Einigen könnte diese andauernde Anspannung gefallen, doch für mich wurde es anstrengend. Zum Glück lassen sich diese Events in den Einstellungen deaktivieren.  

Ziemlich inkonsequent

Auch die Entscheidungsmöglichkeiten sind nicht immer eindeutig beschrieben und die Charaktere entwickeln sich im Verlauf der Geschichte ziemlich inkonsequent. Die Entwickler hinterlassen den Eindruck, dass man die Persönlichkeit eines Charakters selbst mitbestimmt, indem ihnen nach einigen Entscheidungen Wesenszüge wie mutig, pflichtbewusst oder stur zugeschrieben werden, aber das ist nur eine Illusion, die keinen Einfluss auf die Ereignisse hat.

Als Beispiel für beide Kritikpunkte hebe ich hierfür die Beziehung zwischen Eric und Rachel King (die übrigens von Hollywood-Schauspielerin Ashley Tisdale verkörpert wird) hervor. Die beiden sind seit einem Jahr geschieden und man kann als Spieler bestimmen, ob die Beziehung neu aufblüht oder weiter verwelkt. Ich habe mich für letzteres entschieden und machte in jeder Situation als Rachel recht deutlich, dass die Beziehung keine Zukunft hat. Doch recht spät in der Geschichte kommt es zu einer Situation, wo Eric sich entschuldigt und man sich als Rachel unter anderem für “ich weiß” entscheiden kann. In der Annahme, dass Rachel einfach Erics Gewissen bereinigt, umarmt sie ihn stattdessen und gibt ihm einen Zungenkuss. Das war weder gewollt noch irgendwie ersichtlich. Zum Glück sind es nur seltene Ereignisse, die einen jedoch völlig verwirrt zurücklassen. 

Apropos verwirrt. Möglicherweise liegt es einfach an den Synchronsprechern, aber einige Emotionen überschlagen sich recht abrupt in einigen Szenen. So kam es öfter vor, dass ein Charakter recht wütend auf eine Situation reagierte und im nächsten Augenblick völlig gelassen weiterredete, so als wäre dieser Wutausbruch nie passiert. Und zu allem Überfluss ist das Ende einfach nur plump und unlogisch. Klar weist die Story einige logische Lücken auf, doch kann man diese recht schnell verzeihen, aber das Ende, welches mir serviert wurde, hat das gesamte Abenteuer ad absurdum geführt. Eigentlich sorgen die Entscheidungsmöglichkeiten für einen recht hohen Wiederspielwert, aber nach diesem Ende, würde ich jeden weiteren Spieldurchgang lieber sein lassen. 

Fazit

“House of Ashes” ist definitiv nicht die schlechteste Episode der „Dark Pictures Anthology“, aber sie lässt deutlich Luft nach oben übrig. Die Entwickler von Supermassive Games sollten am Polishing der spielbaren Elemente arbeiten. Diese fallen recht kurz aus, spielen sich aber sehr ungelenk, sodass ich wenig Spaß daran hatte die Figuren durch die Level zu manövrieren. Gerade diese sollten sich schön geschmeidig spielen lassen. Darüber hinaus müssen die Entwickler unbedingt darauf aufpassen, dass ihre Geschichten keine zu groben logischen Lücken aufweisen.

Trotz der schwerfälligen Steuerung hatte ich recht viel Spaß an der Geschichte, doch mein persönliches Ende hat mir das gesamte Abenteuer komplett versaut. Das Spiel verströmt so einen charmant trashigen B-Movie-Flair, vor allem weil die Charaktere sich manches Mal recht komisch verhalten. Wer genau auf diesen Flair steht, sollte sich das Spiel nicht entgehen lassen. Die Quick-Time-Events sind in meinen Augen recht aus der Mode gekommen und nerven mehr, als das sie für Abwechslung sorgen. Zum Glück sind sie deaktivierbar. Dementsprechend vergebe ich 

6 von 10 Punkten

 

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