Mass Effect Legendary Edition im Test – Kann Biowares Meisterwerk auch heute noch begeistern?

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Commander Shepard ist Zurück! Zwar haben Bioware und Electronic Arts ihm und seiner Crew keine Generalüberholung gespendet, sondern nur ein Facelifting, aber immerhin bekommen Fans die Gelegenheit erneut in die fesselnden Abenteuer auf aktueller Hardware eintauchen zu dürfen. Denn die sogenannte Mass Effect Legendary Edition ist leider nur ein Remaster und kein Remake, dennoch schnürt man den Spielern ein üppiges Paket zusammen. So findet sich darin die komplette Mass Effect Trilogie mitsamt fast allen DLCs wieder. Ausgenommen ist der Mass Effect 1 DLC “Pinnacle Station”, dem aber kaum jemand nachweinen dürfte, da er schon damals als uninspiriert, unnötig und sogar als Geldverschwendung angesehen wurde. Dieser konnte von den Entwicklern nicht wiederhergestellt werden, da der Quellcode beschädigt war. Darüber hinaus fehlt zum Zeitpunkt des Tests der Multiplayer-Part von Mass Effect 3, der jedoch nachgereicht werden könnte. Aber auch dieser war kein Meilenstein der Spielgeschichte und wurde von den meisten nur gespielt, um wichtige Ressourcen für die Kampagne erschließen zu können. 

So, wo nun geklärt ist, was die Mass Effect Legendary Edition ist, kommen wir nun zu meinem Test. In diesem möchte ich natürlich die technischen Verbesserungen gegenüber der originalen Trilogie erwähnen, doch im Kern möchte ich euch die Frage beantworten, ob Mass Effect auch heute noch begeistern kann. Immerhin ist der erste Teil schon knapp 14 Jahre alt und die Spiele haben sich massiv weiterentwickelt. Wirkt Biowares Magie auch nach so langer Zeit? Wer keine Zeit für den kompletten Test hat, der kann auch direkt zum Fazit springen.

Ein Mann, die Galaxie zu einen

In Mass Effect schlüpft ihr in die Haut von Commander Shepard, dessen Vorgeschichte der Spieler selbst bestimmt. Ob nun ein Waisenkind, welches auf der Straße aufwächst und eine Militärkarriere einschlägt oder aber ein Kind, dessen Eltern beim Militär sind und dieses sich dementsprechend ebenfalls zum Militär hingezogen fühlt, spielt in erster Linie keine große Rolle. Fest steht, dass Shepard schon jetzt als ein Kriegsheld in die Geschichte der Menschheit eingegangen ist. Nachdem ihr also eure Vorgeschichte und natürlich Rollenspieltypisch das Aussehen sowie Geschlecht eures Charakters bestimmt habt. Setzt die Geschichte mit einer geheimnisvollen Mission zu Eden Prime, einer menschlichen Kolonie, ein. Dort wurde nämlich ein seltsames Alien Artefakt entdeckt, welches ihr bergen sollt. Dort angekommen, wird die Kolonie bereits von den Geth angegriffen, einer humanoiden Maschinenrasse, welche die menschlichen Kolonisten in willenlose Hybridwesen namens Husk verwandeln.

Begleitet wird Shepards Crew von Nihlus Kryik, einem turianischem Spectre, der auf Eden Prime nicht nur Shepards Leistung beurteilen soll, sondern auch dabei helfen soll das Alien Artefakt zu sichern. Spectres sind Agenten der Abteilung “Special Tactics and Reconnaissance” und somit sowas wie die Hüter der Galaxie. Nihlus wird jedoch hinterrücks von Saren Arterius ermordet, der ebenfalls ein Spectre ist. Saren entpuppt sich als Anführer der Geth Armee und versucht ebenfalls an das Alien Artefakt heranzukommen, doch Shepards Crew ist schneller. Shepard wird vom Alien Artefakt erfasst, welches sich als eine Art Sender entpuppt und wird von schrecklichen Visionen von Tod und Zerstörung durch eine unbekannte Alien Rasse geplagt. Nach den Ereignissen auf Eden Prime liegt es nun an Shepard die Galaxie vor der nahenden Bedrohung zu warnen und der möglichen Auslöschung allen Lebens zu entgehen.

Auf der Jagd nach Saren steigt Shepard als erster Mensch in den Rang eines Spectres auf und vernichtet den Vorboten der noch unbekannten Rasse Namens Reaper. Im Verlauf der Kampagne wird der Spieler mit unzähligen Entscheidungen konfrontiert, dessen Auswirkungen die gesamte Trilogie betreffen werden. Dementsprechend wird jeder Spieler seine eigene individuelle Geschichte erleben können. Seid ihr bereit euch den Reapern entgegen zu stellen und werdet ihr es schaffen die Galaxie zu einen, um eine riesige Armee zu formieren? Nur ihr könnt die Galaxie noch retten. 

Das hat sich geändert

Wie bereits erwähnt stellt die Mass Effect Legendary Edition eine praktische Sammlung der Mass Effect Trilogie dar. Auf einen Schlag werden nicht nur die Hauptspiele, sondern auch die dazugehörigen Erweiterungen installiert und können dank einem Launcher gestartet werden. Die Erweiterungen sind organisch in der Kampagne eingebunden und müssen nicht explizit ausgewählt werden. Dank des interaktiven Genesis-Comics müsst ihr noch nicht einmal mit dem ersten Serienableger starten, um die Story mitsamt den wichtigsten Entscheidungen zu erleben und zu beeinflussen. Doch davon würde ich euch entschieden abraten, denn ihr könnt viele Boni aus den vorigen Teilen in den nächsten mitnehmen. Jederzeit ist der Wechsel zwischen den Teilen möglich. Zudem baut ihr durch den Comic keine emotionale Bindung zu den Charakteren auf, was einfach fatal ist, denn die grandios geschriebenen Charaktere und deren Geschichten spiegeln die Seele von Mass Effect wieder. Vor allem ab dem zweiten Teil rücken die Charaktere viel mehr in den Fokus und entführen den Spieler auf eine emotionale Achterbahn, wenn dieser sich darauf einlässt. 

Für die Remaster Fassung hat man viel an der Technik gefeilt, aber auch spielerische Verbesserungen konnte man umsetzen. So können sich Käufer auf eine verbesserte Beleuchtung sowie Schatten freuen. Die Texturen für Charaktermodelle und Umgebungen wurden aufwändig überarbeitet. Zudem wurde die Performance deutlich verbessert. Auf den Konsolen können Spieler zwischen dem Qualitätsmodus oder dem Leistungsmodus wählen. Im Detail sind folgende Unterschiede dieser beiden Darstellungsmodi auszumachen:

                 Qualitätsmodus

Leistungsmodus

PS4: bis zu 30 FPS + 1080p

PS4: bis zu 60 FPS + 1080p

PS4 Pro: bis zu 30 FPS + 4K UHD

PS4 Pro: bis zu 60 FPS + 1440p

PS5: bis zu 60 FPS + 4K UHD

PS5: bis zu 60 FPS + 1440p

Xbox One: bis zu 30 FPS + 1080p

Xbox One: bis zu 60 FPS + 1080p

Xbox One X/ Series S: bis zu 30 FPS + 4K UHD

Xbox One X/ Series S: bis zu 60 FPS + 1440p

Xbox Series X: bis zu 60 FPS + 4K UHD

Xbox Series X: bis zu 120 FPS + 1440p

Auf der Seite der spielerischen Verbesserungen findet sich ein einheitlicher Charakter-Editor wieder, der zusätzliche Optionen für Haare, Augen, Make-up und viel mehr bietet. Darüber hinaus kann man nun ab dem ersten Mass Effect einen weiblichen Shepard erstellen, dies war im Original erst ab Teil 3 möglich. Das HUD wurde in allen drei Teilen vereinheitlicht und modernisiert. Auch die Steuerung wurde in allen drei Teilen angeglichen. Die Minispiele wurden vereinfacht, um sie zugänglicher zu machen. Darüber hinaus existiert nun in allen drei Teilen ein Fotomodus. Am meisten Aufwand durfte der erste Serienableger erfahren haben. So hat man die Genauigkeit und Handhabung aller Waffen verbessert und das Waffenschwanken beim Scharfschützengewehr komplett entfernt. Zusätzlich kann jede Klasse alle Waffen ohne Nachteile nutzen, Nahkampfangriffe lassen sich per Knopfdruck auslösen und Kopftreffer erzielen nun deutlich mehr schaden beim Gegner. Shepard kann nun auch außerhalb von Kämpfen sprinten, was echt angenehm ist. Bosse und Gegner wurden angepasst, um fairer zu sein und das Inventar ist zwar immer noch unübersichtlich, aber ihr könnt nun einzelne Items als Müll kennzeichnen, um diese per Knopfdruck zu verkaufen oder in Omni-Gel konvertieren.

Auch das Mako Fahrzeug wurde stark angepasst. So wurde die Fahrphysik verbessert, wodurch sich das Gefährt etwas wuchtiger anfühlen soll, um vor allem nicht mehr wie ein Flummi über die Landschaft zu hüpfen. Für meinen Geschmack hätte die Fahrphysik ruhig weiter angepasst werden können, denn in meinem Spieldurchlauf hüpfte der Mako dennoch wie wild durch die Gegend. Es soll zwar eine Option geben, um das Fahrgefühl auf den Originalzustand zurücksetzen zu können, doch diese hab ich schlicht nicht gefunden, deshalb kann ich nicht wirklich beurteilen, ob sich dahingehend wirklich viel verändert hat. Die Steuerung war dennoch akzeptabel. Darüber hinaus werden die gesammelten Erfahrungspunkte im Mako nicht mehr reduziert. Durch den den Wegfall des ME3-Multiplayers und der dazugehörigen Companion App musste das Galaxy at War-System aus ME3 ebenfalls überarbeitet werden. So erhalten eure Entscheidungen aus den Vorgängern im dritten Teil plötzlich viel mehr Bedeutung, wodurch es allerdings schwieriger wird, ein gutes Ende zu bekommen, wenn ihr nur Mass Effect 3 spielen wollt. Natürlich ist in der Mass Effect Legendary Edition auch das überarbeitete Ende für die Trilogie enthalten, denn im Original waren viele Fans enttäuscht vom Ende der Saga, sodass EA eine neues Ende schreiben lies. 

Trotz aller Verbesserungen sieht man den Spielen ihr hohes Alter dennoch direkt an. Wer sich enttäuscht von der grafischen Darstellung der Legendary Edition zeigt, dem lege ich den folgenden Trailer ans Herz, denn dieser verdeutlicht die doch sichtbaren unterschiede zwischen Remaster- und Originalfassung. Vor allem im direkten Vergleich erkennt man die massiven Verbesserungen.

Die zerlegte Trilogie

Im folgenden Abschnitt möchte ich so kurz und knapp wie nur möglich auf die einzelnen Ableger eingehen und diese aus heutiger Sicht beurteilen. Dabei klammere ich ganz bewusst aus, dass bereits ein Jahrzehnt vergangen ist und der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen hat. Viele dort zum Einsatz gekommenen Techniken und Gameplay-Elemente sind schon veraltet, sodass vor allem der erste Ableger die schwächste Figur abliefert, dennoch haben die Spiele ihren Zauber nicht verloren, ganz im Gegenteil sogar. Mit Mass Effect erschufen die Entwickler von Bioware ein unglaubliches Universum voller spannender Geschichten, die von vielen Fans auch heute noch gerne erlebet werden. Schon zum ursprünglichen Release im Jahr 2007 hatte das Spiel deutliche Schwächen, dennoch blieben einem Shepards Abenteuer im Gedächtnis. 

Mass Effect

Mass Effect war Biowares erster Versuch in den Shooter-Sektor vorzudringen. Zuvor machten sie sich einen Namen durch hervorragende Rollenspiele wie Balduar´s Gate, Neverwinter Nights und dem grandiosen Star Wars Knights of the old Repubulic. Mit Rollenspielen kannten sie sich also bestens aus, also machten sie sich ans Werk einen Hybrid aus Deckungs-Shooter und Rollenspiel auf die Beine zu stellen. Leider versagten die Entwickler auf vielen spielerischen Ebenen und dennoch ist Mass Effect ein grandioses und denkwürdiges Action-Rollenspiel geworden, aber wie passt das zusammen? 

Nun, zum einen hat Bioware ein unglaublich riesiges Universum erschaffen mit zahlreichen Spezies, die alle eine individuelle Hintergrundgeschichte spendiert bekommen. Ob wir nun mehr über das kriegerische Volk der Kroganer, die autokratische Gesellschaft der Turianer oder aber die Migranten-Flotte der Quarianer erfahren möchten, können wir das jederzeit aus einzelnen Gesprächen mit den Crew Mitgliedern erfahren oder aber in ausführlichen Kodex-Einträgen lesen. Auch die sechs Crew-Mitglieder haben ihre persönliche Geschichte, äußern sich zu den einzelnen Ereignissen und bekommen dadurch viel mehr Tiefe. Dadurch wirkt die Welt greifbar und lebendig. Zudem hat das Team jedem Planeten im Universum eine ausführliche Beschreibung verpasst, sodass wir mehr über dessen Atmosphäre oder sogar existierenden Kolonien in Erfahrung bringen können. Auch lassen sich vereinzelt einige Planeten erkunden. Finden unsere Scanner eine sogenannte Anomalie, können wir mit einem Panzerfahrzeug namens Mako auf dem Planeten landen, erkunden ein großflächiges Gebiet und erleben kleine Nebengeschichten, die sich hervorragend in die Geschichte der Hauptkampagne integrieren.

Zum anderen wird eine gut geschriebene Geschichte mit persönlichen Entscheidungen erzählt. Jeder Spieler hat die Wahl gute oder böse Entscheidungen zu treffen, um auf diese Weise zu entscheiden welche Charaktere zukünftig euren Weg kreuzen werden und wie die Umwelt auf euch reagiert. Natürlich hat die Hauptkampagne einen roten Faden, der durch keine eure Entscheidungen beeinflusst werden kann, dennoch ist es immer noch ziemlich cool selbst entscheiden zu können, ob ihr dem ein oder anderen Bösewicht das Licht ausknipst oder ihn lieber verschont. Die Auswirkungen eurer Entscheidung sind nicht nur auf den ersten Ableger begrenzt sondern begleiten euch durch die komplette Trilogie hindurch, was auch heute noch beeindruckt. 

Schade nur, dass gerade die Erkundungsfahrten mit dem Mako und die Schießereien aus heutiger Sicht verdammt langweilig sind. Die zahlreichen erkundbaren Planeten sehen zwar unterschiedlich aus, doch allesamt sind sie kahl, leblos und größtenteils leer. An vereinzelten Stellen lassen sich Artefakte bergen oder Mineralien finden, aber Abwechslung sieht anders aus. Auch die Schusswechsel sind aus heutiger Sicht völlig lieblos. Es existiert kein Trefferfeedback, die Deckungsmechanik ist hakelig und der taktische Ansatz wird zu keinem Zeitpunkt ausgereizt. Wenn man in Deckung gehen möchte, dann muss man gegen die Wand laufen. Shepard lehnt dann automatisch gegen Wände. Das führt dazu, dass man oftmals unfreiwillig in Deckung geht. Man kann seinen Gefährten zwar Befehle erteilen, doch dies ist in den meisten Fällen völlig unnötig, da die gegnerische KI strunzdumm ist und sich gerne als Kanonenfutter anbietet. Die Gegner suchen kaum Deckung und wenn sie Mal in Deckung gehen, dann verlassen sie diese schnell wieder oder verharren so lange dahinter, bis man sie flankiert.

Zudem verhalten sich die eigenen Gefährten auch nicht viel besser. Sie laufen euch entweder gerne vor die Flinte, sodass ihr eure Gegner nicht mehr sehen könnt oder gehen gleich neben dem Feind in Deckung. Darüber hinaus sind alle Bewegungsanimationen und Gesichter der Charaktere total steif, sodass absolut keine Emotionen vermittelt werden können. Tatsächliche Emotionen werden nur auf der erzählerischen Ebene durch die Bindung zu den Charakteren und den zahlreichen Geschichten aufgebaut. Darüber hinaus herrscht ein Mangel an denkwürdigen und frei erkundbaren Schauplätzen. Der größte erkundbare Bereich existiert in Form der Raumstation Citadel. Schade, dass die Citadel trotz zahlreicher Lebensformen so starr und leblos wirkt. Alle Bewohner verharren in ihrer festgelegten Position und geben ständig dieselben Phrasen von sich.

Mass Effect 2

Mit Mass Effect 2 hat man das Spielprinzip des Vorgängers radikal umstrukturiert. Die Rollenspielelemente wurde massiv zurückgeschraubt und man hat den Fokus auf die Shooter-Mechanik gelenkt. Jetzt existiert ein Trefferfeedback und die Feinde reagieren auf die unterschiedlichen Munitionsarten sowie Gewehrtypen. Damit wurde auch der Loot massiv zurückgeschraubt. Zwar findet man noch vereinzelt Waffen in der Welt, aber diese sind weniger Zahlreich und man kann seine Ausrüstung nicht mehr jederzeit ändern, sondern nur noch vor Beginn einer Mission oder an seltenen Waffenschränken. Rüstungen sind nur noch käuflich erwerbbar und können ebenfalls nur an bestimmten Stationen gewechselt werden. Mods für Waffen und Rüstungen wurden abgeschafft und durch Upgrades oder aktive Fähigkeiten im Skilltree ersetzt. Baupläne für Upgrades lassen sich entweder käuflich bei bestimmten Händlern erwerben oder können in der Welt entdeckt werden.

Zudem müssen nun Planeten nach Rohstoffen abgesucht werden, um Ressourcen abzubauen, wodurch wiederum die Upgrades freigeschaltet werden können. Auch das Deckungssystem wurde überarbeitet. Ab sofort kann Shepard per Knopfdruck in Deckung gehen, das ist deutlich angenehmer. Schade, dass die Gegner die Kugeln wie Schwämme aufsaugen und man durch Levelaufstiege den Schaden nicht direkt hoch skalieren kann. Nur durch Upgrades lässt sich der Schaden maximieren, doch das erfordert Zeit. Das hat mich irgendwann so genervt, dass ich den Schwierigkeitsgrad auf leicht gestellt habe, da die Kämpfe langweilig sind. Die KI der Gegner ist genauso stupide wie im Vorgänger und kennt keine Taktik. 

Der Mako wurde gestrichen und die Erkundungsmissionen wurden durch kurze schlauchartige Level ersetzt, die euch geradlinig durch die Nebengeschichte führen. Das ist durchaus angenehmer und abwechslungsreicher. Zudem hat man die Citadel aus dem Vorgänger stark abgeändert. Statt einer großen und frei begehbaren “Stadt” mit mehreren Bereichen, ist nur noch eine kleine Einkaufsmeile vorhanden. Dafür wurden mit Omega und Illium zweit weitere große Schauplätze zum Erkunden hinzugefügt. Insgesamt wirkt die Welt nun größer und vielfältiger, doch ist sie genauso starr und leblos wie ihr Vorgänger. Es gibt kein dynamisches Wetter oder Tag und Nachtwechsel. Die Bewohner stehen immer am selben Ort und geben jedesmal dieselben Phrasen von sich. 

Dafür rücken nun die Geschichten deutlich mehr in den Vordergrund. Dank der 13 Mann starken Crew kommt zudem mehr Leben in das Raumschiff Normandy. Jederzeit kann man die Gefährten wie auch schon im Vorgänger aufsuchen. Oftmals erzählen sie immer dasselbe, doch nach einiger Zeit geben sie mehr von sich Preis und es erschließen sich sogar besondere Nebenmissionen. Der Attentäter Thane zum Beispiel ist an einer tödlichen Krankheit erkrankt und hat nicht mehr lange zu Leben. Vor langer Zeit verließ er seine Familie, doch er beobachtete aus der Ferne weiter seinen Sohn. Nun will der Sohn in die Fußstapfen seines Vaters treten und Thane will es verhindern. Jack wurde als Kind von einem skrupelosen Konzern gefangen gehalten und musste grausame Experimente über sich ergehen lassen. Jetzt will sie mit dem Labor aus ihrer Kindheit ein für alle Mal abschließen und die Einrichtung vernichten. Das sind nur zwei Beispiele die ihr verfolgen könnt und lernt die Charaktere viel besser kennen. Schön ist auch, dass viele Charaktere aus dem ersten Teil einen Auftritt haben, dabei sind es nicht nur die ehemaligen Gefährten sondern auch Nebencharaktere aus Nebengeschichten, dessen Schicksale man erfährt. 

Die Erkundung der Galaxie wurde ebenfalls überarbeitet. Im Vorgänger navigierte man ziemlich simpel von einer Galaxie zur nächsten auf einer Übersichtskarte. Die Übersichtskarte ist größtenteils gleich geblieben, nur sieht man jetzt die Normandy darauf herumfliegen. Darüber hinaus muss man ab sofort mit Sonden und Kraftstoff wirtschaften. Fliegt man von einem Sonnensystem zum nächsten, dann verbraucht man Kraftstoff, ist der Tank leer, wird man für den Austausch einer wertvollen Ressource abgeschleppt. Mit den Sonden baut man Mineralien auf den Planeten ab. Jetzt muss man jeden Planeten mit einem Art Sonar absuchen und Sonden verschießen, um an die Mineralien zu kommen, die man für Upgrades benötigt. Ich weiß nicht was langweiliger ist, einen Planeten mit einem Sonar für Mineralien langsam absuchen oder mit einem hüpfenden Panzer über leblose Planeten zu düsen und dort die Mineralien vor Ort abzubauen. 

Mass Effect 3

In Mass Effect 3 rudern die Entwickler ein wenig zurück und überarbeiten erneut viele Gameplay Elemente. Scheinbar wollte man es jedem recht machen, denn zu Begin des Abenteuers könnt ihr zwischen einem Action orientiertem Gameplay, einem Rollenspiel orientiertem Gameplay oder aber euren Fokus gänzlich nur auf die Story festlegen. In allen drei Varianten funktioniert das Kampfsystem jedoch identisch und auch sonst lässt sich kaum ein unterschied ausmachen. Man baut auf die in Mass Effect 2 eingeführten Verbesserungen auf und ergänzt diese durch eine Hechtrolle. Zudem kann Shepard nun von Deckung zu Deckung laufen und an der Wand gelehnt um Ecken gehen. Auch ist es nun mögliche Leitern zu besteigen und kleinere Abgründe mit einem automatischen Sprung zu überwinden. Der Skilltree wurde größtenteils aus Mass Effect 2 übernommen und durch wenige passive Skills, die man auch im ersten Ableger kannte ergänzt. Auch ist es nun wieder möglich die Waffen mit Mods zu versehen. Mods, Waffen und Upgrades könnt ihr wie in Mass Effect 2 entweder in der Umwelt finden oder aber käuflich erwerben. 

 

Erneut modelliert man bekannte Schauplätze wie die Citadel oder die Normandy komplett um und verkleinert sie zum größtenteil sogar. Es ist ein wenig schade, dass wir nicht mehr den Ausmaß an Erkundungsfreiheit aus dem ersten Ableger zurück bekommen. Auch die Geschichten scheinen etwas an Qualität abgenommen zu haben und die Schauplätze bleiben weiterhin abwechslungsreich, doch sind diese noch geradliniger konzipiert. Hatte man in den Vorgängern noch kleine Sackgassen abseits des Weges eingebaut, um Ressourcen finden zu können, liegen sie einem in Mass Effect 3 förmlich vor den Füßen. Die Schußwechsel fühlen sich im Großen und Ganzen besser an, kommen aber dennoch nicht an zeitgemäße Deckuns-Shooter wie Gears of War heran. Waffen müssen wie in Teil vor Begin einer Mission gewählt werden, können jedoch beim Aufwinden einer neuen Waffe komplett geändert werden. So kann man seine Taktik öfters mitten in einer Mission abändern. Leider bleibt die KI der Gegner weiterhin hohl. Auch in Mass Effect 3 werden die taktischen Ansätze wie Befehle geben oder Fähigkeiten einsetzen kaum benötigt. Außer man spielt auf höheren Schwierigkeitsgraden, aber da wird Taktik nur auf Grund der hohen Lebenspunkte der Feinde notwendig. 

Auch die Erkundung der Galaxie funktioniert ein wenig anders. Die bekannte Übersichtskarte wurde nun in Teilbereiche, ähnlich wie ein Kuchen, aufgeteilt. Die Normandie ist erneut auf der Karte sichtbar nur muss man jetzt das Sonnensystem scannen, anstatt die einzelnen Planeten selbst, um was interessantes zu finden. Erst wenn etwas auf einem Planeten, Asteroiden oder Wrack gefunden wurde, muss man eine Sonde verschießen, um es zu bergen. Sonden sind nun unendlich verfügbar, doch der nervige Kraftstoff ist geblieben. Zudem muss man sich nicht mehr auf Mineralien suche begeben, die fallen nämlich auch weg und auf einen Mako wird ebenfalls verzichtet. Erneut rückt man den Fokus auf interessante und geradlinige Geschichten, statt euch leblose Gebiete vorzusetzen. Nervig wird die Suche nach Schätzen nur in befallenen Reaper-Sektoren, denn dort werdet ihr ständig von Reaper Schiffen gejagt und müsst euch oft zurückziehen und später wiederkehren. 

Fazit

Ja, Biowares Magie greift auch heute! Zwar hat der Zahn der Zeit ziemlich heftig an der Trilogie genagt, doch den darin enthaltenen Geschichten tut dies keinen Abbruch. Ich fühlte mich immer wieder an Indie-Spiele erinnert, die viele gute Ideen hatten, doch an der Umsetzung gescheitert waren. Vor allem im ersten Teil wiederholen sich viele Schauplätze, die Schußmechanik ist völlig lieblos, die Erkundungen der Planeten trostlos und es mangelt an Abwechslung. Viele Spielmechaniken schaffen es in der gesamten Trilogie nicht über den Mittelmaß hinaus und können sogar langweilig sein oder sogar nerven, doch das bis ins kleinste Detail durchdachte Universum, die zahlreichen Kulturen und Spezies, die spannende Geschichte, die alle drei Teile vereint und sogar eure Entscheidungen berücksichtigt, die zahlreichen diversen Charaktere mit unglaublich viel Tiefe und die vielfältigen Schauplätze trösten über alle Schwächen hinweg. Kaum eine andere Spielreihe schafft es euch so in den Bann zu ziehen und mit der Mass Effect Legendary Edition habt ihr nicht nur die Möglichkeit Shepards Abenteuer auf den aktuellen Konsolen zu erleben, sondern erhaltet auch ein zufridenstellendes Gesamtpaket mit mehr als 100 Stunden Spielzeit an die Hand. 

Ich kann diese Edition nur jedem Fan empfehlen und auch Neulinge sollten sich unbedingt diese Spielreihe ansehen. Jedoch nicht zum Vollpreis von 60 – 70 Euro. Meiner Meinung nach sind 30€ völlig angemessen. Auch wenn in diese Edition viel Arbeit geflossen ist, bleibt es nur eine restorierte Version einer bereits vorhandenen Trilogie. PC Spieler haben es sogar noch einfacher, denn mit kostenlosen Mods lässt sich leicht dieselbe, wenn nicht sogar eine bessere, Qualität und Auflösung erreichen. Da ich hier die gesamte Trilogie im Ganzen bewerte, vergebe ich folgende Punktzahl für die Mass Effect Legendary Edition:

7 von 10 Punkte

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